Haslach i. K. Eine beeindruckende Inszenierung

Den Schlussakkord des diesjährigen Meisterkurses Gesang setzten Lana Hartmann und Anja Rechberger im Haslacher Haus der Musik. Foto: Dorn

Konzert: Schüler des "Meisterkurses Gesang" überzeugen / Eine Woche intensiver Proben liegt hinter ihnen

Zum Abschlusskonzert des Gesangskurses von Bernd Valentin und Klaus Bernhard Roth haben sich am Sonntagvormittag wieder viele Kulturinteressierte im Haus der Musik eingefunden. Seit 2016 bieten Valentin und Roth den Kurs in Haslach an.

Haslach. Den Auftakt zum gut 90-minütigen Konzert macht der erst 18-jährige Elias Mädler, ab Oktober Gesangsstudent bei Valentin am Salzburger Mozarteum. Schüchtern steht der schlaksige junge Mann auf der Bühne, aufmunternd legt Roth am Flügel die ersten Takte von Händel vor. Dann geht ein Beben durch den Oberkörper des Sängers. Mit jeder weiteren Strophe der "Arie des Zoroastro" von Georg Friedrich Händel wächst das Zutrauen des jungen Basses in sein künstlerisches Tun. Mit dem Schlussakkord fällt die Anspannung ab.

Arien werden zum Höhepunkt der ersten Hälfte

Für den ersten Auftritt der beiden Sopran-Sängerinnen Anja Rechberger und Isabell Drost sieht das Konzertprogramm ein kurzes Duett von Mendelssohn vor, welches beide auf Betriebstemperatur bringt. Josef Schlömicher, im Erstberuf HNO-Arzt, erfüllt sich gerade als Seniorstudent den Traum vom Gesangsstudium und strahlt auf der Bühne eine raumgreifende Ruhe aus. Ausdrucksstark in Gestik und Mimik singt er fast im Rezitativ Robert Schumanns "Widmung" und bringt die Ruhe mit, seine Darbietung beim Zuschauer sacken zu lassen. Er harrt wie ein Fels gut 15 Sekunden bis zum Applaus aus.

Zum Höhepunkt der ersten Konzerthälfte gibt das Ensemble vier Arien aus Mozarts "Hochzeit des Figaro". In wunderbar szenischem Spiel misst Mädler als Figaro mit einem Zollstock zunächst corona-konform die Abstände auf der Bühne aus, während sich vor der Bühne Susanna alias Donata Meyer-Kranixfeld noch einsingt, dann singen Bassist und Sopranistin ein sehr gelungenes Duett. Isabell Drost übernimmt die Arie des Cherubims, kraftvoll und mit viel Volumen in der Stimme gelingt auch dieser Part. Dass der Operngesang so etwas wie die Königsdisziplin ist, zeigt Meyer-Kranixfeld als Gräfin. Lange, auswendig vorzuhaltende Textpassagen in fremden Sprachen wie Italienisch, Französisch oder Englisch, alternativ deutsche Texte, die teils Jahrhunderte alt sind und damit oft weit weg von den Hör- und Sprechgewohnheiten des 21. Jahrhundert, das Wissen um die Melodie, die verlangte Tonhöhe und Dynamik, natürlich auch auswendig ohne das Notenbild vor sich haben zu können und dann soll der Gesang noch mit Gestik und Mimik unterstützt werden.

Meyer-Kranixfeld laborierte die ganze Probenwoche noch an den Folgen einer Mandel-Operation und musste viel Energie in das Zurückfinden der Töne stecken, Zeit, die am Auswendiglernen der Arientexte fehlte. Klavierbegleiter Roth muss die Anfänge der "Gräfin" soufflieren, greift dann umso dramatischer in die Tasten und bringt die Sängerin so zurück in die Spur. Meyer-Kranixfeld brilliert mit exakt getroffenen Höhen und im furiosen Finale gerät auch mimisch jeder "esperanza!"-Ausruf zu einem wahrlich dramatischen Moment.

Anja Rechberger, im Programm zuständig für kurze deutsche (Liebes-)lieder, haucht "Wer hat dies Liedlein erdacht" von Gustav Mahler, in völligem Kontrast dazu folge Schlömicher mit einer düsteren, sehr getragenen Ode an den Abendstern aus der Oper Tannhäuser und Lana Hartmann reüssiert mit der Arie der Juliette von Gounod und zeigt, dass das Französische dem Italienischen als Ariensprache in nichts nachsteht.

Abwechslungsreich geht es auch nach der Pause weiter, in Haslach zu Gast waren nacheinander aus dem Schubert’schen Universum der Erlkönig (Schlömicher), Eifersucht und Stolz (Mädler), das Gretchen am Spinnrad (Rechberger), Auf dem Wasser zu singen (Drost) und Der Musensohn (Mädler).

Den Abschluss machen Hartmann und Rechberger als von der Last der schweren Texte befreite Kätzinnen bei Rossinis "Katzenjammer" Mit mal eifersüchtig-kratzbürstigen, mal verschmusten Miau-Lauten endet das Konzert der Meisterschüler.

Bernd Valentin ist Musikprofessor am Salzburger Mozarteum. Seit 2016 bietet er Gesangsschülern die Möglichkeit, die Meisterkurse in Haslach zu besuchen. Eine Woche lang wird im Haus der Musik intensiv geprobt.

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