Gemeinde sucht vergeblich Oberschopfheim steht ohne Arzt da

Christine Bohnert-Seidel
Zum 31. März schließt Heino Adam seine Hausarzt-Praxis. Wochenlang hatte die Gemeinde Friesenheim nach einem Nachfolger gesucht – erfolglos. Foto: Jansen

Die Suche nach einem Nachfolger für Heino Adam ist gescheitert. Ab dem 1. April haben mit der Schließung der Praxis viele Oberschopfheimer keinen Hausarzt mehr. Die Verzweiflung im Friesenheimer Ortsteil ist groß.

Oberschopfheim - Die Einwohner von Oberschopfheim waren am Donnerstag zur außerordentlichen Sitzung des Ortschaftsrats eingeladen. Enttäuschend blieb für alle, sowohl Bürgermeister, Ortsvorsteher, Ortschaftsrat und Einwohner die ergebnislose Suche nach einem Allgemeinmediziner für Oberschopfheim. Allgemeinmediziner Heino Adam wird Ende März aus Altersgründen seine Praxis schließen. Die Verzweiflung ist groß. Hoffnungsvoll waren Gespräche mit Ärzten zumal auch von Seiten des Gemeinderats 350 000 Euro für den Kauf einer Arztpraxis im Haushalt veranschlagt wurden. Alle Bemühungen waren vergebens. Bürgermeister und Ortsvorsteher bleiben bitter enttäuscht.

In einer Anzeige im Gemeindeblatt bittet nun Adam seine Patienten, ihre Unterlagen bis Ende März in der Praxis abzuholen. Zum 31. März schließt die Praxis und die meisten seiner bisherigen Patienten "stehen auf der Straße". Sowohl die Friesenheimer Ärzteschaft als auch die Hohberger könnten keine weiteren Patienten aufnehmen. Einige Oberschopfheimer seien in Schutterwald fündig geworden. "Wohin soll ich mit meiner 95-jährigen Mutter gehen?", fragte Bürger Achim Haag in der öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrats. Bruno Beiser meinte: "Die Oberschopfheimer müssten doch auf die Friesenheimer Ärzte zu verteilen sein. Wenn ich jetzt ein Rezept brauche, muss ich zum Bereitschaftsarzt."

Nur zu gern hätten Bürgermeister Erik Weide und Ortsvorsteher Michael Jäckle am Donnerstag einen neuen Allgemeinmediziner präsentiert, betonten sie immer wieder. Aber die Verhandlungen seien letztlich im Februar gescheitert. Dass Bürgermeister und Ortsvorsteher zu wenig getan haben könnten, das dürfte nach einer chronologischen Ausführung beider seit 2020 niemand mehr bezweifeln. Über die Gründe, warum der Verkauf an den potenziellen Nachfolger letztlich gescheitert ist, wurden nicht erläutert. "Das es nicht geklappt hat, tut uns bis ins Mark weh", erklärte Jäckle. Bürgermeister und Ortsvorsteher stellten sich der Kritik und den Fragen der Bürgerschaft.

Gründe für das Scheitern hierfür dürften auch festgefahrene Strukturen innerhalb der Kassenärztlichen Vereinigung sein, ließ Roman Hadjio, Berater der Gemeinde für die Niederlassung eines Arztes, durchblicken. "Die Wahrheit ist, wir haben 90 000 Ärzte, das ist mehr als vor zehn Jahren", erklärte Hadjio. Angestrebt werden von Ärzten aber Gemeinschaftspraxen. "Erst, wenn eine Praxis eine kritische Größe überschritten hat, kommen die Ärzte", so Hadjio. Nach der Praxisschließung habe die Gemeinde noch bis September Zeit, um die Stelle zu besetzen. Ansonsten wird die Stelle frei für die Region, die sich dann zwischen Kippenheim und Hohberg besetzen ließe. "Allein mir fehlt der Glaube, dass wir das bis September hinbekommen", sagte Bürgermeister Weide. Mit viel Herzblut hätten Jäckle und er sich dem Thema Ärzteversorgung gewidmet. Dabei sei die Sicherstellung einer Ärzteversorgung keine kommunale Aufgabe.

Viele verschiedene Möglichkeiten werden derzeit abgewogen

"Wir prüfen, wie wir in Zukunft jemanden nach Oberschopfheim holen können", versicherte Bürgermeister Weide. Mittlerweile ist von einer Containerlösung die Rede, von Neubaugrundstücken für Praxis mit Wohnräumen, von einer Niederlassung im BIMA-Gebäude selbst in der alten Geta-Zigarrenfabrik dem Mehrfamilienwohnhaus in der Oberdorfstraße ließe sich eine Arztpraxis im Zentrum einrichten, schlug Ratsmitglied Markus Kohler (FW) vor. Letztlich sind die Oberschopfheimer verzweifelt und greifen nach jedem Strohhalm, in der Hoffnung, dass sich ein Arzt finden werde, dem sie sich in ihrem Wohnort anvertrauen dürfen.

Berater

Seit Januar 2020 unterstützt der Unternehmensberater Roman Hadjio die Gemeinde Friesenheim bei der Suche nach einem neuen Hausarzt in Oberschopfheim. Aus Friesenheim bringt Bürgermeister Erik Weide die Zusage von Allgemeinmedizinerin Andrea Stiebitz, stundenweise nach Oberschopfheim zu kommen.

  • Bewertung
    3