Haslach i. K. Kein Grundrecht auf ein Smartphone

Die Turnhalle beim Bildungszentrum hat sich für den ersten DigiTalk in ein Aufnahme-Studio verwandelt.Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Der erste "Digitalk" des Haslacher Bildungszentrums ist ein Erfolg gewesen. 386 Aufrufe der digitalen Podiumsdiskussion mit Jörg Kabierske wurden auf YouTube verzeichnet.

Haslach. Der Medienexperte ist mit seinem Programm Klicksalat zum dritten Mal in der Haslacher Schule. Neben den Workshops für die einzelnen Klassenstufen enthält "Klicksalat" eigentlich auch immer einen Abend für Eltern. In Zeiten der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Teil-Stillstand im Land, war ein Elternabend in gewohnter Form nicht möglich. Also wurde die Turnhalle beim Bildungszentrum in ein Aufnahme-Studio verwandelt, Kameras, Mikros und jede Menge Technik herbeigeschafft – und der geplante Elternabend als Podiumsdiskussion ins Internet verlegt.

Die Diskussionsteilnehmer waren neben Schulleiter Christof Terglane die Lehrer Sabine Noll und Oliver Wenisch, die Schülersprecher Vesna Ramsteiner und Silas Rißler, vom Vorstand des Fördervereins Florian Wölfle sowie vom IT-Beirat der Schule Michael Schöner. Ihnen stand Jörg Kabierske Rede und Antwort rund um die Frage der Medien-Nutzung durch Kinder. Für den Experten stand fest: "Kinder suchen maximalen Spaß und Unterhaltung. Die nehmen sie so lange, bis die Eltern ›Stopp‹ sagen!" Zur Eltern-Kind-Diskussion gehöre unbedingt Transparenz im Nutzungsverhalten, denn nur aufgrund einer fundierten Datenbasis lasse sich konstruktiv über Bildschirmzeiten und Inhalte diskutieren. Sein Rat zielte in Richtung Medien-Nutzungs-Vertrag. "Es ist doch nicht Gottgegeben, dass jedes Kind ein Grundrecht auf ein Smartphone hat", betonte der Medienexperte.

Außerdem würden die Geräte nicht vom Himmel fallen, sondern die Eltern würden ihre Kinder damit ausstatten.

Jörg Kabierske lenkte den Blick auf die Ursachen der stundenlangen Beschäftigung in der Online-Welt. Nach entsprechenden Gesprächen mit Psychologen stehe für ihn fest: "Es ist ein Ausdruck des Defizit-Empfindens in der realen Welt." Was im "richtigen" Leben fehle, werde in der digitalen Welt gefunden. Anerkennung durch ›Likes", Mitstreiter bei digitalen Spielen, Erfolg auf verschiedenen Ebenen. "Online-Erfolge des Einzelnen können gigantisch sein – aber welchen Wert zieht er daraus für sein reales Leben?", stellte der Medienexperten die Frage.

Schulleiter Christof Terglane zeigte sich im Ergebnis mit dem neuen Format sehr zufrieden, wenn er auch einräumte: "Eine live gesendete Podiumsdiskussion – da war vorher eine gewisse Nervosität durchaus vorhanden." Doch es habe viele positive Rückmeldungen gegeben und die Verantwortlichen wären froh, unter den gegebenen Umständen so viele Eltern erreicht zu haben.

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