Gutach Melodien und Tempi reißen mit

Das Akkordeon-Orchester gab am Sonntag ein furioses Konzert. Foto: Dorn Foto: Schwarzwälder Bote

Der Untertitel "Verrückte Musik" hat die treue Fangemeinde des Akkordeon-Orchesters Gutach nicht vom Besuch des Jahreskonzerts in der Festhalle abgehalten. Den ersten Konzertteil bestritt das Jugendorchester unter Leitung von Gabi Billharz.

Gutach. Sie feierte ihr 25-jähriges Jubiläum als Jugenddirigentin. Der Vorsitzende Manfred Aberle überreichte ihr ein Geschenk als Dank.

Couragiert moderierten die Jugendlichen ihre Stücke selbst. So wurde mit Boxhandschuhen an die Zeiten des großen Henry Maske erinnert, dessen Einlaufhymne "Conquest of Paradise" geriet allerdings zu schüchtern. Mit den Gospels "Kum ba ya" und "Rock my Soul" legten die Jugendlichen ihre Zurückhaltung ab.

Die Titelmelodie zur "Eiskönigin" verfehlte auch in der Bearbeitung für Akkordeon seine Publikumswirkung nicht. Eveline Konrat am Klavier nahm die Piano-Akkordeon-Spieler melodisch an die Hand. Lang anhaltender Beifall belohnte die Jugendlichen für ihren Auftritt.

Für zwei Stücke konzertierten Jugend- und Hauptorchester gemeinsam. Der italienische Regisseur und Komponist Roberto Benigni hätte am erfrischenden Spiel seines "Canzone di Pinocchio" seine Freude gehabt. Dirigent Vladimir Konrat hatte das Stück individuell arrangiert. Mit präzisen Griffen und Rhythmen wurde die Holzfigur für einige Minuten lebendig.

Mit Alvaro Solers "Sofia" kam – für die Jugendlichen – das Beste zum Schluss. Auch hierzu hatte Dirigent und Arrangeur Konrat einige Extraschichten am PC eingelegt. Heraus kam eine Version des Hits aus dem Jahr 2016, die durchaus das Zeug hat, Kinder und Jugendliche für das Akkordeon zu begeistern.

Die Mitglieder des Hauptorchesters wagten sich mit der "Cubanola" von Pietro Frosini gleich an einen Meilenstein der Akkordeon-Musik. Mehrstimmige Läufe zum heutzutage ungewohnten Rhythmus der Rumba verlangten der Kapelle alles ab und das fachkundige Publikum sparte nicht am Applaus.

"Denken Sie nicht an den rosa Elefanten", für die Moderation des wohl schönsten Stücks des Konzertabends griff Moderator Sven Aberle tief in die psychologische Trickkiste. Zur Aufführung kam "By the Rivers of Babylon" des Komponisten Ed Huckeby – und nicht der Gruppe "Boney M.". Eine kleine Melodie, zuerst gespielt von Eveline Konrat am Klavier, dann in verschiedenen Stimmlagen und unterschiedlichen Tempi variiert von den Akkordeonspielern. Meisterhaft arrangierte Konrat die Vorlage für Akkordeon. Ser rosa Boney-M.-Elefant verschwand so schnell, wie er gekommen war.

Für sein "Rondo" hatte Konrat vier Stücke unterschiedlichster Epochen und Stile zu einem verrückten Mix arrangiert. Den bulgarischen Volkstanz "Daichovo Horo" begleitete Konrat selbst an seinem Bajan und nutzte dabei den größeren Tonumfang des chromatischen Knopfakkordeons. Cembalo-Soli, gezaubert von Eveline Konrat am Keyboard, leiteten zu "Abracadabra", dem Hit der Steve Miller Band aus dem Jahr 1982. Die Akkordeon-Spieler setzten das bekannte Keyboard-Thema brillant um. Für das Menuett von Boccherini musste Kiefer am Cembalo zwei Anläufe unternehmen, dann erst übernahmen die Spieler das barocke Thema und holten mächtig Schwung für das Rondo-Finale mit dem Blumentanz von Katie Moss.

Mit der Valse musette "Pariser Melange" gönnte das Orchester seinem begeisterten Publikum eine kurze Erholung vom verrückten Rondo. Dann ging es mit "Crazy Music in the Air" von Jacob de Haan weiter, ehe das Konzert mit dem "Final Countdown" von Europe sein furioses Ende fand. Auch hierzu hatte Konrat seinen Spielern wieder tolle Arrangements für die Gitarrenriffs des Originals geschrieben. Die Zugabe "Böhmischer Traum" zeigte zum Abschluss die Grenzen des Akkordeon-Arrangements für originäre Blasmusik-Kompositionen auf.

Das Akkordeon-Orchester Gutach ist im Internet unter www.akko-gutach.de vertreten. Der Link führt auf die Facebook-Seite.