Gengenbach Keine Psychosomatik in Gengenbach

Die Gengenbacher Klink könnte künftig unter anderem Platz für 17 Kinder und Jugendliche bieten, die beatmet werden müssen. Foto: Ortenau-Klinkum

Der Klinikstandort Gengenbach wird Ende 2018 als Akutkrankenhaus aufgegeben. Die Kreisverwaltung hat nun ein Konzept für die Nachnutzung mit sechs Standbeinen vorgestellt. Der Krankenhausausschuss stimmte fünf dieser Ideen zu.

 

Gengenbach (red/vk). Das Nachnutzungskonzept umfasst ein breites Bündel an konkreten Maßnahmen, über die der Ausschuss teilweise getrennt abstimmte. Umstritten ist lediglich eine der sechs Ideen: die derzeit auf Offenburg und Lahr aufgeteilte Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie künftig in Gengenbach zu konzentrieren.

Nach Auffassung der Geschäftsführung des Klinikverbunds wäre ein gemeinsamer Standort "unter medizinischen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten" grundsätzlich sinnvoll und sollte weiter verfolgt werden. Auch das Sozialministerium sei dieser Auffassung, lehne eine Bündelung am Standort Gengenbach jedoch ab. Es fordert eine Anbindung an ein Akutkrankenhaus.

Ähnliche Kritik an diesem Plan kommt darüber hinaus von Reinhard Niemann, Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Für eine solche Fachklinik sei eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten aus dem regulären Medizinbetrieb essenziell, eine Behandlung der Menschen in Gengenbach sei deshalb nicht möglich. Die ebenfalls skeptischen Ausschussmitglieder sprachen sich deshalb bei zwei Enthaltungen dafür aus, diese Option nochmals vertieft zu prüfen.

Weiter sieht das Konzept den Aufbau eines Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) vor, der von Stefan Stuhrmann, Chefarzt der Offenburger Kinderklinik, ausdrücklich gewünscht und befürwortet wird: "Für die Versorgung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen im Ortenaukreis wäre dies ein enormer Gewinn." Laut Klinikleitung handelt es sich bei einem SPZ um ein ambulantes, multidisziplinäres Behandlungsangebot für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und deren Eltern, die in ihrer Entwicklung beeinträchtigt oder von Behinderung bedroht oder betroffen sind. In Gengenbach wäre das Platzangebot für die Anforderungen eines SPZ vorhanden – wenngleich auch Umbaumaßnahmen erforderlich würden.

Zudem ist die Einrichtung eines stationären Heimplatzangebots für beatmungspflichtige Kinder und Jugendliche mit 17 Plätzen vorgesehen. Die Realisierung sei allerdings abhängig von der Gewinnung zusätzlichen Fachpersonals und einer baulichen Ausweitung der Kinderintensivbetten am Klinikstandort Ebertplatz, so die Klinikumsleitung. Sowohl für das SPZ als auch für das stationäre Heimplatzangebot stimmte der Ausschuss mit großer Mehrheit.

Außerdem sollen 45 Plätze des Pflege- und Betreuungsheims Ortenau für stationäre Pflege und Kurzzeitpflege in das Klinikgebäude ausgelagert werden. Diese müssten aufgrund der Vorgaben der Landesheimbauverordnung am Standort Fußbach abgebaut werden. Die für eine stationäre Pflegeeinrichtung geforderten gesetzlichen Voraussetzungen wie Mindestgröße und Barrierefreiheit seien in Gengenbach grundsätzlich vorhanden.

Zusätzlich soll eine ambulant betreute Wohngruppe mit acht Plätzen für Menschen mit Hilfe- und Unterstützungsbedarf eingerichtet werden. Dies soll nach dem Plan in Zusammenarbeit mit dem Gengenbacher Pflegenetzwerk realisiert werden. So könne auch ein Beitrag zum gesetzlich gewünschten Ausbau ambulanter Betreuungsangebote geleistet werden.

Noch geprüft werden soll darüber hinaus, ob das Gesundheitsamt des Ortenaukreises am Standort Gengenbach angesiedelt werden kann. Derzeit sind die 58 Mitarbeiter der Behörde auf mehrere Standorte in Offenburg und einen in Lahr verteilt. Eine Bündelung der Offenburger Standorte in Gengenbach könne, so das Argument der Kreisverwaltung, zur Entspannung der Raumprobleme beitragen und die Synergien in einigen Bereichen heben.

Auch diesen Vorschlägen zur Nachnutzung stimmte der Ausschuss bei einer Enthaltung zu. Der Kreistag soll nun bei seiner Sitzung am 19. Dezember abschließend über das Konzept entscheiden.

"Das Konzept sieht zahlreiche gute Vorschläge für eine attraktive und stabile Nachnutzung vor und schafft damit eine tragfähige Zukunftsperspektive für den Klinikstandort Gengenbach", betonte Landrat Frank Scherer in der Ausschusssitzung. Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau-Klinikums sieht darin sogar eine Ausweitung des medizinischen Leistungsangebots in der Region: "Insbesondere mit der Einrichtung eines Sozialpädiatrischen Zentrums und dem stationären Heimplatzangebot für beatmungspflichtige Kinder und Jugendliche schaffen wir Angebote, die bisher nicht im Ortenaukreis vorhanden waren – und die es zwischen Freiburg und Karlsruhe so bisher nicht gibt." Insgesamt habe eine Prüfung des Konzepts ergeben, "dass eine Nachnutzung des Ortenau-Klinikums in Gengenbach im Gesamtkontext des Leistungsportfolios sinnvoll realisierbar ist". Die dort vorhandenen räumlichen Kapazitäten erlaubten eine Nutzung von mehreren Leistungsangeboten in Kombination, so Keller.

INFO

Bildungscampus

Die Einrichtung eines zentralen Bildungscampus ist in dem Nachnutzungskonzept nicht vorgesehen. Diese Möglichkeit sei zwar von der Grundrichtung aus Sicht der Geschäftsführung des Ortenau-Klinikums positiv zu bewerten, jedoch aufgrund der zahlreichen parallel verlaufenden Ereignisse zeitlich zu früh. Auch wäre dies am Standort Gengenbach nur mit einem erheblichen baulichen Investitionsbedarf zu realisieren.

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