Leselenz-Samstag "Generalprobe und Uraufführung"

Mit viel Spielfreude eröffneten die Musiker der Hausacher Stadtkapelle um Dirigent Raphael Janz eine Veranstaltung am Leselenz-Samstag. Foto: Störr

Literatur: Gesprochene Worte verbinden mit den Klängen der Stadtkapelle

Hausach - Der Leselenz-Samstag hat in diesem Jahr den Dialog der Kulturen gefördert. Zunächst verbanden sich gesprochene Worte mit den Klängen der Stadtkapelle. Für Wortkünstler wie Musiker war es nach der Corona-Pause der erste Auftritt vor Publikum.

"›Spoken Word‹ ist eine eigene literarische Gattung", erklärte Festivalleiter José Oliver. Der Auftritt der Literaten lebe von der Sprache, dem Ausdruck und dem Körpereinsatz. "Ich liebe das Experiment und die Dialoge – und bin gespannt darauf, was wir heute erleben werden", blickte er voraus.

Die Hausacher Stadtkapelle in Verbindung mit dem gesprochenen Wort wäre Generalprobe und Uraufführung gleichermaßen, ein historischer Moment werde im Rahmen des Leselenzes geschaffen. Mit viel Spielfreude eröffneten dann die Hausacher Musiker um Dirigent Raphael Janz den Nachmittag.

Das Literatur-Konzert bot viele Überraschungen und es wurde immer wieder viel applaudiert. Wenn sich beispielsweise Poet Dirk Hülstrum öfter ein Orchester mit auf die Bühne wünschte und die Musiker bat, seine kurzen Gedichte mit einem jeweils passenden Ton zu überbrücken. Wenn sich sein "Effektives Gedicht" konzentriert zeigte, ohne sich in Vieldeutigkeit zu verlieren, oder "Die Traktoren" verloren auf dem Acker der vergangenen Zeit standen. In der Schilderung eines seiner Probleme kam Hülstrum zu dem Schluss: "Es war schlecht – aber verdammt gut gemacht!" Dass sich die Zwischentöne immer wieder gleich anhörten, obwohl die Töne nicht vorgegeben waren, fiel dann allerdings in erster Linie dem Dirigenten auf.

Als zweite Poetin trat Miedya Mahmod ans Mikrofon, sie hatte "einige Notizen und einen Kopf, der sehr voll ist" mit in die Hausacher Stadthalle gebracht. Wortreich versuchte sie eine Türe zu öffnen und wusste doch nicht, ob das Publikum hindurch passen würde, wo sie selbst meist nur seitlich hinein käme.

Der Einblick sei Ausblick in die Zeit – und Zeit wäre kostbar, weshalb sie oft nicht gebe. Tiefsinnig schweiften Mahmods Gedanken rund um das Pflegen der Schwächen und Sorgen und sie stellte die rhetorische Frage: "Warum reden wir nicht über die richtige Freiheit – sondern immer nur über etwas, das wir darüber meinen?"

Die Stadtkapelle schaffte es anschließend spielend, die vorgetragenen Worte von Miedya Mahmodin ihrer beschwingten Musik aufgehen zu lassen. Das verlangte am Ende nach einer Zugabe und Mahmod erklärte am Ende: "Ich hatte so viel Musik und Tanz in mir – das war einfach ganz wunderbar!"