Grafenhausen Anspruchsvoll, fetzig und fulminant

Lahrer Zeitung
Die Musiker mussten in die Festhalle umziehen, was sich keineswegs negativ auf die Qualität ihres Konzerts auswirkte. Foto: Mutz Foto: Lahrer Zeitung

Grafenhausener Musikkapelle feiert mit brillantem Konzert Geburtstag / "Identität der Gemeinde fortentwickelt"

Von Adelbert Mutz

Grafenhausen. Das Jubiläumskonzert zum 190-jährigen Bestehen der Musikkapelle Grafenhausen ist ein Genuss für Blasmusikfreunde gewesen. Dass der Geburtstag nicht – wie vorgesehen – unter freiem Himmel gefeiert wurde, tat der Qualität keinen Abbruch.

Eigentlich sollte es am Samstag zum runden Geburtstag ein Open-Air-Konzert auf dem Kirchplatz geben. Doch der Blick in den nächtlichen Sternenhimmel musste wegen der unsicheren Wetterlage entfallen. Das Konzert wurde zu einer Indoor-Veranstaltung in der Festhalle. Nichtsdestotrotz erlebten die vielen Besucher tolle Blasmusik aus verschiedenen Stilrichtungen. Dirigent Steffen Jäger und das große Orchester mit 62 Musikern waren bestens vorbereitet.

Auffallend waren die vielen jungen Gesichter in Reihen des Orchesters. Mit sichtlicher Freude stellte die Vorsitzende Gabriele Hertweck fest, dass das Durchschnittsalter des Ensembles unter 30 Jahre liegt. Etwa 40 Kinder und Jugendliche befinden sich in Ausbildung und warten darauf, in das große Orchester aufgenommen zu werden. Zwei haben es vor Kurzem geschafft, nämlich Lea Schmidt und Angel Saumer. Bürgermeister Jochen Paleit, kraft Amtes Präsident der Kapelle, beglückwünschte die Musiker zum Geburtstag. Die Kapelle habe die kulturelle Identität der Gemeinde fortentwickelt.

Der musikalische Reigen wurde mit "Millenium" von Otto M. Schwarz eröffnet. Die Jahrtausendwende war für die Menschheit ein Aufbruch in neue Zeiten. In musikalischen Bildern wurde sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft skizziert.

Musicals gehören fast zur Pflichtliteratur von Kapellen. So beim Rockmusical "Jesus Christ Superstar" von Andrew Lloyd Webber über das Leben und Sterben Jesu, als auch bei einem Medley der "West Side Story" von Leonard Bernstein. Etwas Tänzerisches hatte der "Ungarische Tanz Nr. 5" von Johannes Brahms.

Heiße Rhythmen vonder Copacabana

Symphonische Musik mit hohem Anspruch sowohl an Dirigent und Musiker als auch an die Zuhörer war "Music for a Festival" von Philip Sparke. Besonders die Blechbläser durften darin mit strahlenden Fanfarenklängen überzeugen. Viele Takt- und Rhythmuswechsel stellten hohe Anforderungen, die überzeugend gemeistert wurden.

In sehr moderner Aufmachung kam "Nostradamus" von Otto M. Schwarz daher. Die bewusst verworrene musikalische Struktur führte die damaligen Verhältnisse der Inquisition vor Augen. Ohne Zweifel über seine Botschaft behaftet war das Stück "Conzerto d’Amore" von Jacob de Haan. Nach einem majestätischen Intro in bester Opernmanier, bereiteten die Posaunen mit einem vibrierenden Basslauf ein fetziges Molto Allegro vor, das von den Trompeten in die Festhalle geschmettert wurde. Zwischendurch waren es die Saxofone in bestem Glenn-Miller-Stil, die die heiße Hallenluft ins Schwingen versetzte.

Fußball-WM in Brasilien, das schreit nach "Copacabana". So hieß das Stück in südamerikanischem Rhythmus. Oft sind sie etwas versteckt in der hinteren Reihe, aber spätestens jetzt war es ihre Show: In wechselnder Besetzung brillierte das Percussionsensemble meist solistisch und fulminant zur Begeisterung der Besucher. Das einfühlsame Stück "Sayonara" von Jan van der Roost ist als Abschiedslied anerkannt. Das Stück endete mit einem eindrucksvollen Diminuendo als Schlussakkord. Ein wunderbares Geburtstagskonzert, durch dessen Programm Rudolf Petersen führte.

Im Rahmen des Konzerts wurden Oskar Behr und Bernhard Köbele für 40-jähriges aktives Musizieren geehrt. Wilhelm Schaub wurde nach mehr als 63 Jahren als aktiver Musiker verabschiedet. Zudem übergab Günter Mutz von der Volksbank eine Spende über 4000 Euro an die Kapelle. Über die Ehrungen, die Verabschiedung und die Spendenübergabe werden wir gesondert berichten.