»Hammerschläger« vor Gericht Polizisten berichten von der Verhaftung

Nadine Goltz
Die Staatsanwaltschaft Offenburg wirft einem 63-jährigen Mann versuchten Mord vor. Am Donnerstag war der zweite Verhandlungstag. Foto: Goltz

Einem 63-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft Offenburg vorgeworfen, mit einem Hammer auf einen schlafenden Mann eingeschlagen zu haben. Hauptsächlich Polizeibeamte waren am Donnerstag als Zeugen geladen.

Altenheim/Offenburg - Hereingeführt in Handschellen richtet sich der Blick des Angeklagten J. lange in den Zuschauerraum, so als suche er jemanden. Den Platz auf der Anklagebank muss der 63-Jährige einnehmen, weil ihm die Staatsanwaltschaft Offenburg versuchten Mord vorwirft. Auf der gegenüberliegenden Seite sitzt das mutmaßliche Opfer R., die Arme in den Schoß gelegt und mit gebeugter Körperhaltung. Der Vorsitzende Richter Stephan Hofsäß eröffnet am Mittwoch um 9.30 Uhr den zweiten Verhandlungstag. Geladen sind mehrere Zeugen, neben der Nachbarin von R. einige Polizeibeamte, die in der Nacht des 24. Juli 2021 – der Tatnacht – mit dem Fall zu tun hatten.

Laut Staatsanwaltschaft verschaffte sich der 63-Jährige damals Zutritt zu einem Haus in Altenheim und ging dort mit einem Gummihammer auf das schlafende Opfer los. Mehrfach soll J. auf R. eingeschlagen haben, bis er erkannt habe, dass er sich in der Wohnung geirrt und deshalb die falsche Person vor sich habe. Die Schläge hätten nicht R., sondern den neuen Freund der Ex-Affäre treffen sollen, wie J. gegenüber dem Opfer R. erklärt habe.

Einiges sei der Zeugin M., die in unmittelbarer Nachbarschaft des Tatorts wohnt, "komisch" vorgekommen. Ein um 2 Uhr nachts parkendes Auto, ein Mann, der im Hof rumgelaufen sei, und eine weinerliche Stimme, die "Hör auf" geschrien habe. Ausgegangen sei die Zeugin allerdings von einem Ehestreit und habe sich deshalb "nichts weiter dabei gedacht".

Richter Hofsäß geht im Anschluss mit den beteiligten Polizeibeamten die Tatnacht durch. "R. war deutlich verletzt. Blutüberströmt saß er im Schlafzimmer auf dem Bett", schildert ein Polizist, der einer der ersten am Tatort war. Auch der Boden im Schlafzimmer sei mit Blutspritzern übersät gewesen.

, habe eine rund 25 Kilometer lange Autofahrt zum Revier angestanddes Richters spricht der Polizist dem Angeklagten einen sehr offenen, gefassten und kooperativen Eindruck zu.

Diesen "recht normalen" Eindruck hatte auch ein anderer Beamter aus Mannheim gehabt. Allerdings habe der Tatverdächtige die Tragweite seines Vergehens "nicht wirklich einschätzen können. Er fragte, wie lange er denn noch hier bleiben müsse, da am Sonntag ein Radrennen anstehen würde."

Neben den Polizeibeamten bittet Hofsäß auch eine Richter-Kollegin des Landgerichts Offenburg in den Zeugenstand. Sie hatte den Haftbericht aufgenommen. Vor ihrer Vernehmung wurden bereits einige Passagen verlesen. Auch sie spricht von einem Mann, der von sich aus "so detailliert und chronologisch erzählt hatte", dass es sie beeindruckt habe. So etwas habe man nicht oft. Er habe den Bericht ganz genau durchgelesen und handschriftliche, vor allem stilistische Verbesserungen eingebracht, bevor er unterschrieben habe.

J. sei sehr bemüht gewesen, möglichst alles detailliert zu schildern und habe zum Ausdruck gebracht, dass er nicht mit Tötungsabsicht nach Altenheim gefahren sei. "Er meinte, er erwarte wegen Körperverletzung ein Urteil von zwei Jahren, das zur Bewährung ausgesetzt werde", so die Richterin. Wie J. zu dieser Auffassung kam, wisse sie nicht. Auch die Nachfrage von Staatsanwalt Phillip Nique, ob sie glaube, dass J. sich der Tragweite seines Handelns bewusst war, beantwortet sie im Zeugenstand mit einem zögerlichen "schwierig". Wichtig sei dem Angeklagten gewesen, so die Richterin, dass man wusste, dass er nicht habe töten wollen.

Das wird durch den Haftbericht bestätigt. Demnach sollte nach J.s Vorstellungen seine Ex-Affäre ihren aktuellen Freund, das eigentliche Opfer, nach seiner "Ansage" losbinden.

Wie der Lebensgefährte von J.s Ex zum Angeklagten steht, und ob er J., wie von diesem vorgebracht, vor der Tat tatsächlich immer wieder provoziert hat, soll beim nächsten Verhandlungstermin (siehe Info) geklärt werden. Er ist am Donnerstag, 10. Februar, als Zeuge geladen.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 10. Februar, um 9.30 Uhr am Landgericht Offenburg fortgesetzt. Ein weiterer Termin ist für den 3. März vorgesehen.