Gutach Kleine Gemeinde – aber großes Fest

Nicht nur beim TuS Gutach ist man traurig über die Absage der 46. Dorfsportwoche. Bei einer kleinen "Trauerfeier", damit der Phantom-Schmerz nicht ganz so groß wird, schwelgte das Orga-Team am Mittwochabend in Erinnerungen.

Gutach. Und dabei kam auch so manche Anekdote auf den Tisch, wie zum Beispiel die Kuh mit den roten Gummistiefeln, die Alleinunterhalter Ossi beim ersten Handwerkervesper im Gepäck hatte. Diese nahm zu später Stunde ein Bad in der Gutach, und Ossi war den Tränen nahe.

Bewirtung findet im improvisierten Unterstand statt

Seit 1974, damals unter der Regie von Handballabteilungsleiter Manfred Moser findet die Dorfsportwoche ununterbrochen statt. Mit fünf Mannschaften hat alles begonnen und Malermeister Kurt Grimm hatte aus Gerüststangen und verschiedenen Planen einen Unterstand gebaut, in dem eine kleine Bewirtung stattfand. Den ersten Dorfmeistertitel erspielte sich die Firma Ernst Wöhrle (EWG), der Radsportverein durfte 1980 nach drei Siegen in Folge erstmals den Wanderpokal behalten.

Seit 1979 spielten auch Frauen und seit 1982 Schüler um den begehrten Gutacher Dorfmeistertitel. "Dynamo Powersmeer" – erstmals 1987 als Realschüler dabei, könnten die Buben von damals heute als gestandene Familienväter zur Herrenmannschaft auch noch eine Schülermannschaft bieten.

Zum 20-Jährigen gibt es ein Rahmenprogramm und ein richtiges Festzelt

Bis 1994 gab es recht wenige Veränderungen in der Durchführung. Mit dem neuen jungen Vorstandsteam Martin Heinzmann und Klaus Lehmann, das 1994 das Heft in die Hand nahm sowie den Turnierleitern Oliver und Martin Wöhrle wurde das Dorfturnier zum 20-jährigen Bestehen erstmals um ein Rahmenprogramm und ein "richtiges" Festzelt erweitert. Zu diesem Jubiläum gab’s am Montag auch erstmals das Handwerkervesper und einen Staffellauf rund ums Dorf.

Dies war eigentlich nur für die Jubiläumsausgabe geplant, aufgrund der großen Resonanz aber bis heute beibehalten. Mit insgesamt 37 Mannschaften war das Jahr 2003 jenes mit der Rekordbeteiligung. Alleine 21 Herrenteams wollten sich den Wanderpokal sichern. Es wurde aufgrund der Vielzahl von Mannschaften parallel auf dem Kleinfeld und in der neuen Sporthalle gespielt. Aber aufgrund des fehlenden "Herdplatten- Flairs", wie der Tartanplatz auch gerne genannt wird, kam man hiervon wieder ab und entschied sich stattdessen, bei großer Beteiligung bereits am Mittwochabend oder früher am Donnerstag zu starten. Dies wiederum brachte dem TuS Gutach den Zorn des damaligen katholischen Pfarrers ein, der eine solche Veranstaltung am "Herrgottstag" für nicht angemessen hielt.

Ebenfalls in Erinnerung bleiben wird das 100-jährige TuS-Jubiläum, bei dem sowohl am Kleinfeld ein kleines als auch auf der gegenüberliegenden Seite der Gutach ein großes Festzelt stand.

So wuchs die kleine Gutacher Dorfsportwoche zu einem großen Fest für das gesamte Dorf und alle TuS-ler. Von der E-Jugend bis zur Frauenriege sind alle in das Geschehen und die Arbeit eingeplant. Es gilt für das Orga-Team Tag für Tag zwei Schichten mit Helfern zu füllen, bei denen es auch zwischenmenschlich passen muss. Rund 400 Helfer werden jedes Jahr benötigt, um in der kleinen Gemeinde ein großes Rad zu drehen. Auch wenn alle am Ende mehr als erschöpft sind, bleibt doch die Freude darüber, wer alles wieder fürs Dorfturnier in die Heimat gekommen ist.

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