Haslach i. K. Als die Kuh in die Baugrube fiel

Zum Jahreswechsel hat die Sparkasse Haslach-Zell mit ihrer Fusion zur Sparkasse Kinzigtal ein neues Kapitel aufgeschlagen. Dabei vergisst sie ihre Vergangenheit aber nicht: Ab sofort ist eine Chronik erhältlich.

Haslach. Diese blickt auf die lange Zeit seit 1833 zurück, seit der die Sparkasse Haslach-Zell und ihre Vorgänger-Institutionen bestehen. Das Erscheinen war 2020 mit einem großen Empfang geplant gewesen, bei dem die Chronik vorgestellt werden sollte. Aus den bekannten Gründen ist daraus nichts geworden – trotzdem wolle man die Chronik natürlich nicht unter den Tisch fallen lassen, hieß es beim Pressegespräch. Daher wurde diese corona-konform im kleinen Rahmen, mit Abstand und Maske vorgestellt.

Sie markiert zugleich einen Schlusspunkt hinter der Geschichte der Sparkasse Haslach-Zell. Bekanntlich ist diese zum Jahreswechsel mit der Sparkasse Gengenbach fusioniert. Daher nahmen die Vorstände auch die Gelegenheit wahr, kurz über den aktuellen Stand zu informieren.

Vorher wurde es aber historisch. Die drei Autoren der Chronik gaben kurz Einblick in das, was1833 mit der Gründung der "Erspaniskasse" Hornberg begann. Hans-Jürgen Brüstle hatte die Recherche in diesem Bereich federführend übernommen. Wie die Autoren informierten, hat jeder von ihnen sich um die Geschichte der Vorgänger-Institution gekümmert, der sie besonders nahe waren. Brüstle arbeitete bei der Sparkasse in Hornberg und Gutach, Joachim Schmidt in Haslach und Josef Ringwald in Biberach.

"In Hornberg begann alles", stellte Brüstle fest. 1833 wurde eine Erspaniskasse gegründet. Da die Geschichte der Sparkassen laut Martin Seidel, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kinzigtal, immer auch mit der Geschichte der Region verknüpft ist, sei mit der Chronik ein wertvolles Stück Zeitgeschichte entstanden, erklärte er. Die Sparkasse zeige mit der Aufarbeitung ncht nur diese Verbindung, sondern bleibe auch ihren eigenen Traditionen und Werten treu.

Worauf sie sich eingelassen hatten, wussten die drei schreibenden Sparkassen-Veteranen indes nicht – rückblickend können sie nicht beziffern, wie viel Zeit sie in das Projekt gesteckt haben. Allen war beim Pressegespräch jedoch anzumerken, dass es ein Herzensprojekt für die Männer war, die längst den Staffelstab an die nächste Generation übergeben haben.

Besonders interessant war für alle, zu sehen, wie eng die Sparkasse jeweils mit historischen Ereignissen verknüpft war. Brüstle berichtete, es habe ihn regelrecht erschreckt, die Korrespondenzen aus der Zeit des Dritten Reichs zu lesen. Für Ringwald war interessant zu erfahren, dass der Zeller Ritter von Buß an der Entwicklung des Sparkassenwesens in Deutschland beteiligt gewesen ist.

Und Schmidt hatte eine besondere Anekdote aus dem persönlichen Gespräch mit einem älteren Mitarbeiter: Als das jetzige Sparkassengebäude in Haslach gebaut wurde, machte sich beim Sahle-Metzger eine Kuh sebstständig und fiel in die Baugrube. "Wär’s ein Schwein gewesen, hätten wir es sicher behalten", frotzelte Seidel.

Treffen mit Wolfgang Schäuble ist online zu sehen

Die Chronik wartet nicht nur mit einem Grußwort des Aufsichtsratsvorsitzenden Philipp Saar auf. Wolfgang Schäuble, Präsident des deutschen Bundestags, hat das Vorwort erfasst. Immerhin hatte der gebürtige Hornberger bei der damaligen Sparkasse Hornberg als Jura-Student auch ein Praktikum abgelegt. Der Sparkassen-Vorstand hat den Politiker im vergangenen Jahr in Offenburg getroffen und sich mit ihm über das Projekt ausgetauscht. Stefan Hättich hat das Treffen in einem Video festgehalten, das auf der Internetseite der Sparkasse Kinzigtal abgerufen werden kann.

Die Chronik steht, nun schlägt das Geldinstitut als "Sparkasse Kinzigtal" ein neues Kapitel auf. "Der erste Monat hat gezeigt, dass wir den richtigen Weg mit der Fusion eingeschlagen haben", berichtete Vorstandsmitglied Carlo Carosi beim Pressegespräch. "Wir stehen voll im Saft und freuen uns jeden Tag auf die neuen Aufgaben und über die vielen Gestaltungsmöglichkeiten", ergänzte Seidel.

Die Chronik der Sparkasse Haslach-Zell ist in den Geschäftsstellen und Beratungscentern in Hornberg, Hausach, Haslach, Steinach, Zell und Biberach erhältlich. Sie kostet zehn Euro. Der Verkaufs-Erlös kommt den Awo-Ortsvereinen in Hornberg, Hausach und Zell zugute, informiert die Sparkasse. Darüberhinaus ist die Chronik bei der Buchhandlung Richter in Zell, Streit in Hausach sowie bei Aberle in Hornberg und Haslach zu bekommen.

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