Gemeinderat Hofstetten "Planen, solange man Zeit dazu hat"

Christine Störr
Starkregen ist Thema im Hofstetter Rat gewesen. Foto: Störr

Hofstetten hat 2006 und 2008 zwei große Hochwasser-Ereignisse und im Nachgang umfangreiche Schutzmaßnahmen hinter sich. Jetzt hat sich der Gemeinderat mit dem Thema Starkregen beschäftigt, der an zunehmender Bedeutung gewinnt.

Hofstetten - Peter Neff vom Büro BIT-Ingenieure in Freiburg stellte das Starkregen-Risikomanagement seines Büros vor.

"Kommunen, die sich mit dem Thema befassen und sich auf den Leitfaden zum kommunalen Starkregen-Risikomanagement des Landes Baden-Württemberg stützen, können vom Land einen Zuschuss in Höhe von 70 Prozent der Kosten erhalten", informierte Bürgermeister Martin Aßmuth vorab.

Keine rechtlichen Auswirkungen aus Starkregen-Flächen

Förderfähig sei nur das Gesamtkonzept aus kommunaler Starkregen-Gefahrenkarte, nachfolgender Risiko-Analyse und darauf aufbauendem Handlungskonzept. Neff erklärte: "Das Hochwasser, das von Fließgewässern ausgeht, wird in der Hochwasser-Gefahrenkarte gut abgebildet. Starkregen-Ereignisse, die hauptsächlich über die Straßen abfließen, wurden nicht untersucht und berechnet." Im Gegensatz zur Hochwasser-Gefahrenkarte, die baurechtliche Konsequenzen mit sich bringe, gebe es aus gefährdeten Starkregen-Flächen keine rechtlichen Auswirkungen. Allerdings werde es im Vorfeld von Bauland-Erschließungen zunehmend die Forderung nach einer entsprechenden Berechnung geben und sie sei für die Alarm- und Einsatzplanung der Feuerwehr wichtig.

Fließrichtung und Geschwindigkeit werden analysiert

"Grundsätzlich sollte man planen, solange man Zeit dazu hat und nicht erst beim Ereignis selbst", mahnte der Ingenieur. Starkregen könne überall auftreten und sei nicht an ein Gewässer gebunden. Es werde ausschließlich die Gemarkungsfläche für sehr viel stärkere Ereignisse berechnet, als das Kanalnetz schaffen könnte. In der Gefährdungs-Analyse werde die Fließrichtung und Geschwindigkeit aufgenommen, weil das im Ernstfall entscheidend sein kann.

Im zweiten Schritt werde mit Hilfe kommunaler Vertreter eine Risiko-Analyse für öffentliche Gebäude durchgeführt, Privatbesitzer könnten die Karten einsehen und feststellen, ob die Immobilie im Risikogebiet steht. Am Ende entstehe ein Handlungskonzept mit Vorschlägen des Büros. "Es ist nicht das Ziel, dass alle trockene Füße haben – das geht nicht. Es geht darum, dass man gewappnet ist, falls es so weit kommt", so Neff. Bürgermeister Martin Aßmuth verwies auf sein Gespräch mit ZDF-Meteorologin Katja Horneffer: "Durch das Wetter – und noch nicht einmal das Klima – wie sich der Regen in Zukunft ändern." Vor dem Hintergrund der sommerlichen Starkregenereignisse im Schuttertal müsse man nicht weit nach Beispielen suchen.

Modell-Berechnungen können von der Realität abweichen

Für Gemeinderat Fabian Witt (CDU) stellte sich die Frage, ob nach der Karten-Veröffentlichung Versicherungen eventuell Schlüsse mit negativen Folgen für den Hausbesitzer daraus ziehen könnten. Außerdem wisse er aus beruflicher Erfahrungen, dass Modell-Berechnungen von der Realität abweichen können. Für Peter Neumaier (FW) wäre es als Ehrenkommandant der Feuerwehr hochspannend zu sehen, wo das Wasser herkommen könnte. Aus dem Salmensbach und von der Breitebene sei man relativ gut geschützt, aber Hofstetten habe noch mehr Täler. Arnold Allgaier (FW) erklärte: "Man spielt mit der berechtigten Angst. Die Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum – so kommt mir das hier vor." Ein Starkregen bringe viele Eventualitäten mit sich. Und Bernhard Kaspar bekannte: "Mir fehlt, was man aus so einem Plan für konkrete Maßnahmen ableiten kann." Es sei viel wichtiger, dass Einläufe frei wären und kanalisierte Abflüsse funktionieren.

So geht’s weiter

Im Zuge der Haushalts-Beratungen wird sich der Gemeinderat erneut mit dem Starkregen-Risikomanagementbeschäftigen. Bürgermeister Martin Aßmuth war dafür, sich im Hinblick auf die zwei Kleinkindgruppen im Untergeschoss des Kindergartens das Gefährdungspotenzial anzuschauen.