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Gutach Abschied von der "zweiten Heimat"

Bürgermeister Siegfried Eckert (rechts) ehrte Willi und Anita Kaltenbach für ihre Treue zu Gutach als Urlaubsort. Sie sind seit 1976 bei Hermann Wöhrle (Zweiter von links) untergebracht. Reiner Kaltenbach fuhr seine Eltern diesmal in den Schwarzwald. Foto: Gräff

Seit dem Jahr 1956 kommen Willi und Anita Kaltenbach als Urlaubsgäste in die Gemeinde Gutach. Dafür sind sie am Mittwoch von Bürgermeister Siegfried Eckert in einer kleinen Feierstunde geehrt worden. Diese war aber auch die Zeit des Abschiednehmens.

 

Gutach. Mindestens 60 Mal hat sich das Ehepaar Kaltenbach aus dem Nordrhein-westfälischen Engelskirchen nahe Köln auf den Weg in den Schwarzwald gemacht. So genau wissen sie das gar nicht mehr, erzählten sie am Mittwoch im Bürgersaal des Gutacher Rathauses Bürgermeister Siegfried Eckert.

Aber an das Jahr 1956 können sie sich noch sehr gut erinnern: "Das war unsere Hochzeitsreise, und Quartier bezogen wir damals im Gutacher ›Rössle‹", sagt Anita Kaltenbach. Der Tipp für die Bollenhutgemeinde gab ihr eine Freundin, früher funktionierte die Werbung eben noch per Mundpropaganda. Jedenfalls hat es den Kaltenbachs in Gutach sehr gut gefallen.

Trotzdem können sie erst 20 Jahre später wieder in den Schwarzwald reisen: "Wir bauten ein Haus, dann kamen unsere drei Kinder zur Welt, da war an Reisen nicht zu denken", erinnert sich Willi Kaltenbach. Wieder wollen sie im "Rössle" absteigen, aber es ist kein Zimmer mehr frei. "Da die noch kein Telefon hatten, lief der Wirt rüber in den Leimen und fragte bei Hermann Wöhrle nach", erzählt Kaltenbach.

Und seitdem machen die Rheinländer dort Urlaub. Und haben in all den Jahren sehr viel erlebt. Wanderungen und Reisen in den Schwarzwald und an den Bodensee gehörten ebenso dazu wie auch das gemütliche Beisammensein mit den Gastgebern. Viele Freundschaften sind dadurch entstanden.

Zusammengerechnet haben sie wohl gut drei Jahre in Gutach verbracht: "Wir fühlen uns hier wie zu Hause, kennen viele in der Umgegend und haben ansonsten das ganze Jahr über telefonischen Kontakt", zieht das Ehepaar zufrieden Bilanz. Trotzdem schwingt auch ein großes Stück Trauer in den Stimmen der Beiden mit. Denn der aktuelle Urlaub wird wohl ihr letzter Aufenthalt in Gutach sein.

Aus Altersgründen, wie beide sagen. Ihre Kinder hatten ihnen diesen Urlaub geschenkt, und Sohn Reiner fungiert als Chauffeur und fährt die Eltern durch die Gegend, damit sie nochmals in Erinnerungen schwelgen können. Trotz des Winterwetters genießen Willi und Anita Kaltenbach ihren Urlaub: "Wir sind kurz vor dem Start in Engelskirchen noch mal in die Werkstatt gefahren und haben die Winterreifen wieder aufziehen lassen", sagt Willi Kaltenbach.

Am kommenden Sonntag wird nun wieder die Heimreise angetreten. Aber die vielen schönen Erinnerungen an ihre "zweite Heimat" bleiben. Und im rheinischen Engelskirchen steht schon ein original Schwarzwaldmädel im Vitrinenschrank der Kaltenbachs.