Gutach Sie haben fast die ganze Welt gesehen

Victor, Jaime, Bella und Astrid Leon – den lauschigen Biergarten beim "Cuckoo’s Nest" wollen sie noch aufpeppen.Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Das internationale Flair am Gutacher Freilichtmuseum ist ganz nach dem Geschmack von Astrid und Victor Leon. Es gefällt dem Ehepaar – echten Weltbürgern, die viel herumgekommen sind –, in dieser Atmosphäre zu arbeiten.

Gutach. Dabei war das Globetrotter-Dasein der gebürtigen Gutacherin Astrid Leon nicht unbedingt vorherbestimmt. Auch wenn sie das einzige Mädchen unter fünf Geschwistern vom Müllerjörgenhof im Steinenbach war, bedeutete das keinesfalls ein "Prinzessinendasein".

"Mithelfen war normal", erinnert sich die ausgebildete Sporttherapeutin. Zu tun gab es reichlich, denn die Eltern Christine und Erwin Wöhrle bewirtschafteten den 500 Jahre alten Hof im Vollerwerb. Die Sehnsucht nach der großen weiten Welt und deren Erkundung habe sie vermutlich von der Mutter geerbt, die ebenfalls sehr gerne reiste und als 17-Jährige ein soziales Jahr in Schweden ableistete. Eine auf dem Dach des Kiosks beim Freilichtmuseum, den die Leons betreiben, angebrachte Tafel verewigt ein Foto der unternehmungslustigen Christine mit ihrer Zwillingsschwester Emmi aus den 50er-Jahren.

Eine glückliche Fügung erfüllte Astrid Leons Fernweh. Mithilfe ihres Chefs ergatterte die damals 24-Jährige einen mehrmonatigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten. Zu dem Zeitpunkt hatte sie ihren späteren Ehemann Victor schon kennengelernt. "Mit einer Freundin unternahm ich eine Kreuzfahrt und sie kannte die Schiffscrew", erklärt Astrid Leon.

Von Australien zurück nach Gutach

Victor Leon ist gebürtiger Holländer und gelernter Koch, zu dessen Repertoire auch die Haute Cuisine der französischen Küche gehört. Er betrieb auf dem Schiff einen Shop für die Mannschaft. Für Victor, ebenso abenteuerlustig wie Astrid, war es seinen Worten nach "Liebe auf den ersten Blick". Die Seelenverwandtschaft habe auch sie sofort gespürt, doch damals sei sie in einer Beziehung mit einem Gutacher gewesen, erinnert sich die heute 48-Jährige. Klar wurde aber, dass ihre selbstbestimmte Vorstellung vom Leben eine andere Zukunft vorsah – zu der auch die romantische Liebesgeschichte mit ihrem Mann gehört. Victor, der auf dem Weg nach Neuseeland war, änderte seine Route und besuchte Astrid in Michigan.

Zusammen erkundeten sie auf einer Reise Nordamerika, auf der sie zueinander fanden und ein Paar wurden. Einige Jahre arbeitete die Gutacherin als Sporttherapeutin auf dem Kreuzfahrtschiff Aida. Später waren die Beiden auf der SS Norway tätih. "Das Leben war einfach schön", schwärmt Astrid Leon. Im Jahr 2000 hielt Victor bei den Eltern seiner Auserwählten um ihre Hand an. Zunächst ließ sich das Paar in Neuseeland nieder, wo die Mutter von Victor lebt. Nach zwei Jahren siedelten die Leons für zwölf Jahre nach Australien über, wo auch ihre beiden Töchter Jaime und Bella geboren wurden. Wohnsitze in Argentinien und Florida folgten.

Die Mädchen finden diese Lebensweise "cool". "Wir haben viel erlebt und klar, manchmal war Abschiedsschmerz dabei wegen zurückgelassener Freunde", meinen beide. Insgesamt sehen sie jedoch die Vorteile hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsentwicklung und der damit einhergehenden Weltoffenheit. Die heute 17-jährige Jaime absolviert derzeit in Baden-Baden eine Ausbildung im Hotelfach. Sie möchte in die Fußstapfen ihrer Eltern treten und auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten. Die 15-jährige Bella besucht die neunte Klasse im Haslacher Bildungszentrum und lernt für ihren Abschluss. "Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, erneut die Koffer zu packen, denn ich fühle mich sehr wohl und habe einen tollen Freundeskreis", erklärt sie.

Die Leons hatten längere Zeit mit dem Gedanken gespielt, nach Europa zurückzukehren und verwirklichten dies vor sechs Jahren. "Damit die Kinder ihre Wurzeln kennenlernen", so Astrid Leon. Die Mädchen konnten so noch Zeit mir ihrer Großmutter vom Müllerjörgenhof und ihrem holländischen Großvater verbringen, die in den vergangenen Jahren starben.

Die Leons, die den Kiosk "Cuckoo’s Nest" vor fünf Jahren gepachtet haben, stecken viel Energie in den Betrieb. "Die Selbstständigkeit ist zwar herausfordernd, doch wir bevorzugen das", ist sich das Paar einig.

Die Leons betreiben den Kiosk "Cuckoo’s Nest"­am Freilichtmuseum Vogtsbauernhof. Bis zum Ausbruch der Pandemie sei die Entwicklung des Betriebs sehr positiv gewesen und beide hoffen, dass sich dies "irgendwann" wieder fortsetzt. Abgesehen von den pandemiebedingten Einschränkungen sind sie an dem Punkt angekommen, dass "es so ist, wie wir es wollen", stellen die Leons fest.

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