Gutach Keine Reitstunden wegen Corona

Von den Folgen der Pandemie sind viele Branchen betroffen. Auch Sigrun Wöhrle vom Bachbauernhof darf nicht wie gewohnt Reitstunden geben, auch wenn diese an der frischen Luft stattfinden und der Sicherheitsabstand eingehalten wird.

Gutach. "Da werden alle über einen Kamm geschoren", stellt Wöhrle fest. Aber sie akzeptiert das, zumal ihr Mann Vollzeit arbeitet.

Ein Vorteil sei es außerdem, dass der Hof der Familie gehört und sie keine Pacht zahlen muss. Sie habe die Kosten reduziert, aber Tierarzt, Futter und der Hufschmied müssen natürlich bezahlt werden. Der Arbeitsaufwand sei genau derselbe geblieben, auch wenn sie zur Zeit keine Reitstunden im gewohnten Umfang geben darf.

Einzelunterricht wäre viel zu teuer

Normalerweise hat sie in der Woche 60 bis 70 Reitschüler, in den Sommermonaten sind es mehr. Dann macht sie morgens mit Touristen beispielsweise Ponyspaziergänge und nachmittags von 15 bis 18 Uhr kommen die Reitschüler. Zur Zeit dürfte Wöhrle theoretisch Einzelunterricht geben. Praktisch sei das nicht machbar, informiert Sigrun Wöhrle, eine Einzelstunde würde zu teuer.

Zehn Pensionspferde sind auf dem Hof, diese bringen eine kontinuierliche Einnahme. Tochter Svenja bietet Hippotherapie an.

"Wir haben selbst 18 Pferde von denen circa sechs ›nur noch so mitlaufen‹, sie bringen keinen Ertrag mehr", erzählt Wöhrle. Sie hängt an den Pferden und versucht, sie so lange wie möglich zu halten. Sie arbeitet nicht so kostenorientiert wie andere Reiterhöfe, die sich von den Tieren trennen, sobald sie nicht mehr rentabel sind.

Insgesamt 28 Pferde müssen gepflegt und ausreichend bewegt werden. Da ist es von Vorteil, dass einige Reitschülerinnen, die eine Reitbeteiligung haben, auf die Anlage kommen dürfen, um die Pferde zu versorgen. Alleine würde Sigrun Wöhrle das nicht schaffen, sagt sie. Die Terminvergabe ist kompliziert, es dürfen nie zu viele Menschen auf der Anlage sein.

Ausreiten ist nur zu zweit möglich

Zu zweit dürfen die Schülerinnen auch ausreiten, wenn sie nach Wöhrles Einschätzung dazu in der Lage sind. Normalerweise sollte man laut Wöhrle nur zu dritt ausreiten, damit einer im Notfall an der Unfallstelle bleiben kann, während der dritte Reiter Hilfe holt. Das geht wegen der Hygienemaßnahmen jedoch nicht. So ganz versteht Sigrun Wöhrle das nicht: "Ob man jetzt spazieren geht oder ausreitet – den Unterschied sehe ich nicht".

Im Gespräch mit ihr wird klar: Die Beziehung zu den Tieren lässt sich nicht in Zahlen fassen. Sie erzählt davon, dass sie als Kind keinen Reitunterricht bekommen konnte und dass es ihr daher besonders wichtig ist, dass die Reitstunden für alle bezahlbar sind.

Wöhrle berichtet von der Freude der Kinder, als diese die Tiere nach dem ersten Lockdown wieder besuchen konnten. "Für die Kinder ist es das Schlimmste, sie haben keine Sportmöglichkeiten mehr, einige sind schon in Quarantäne", so Wöhrle. "Die Pferde sind für viele der Kinder Partner, mit denen sie reden können. Sie bauen zu ihren Lieblingsponys eine Beziehung auf". Gehören diese Ponys zu älteren Tieren, machen sich die Kinder auch Sorgen um sie. "Die Kinder fragen oft per What’s App nach, wie es ›ihren‹ Ponys geht und möchten Fotos geschickt bekommen", so Wöhrle.

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