Haslach i. K. Mikroplastik auch an Kinzig Thema

Mittleres Kinzigtal - Wasser ist eine der wichtigsten Grundlagen für das Leben. Wer in der Region an Wasser denkt, kommt sofort auf die Kinzig, sie gab der Region ihren Namen, sie ist eine Lebensader. Andreas Fath hat die Kinzig im Hinblick auf Mikroplastik untersucht.

 

Aber wie ist es um die Kinzig bestellt? Wie sauber ist sie, wie ist die Wasserqualität? Andreas Fath, Professor für Chemie an der Hochschule Furtwangen, hat vor ungefähr einem Jahr die Kinzig untersucht.

Es gebe drei Säulen, auf denen die Analyse des Wassers aufbaut, sagt Fath. Erstens die biologische Beschaffenheit des Wassers, also Bakterien, die Konzentration von Mikroorganismen im Wasser, die Anzahl der Keime. Das wird beispielsweise beeinflusst von der Gülle, die auf die Felder ausgebracht wird und die nicht immer komplett vom Boden aufgenommen werden kann. "Das Wasser der Kinzig ist kein Trinkwasser, es gibt keine Trinkwasserverordnung", so Fath. Auch das Baden in Gewässern sei nicht immer ganz ungefährlich, vor allem für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist.

Die zweite Säule, auf der die Untersuchungen basieren, ist die Untersuchung auf gelöste Substanzen nicht biologischer Art, unter anderem Phosphat. Bei den Untersuchungen der Kinzig ging es beispielsweise um den Phosphat- und Nitratgehalt. Dabei entscheidend ist der sogenannte CSB-Wert, der chemische Sauerstoffbedarf. Er dient als Beurteilung für Schadstoffe, die ins Abwasser abgegeben oder die in einem Zeitraum entsorgt wurden.

Untersuchung beruht auf drei Säulen

Bei höherer Temperatur eines Gewässers nimmt der Sauerstoffgehalt ab, ein Gewässer kann eutroph werden. Hierbei ist der Verdünnungsfaktor wichtig, das heißt, die Dürre und der niedrige Wasserstand der Kinzig hätten eine verminderte Wasserqualität zur Folge haben können.

Als Fath vor einem Jahr mit einem Floß auf der Kinzig unterwegs war, herrschte auch Niedrigwasser. Die untersuchten Nitrat- und Phosphatwerte waren jedoch so niedrig, dass sie Trinkwasseransprüchen genügt hätten. Das bezieht sich jedoch nur auf diese beiden Werte, so Fath. Das bedeutet nicht, dass das Wasser der Kinzig Trinkwasserqualität hat. Wichtig sei dabei auch der Verdünnungseffekt. Die Menge der Schadstoffe, die in den Fluss gelangen, ist relativ konstant. Regnet es viel, so steigt der Wasseranteil, der Schadstoffanteil wird geringer. Die Gefahr, dass der Sauerstoffgehalt in der Kinzig so sehr sinke, dass Fäulnisprozesse entstehen, bestehe nicht, erklärt Fath.

Die dritte Säule der Untersuchungen eines Gewässers, ist die Konzentration von Mikroplastik. Auf den ersten Blick mag es erstaunen, aber die Nebenflüsse von Rhein und Donau, so auch die Kinzig, weisen eine höhere Konzentration an Mikroplastik auf, als die großen Ströme selbst. Das liege an der geringeren Tiefe und den Turbulenzen, die in kleineren Flüssen höher sind, so Fath. Durch die Bewegung des Wassers werden die Plastikpartikel aufgewirbelt. Sie setzen sich nicht auf dem Boden des Flusses ab, wie es häufig bei großen Strömen der Fall ist.

Die Untersuchungen, die bisher gemacht wurden, basieren darauf, dass an der Oberfläche Wasser filtriert und auf Mikroplastik untersucht wird. Dabei werden nur die leichteren Bestandteile gefunden, die schweren sinken zu Boden. Auch die leichten Partikel bleiben laut Fath nicht leicht – auf ihnen bildet sich ein Mikrofilm, der auch sie schwerer macht und sinken lässt. Das Spektrum der unterschiedlichen Mikroplastikpartikel ist in der Kinzig bunter als beispielsweise im Rhein, da Teilchen immer wieder aufgewirbelt werden und nicht absinken können.

Die Sedimente der Flüsse sind bisher noch nicht genau untersucht, sagt der Chemieprofessor. Nach einem Hochwasser sind Plastikteile am Kinzig-Ufer zu sehen, die teilweise löchrig sind. "Das, was da fehlt, ist bereits in den Rhein Richtung Nordsee geflossen", erklärt Fath. Kunststoff beinhaltet meistens Zusatzstoffe, die vom Wasser herausgelöst werden.

Auswirkungen von Nanopartikeln unklar

Das sind beispielsweise Weichmacher im PVC. "Am Ufer der Kinzig findet man beispielsweise Plastikstühle oder Styroporblöcke. Das ist eigentlich ein Hilferuf der Natur: Noch könnt ihr mich einsammeln", so Fath. Denn das, was Richtung Nordsee gespült wird, landet irgendwann wieder bei uns auf dem Teller, sei es mit Meersalz, Fisch oder Muscheln.

Darum möchte Fath das Bewusstsein der Menschen ändern. Es gibt Studien, die davon ausgehen, dass im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische in den Meeren sein wird, wenn sich das Abfallmanagement im Bereich Kunststoff nicht drastisch ändert. Auch im menschlichen Körper sind schon kleine Plastik-Partikel zu finden, sogenannte Nanopartikel. Welche Auswirkungen sie haben, ist wissenschaftlich noch nicht genau untersucht.

Im Rahmen der Schwabo-Sommerserie "Unser Wasser im Kinzigtal" beschäftigt unsere Redaktion sich mit Fragestellungen rund um den Einfluss, den die Kinzig, die Wasserversorgung und die Trockenheit auf das Leben im Tal haben. In 13 Teilen, die jeweils samstags und mittwochs erscheinen, beleuchten wir verschiedene Aspekte des Lebens mit (oder ohne) das Wasser. Am Samstag, 1. September, geht es um einen Mühlenrestaurator.

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