Neues "Zentrum für Gesundheit" geplant Gengenbacher Klinik in Trümmern

Gengenbach - Die Gengenbacher Klinik ist Geschichte – auf dem Papier seit 2017, im Stadtbild ganz aktuell. Auf dem Gelände soll nun ein "Zentrum für Gesundheit" entstehen. Es ist ein Politikum, dient der Standort doch als ein Prüfstein für die Agenda 2030.

"Die Kreispolitik hat bewiesen, dass sie Wort hält", betonte Landrat Frank Scherer jüngst bei einem Pressetermin direkt am ehemaligen Klinikstandort in Gengenbach. Entstehen soll dort bis Ende 2023 ein "Zentrum für Gesundheit" – mit 90 Pflegeplätzen, 15 davon für Kurzzeitpflege, vier Arztpraxen, einer Bäckerei, einem Bistro und einer Tiefgarage mit fast 80 Stellplätzen.

23 Millionen Euro investiert der Kreis in den Standort. Es sei, so Scherer, der Beweis, dass nach der in der Klinikreform Agenda 2030 vorgesehenen Schließung kleiner, unwirtschaftlicher Kliniken "kein Nichts entsteht", sondern eine durchdachte Nachnutzung folge – eine Verbesserung, wie Kreisverwaltung und Klinikleitung stets betonen. "Ich habe immer gesagt: Wenn das funktioniert, ist es ein Lackmus-Test", so der Landrat.

Mit dem bisherigen Ergebnis zeigte er sich sehr zufrieden. Er sei auch eine "gute Folie" für die Krankenhäuser in Oberkirch und Ettenheim. Vor allem lobte Scherer die gute Zusammenarbeit mit Rathauschef Thorsten Erny. "Er ist ein Bürgermeister, der die Zeichen der Zeit erkannt und sich nicht dagegengestellt hat", so der Landrat. Das quotierte offenbar auch das Land und sagte Ende Juni 750.000 Euro Fördergeld für die geplanten Pflegeplätze zu.

Von der Klinik ist beim Pressetermin nicht viel übrig geblieben: Ein einzelnes Treppenhaus, Trümmer nach Material und Größe zu Haufen aufgetürmt – bald werden auch diese verschwinden. "Es tut weh", erklärte Bürgermeister Erny gegenüber den anwesenden Pressevertretern. "Wir wissen alle, dass ein Krankenhaus geschlossen wurde, das über Jahrzehnte gute Arbeit geleistet hat." Der Strukturwandel in Deutschland mache es jedoch notwendig. Trotzdem zeigte sich auch der Gengenbacher Rathauschef optimistisch. "Der Lackmus-Test hat sehr gut funktioniert", erklärte er sichtlich erfreut.

Baubeginn ist bereits für Anfang 2022 geplant

Die gute Stimmung lässt sich nachvollziehen: Eine feste Rettungswache ist als Teil der Nachnutzung bereits in Betrieb. Zudem entstand gleich neben der Baustelle ein Neubau, in dem fast alle der 76 Mitarbeiter des Gesundheitsamts aus der "Kreis-Hauptstadt" Offenburg bereits eingezogen sind. Nach Sanierung des denkmalgeschützten "Alten Spitals" zieht dort dann die Geschäftsführung und Verwaltung des Medizinischen Versorgungszentrums des Klinikums ein. Am Standort sollen so einmal bis zu 250 Menschen arbeiten, rund 100 mehr als bisher.

Architekt Jürgen Caruso stellte das bauliche Konzept des Zentrums vor. Entstehen soll ein fast quadratischer dreigeschossiger Gebäudekomplex mit einem Innenhof. Das Zentrum sei weitgehend lärmgeschützt, die öffentlichen Bereiche – Bäckerei, Bistro und Arztpraxen – im vorderen Bereich zur Straße hin geplant. Im hinteren Gebäudeteil sollen sechs Wohngruppen mit je 14 barrierefreien und einem rollstuhlgerechten Bewohnerzimmern entstehen. "Wir haben jedem einen kleinen Balkon mit Schiebefenster vorgelagert", erklärte der Architekt. So werde die Fassade aufgelockert. Und der Baubeginn? "So schnell wie möglich", so Caruso. "Wir müssen Anfang nächsten Jahres anfangen." Den Zuschlag habe sein Büro erst vor einer Woche erhalten. Ende 2023 ist die Fertigstellung geplant, das sei aber "sehr sportlich".

Ende 2017 fiel die Entscheidung im Kreistag, dass das Gengenbacher Krankenhaus geschlossen wird. Die letzte Operation fand Ende November 2018 statt, am 7. Dezember stellte die Klinik den Betrieb ein. Die dort stationierte Orthopädie wechselte nach Kehl. Im Mai 2019 beschloss der Kreistag einen Neubau. Vor einem Jahr unterzeichneten Landrat Scherer und Rathauschef Erny einen städtebaulichen Vertrag.

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