Gegendemo formiert sich Menschen stehen fürs Impfen ein

Aline Fischer

Zum zweiten Mal waren am Montag in Wolfach sogenannte "Spaziergänger" unterwegs, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Dieses Mal hatten sich jedoch einige Bürger zu einer Gegendemonstration zusammengeschlossen.

Bei dem ersten "Spaziergang" in Wolfach am Montag, 20. Dezember, waren rund 150 Menschen im Städtle teils mit Fackeln unterwegs und hatten dort ordentlich für Tumult gesorgt (wir berichteten).

Die zweite Demonstration der Corona-Kritiker verlief nun deutlich ruhiger, bestätigt auch die Polizei. Diesmal seien rund 170 Menschen auf den Straßen in Wolfach unterwegs gewesen, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren, berichtet Philipp Kern vom Polizeipräsidium Offenburg. Auch in anderen Orten im Kinzigtal, etwa in Haslach, seien einige auf die Straße gegangen. "Insgesamt liefen die Demonstrationen alle friedlich ab, es hat hier im Kinzigtal keine erwähnenswerten Ereignisse gegeben", bilanziert Kern.

Diesmal haben auch Befürworter der Corona-Maßnahmen und Impfungen ein Zeichen gesetzt: Gemeinderat Carsten Boser und einige weitere Ratsmitglieder hatten sich spontan zu der angemeldeten Gegendemonstration gesellt. "Uns war es wichtig, Präsenz zu zeigen. Ich stehe dazu, dass ich geimpft bin und die Corona-Maßnahmen richtig finde", sagt Gemeinderätin Ingeborg Schoch, die ebenfalls mit dabei war.

Organisatorin Lisa Harter hatte die Zusammenkunft im Vorfeld angemeldet und laut eigener Aussage eine "stille Mahnwache" initiiert. "Die Querdenker gehen uns dermaßen gegen den Strich", sagt sie. "Wir wollten aber am Montagabend auf keine Diskussionen eingehen. Deshalb haben wir uns von der Polizei instruieren lassen und unser Verhalten im Vorhinein abgestimmt", berichtet die 33-Jährige. Als Physiotherapeutin habe sie tagtäglich viel Kontakt mit Menschen und findet es befremdlich, "dass man den Corona-Gegnern nach zwei Jahren immer noch erzählen muss, wie sie die Maske tragen müssen."

Auch Carsten Boser hatte sich bereits im Vorfeld öffentlich als Impfbefürworter ausgesprochen. Er habe recht spontan am Montagabend von der Aktion mitbekommen und sich mit einigen Gemeinderäten abgestimmt, an der Mahnwache teilzunehmen. Gegen 18 Uhr hatten sich dann rund 40 Menschen vor dem Rathaus versammelt.

"Einige Teilnehmer haben auch mit Schildern ein Plädoyer fürs Impfen gehalten. Wir alle standen natürlich mit Maske und genügend Abstand vorm Rathaus", berichtet Boser. Er erklärt, warum er sich ebenfalls der Gegendemonstration angeschlossen hat: "Ich finde es eine gute Sache, hinter den Maßnahmen und den Impfungen als Schutz zu stehen. Denn die eigene Freiheit hört da auf, wo ich andere gefährde – und das tue ich, wenn ich mich nicht impfen lasse."

Eine Stunde nach Beginn der stillen Mahnwache waren dann die "Montagsspaziergänger" zum zweiten Mal im Städtle unterwegs, um sich ihrerseits gegen die Maßnahmen auszusprechen. Diesmal sei auch die Demonstration der Spaziergänger "nicht so martialisch wie letztes Mal abgelaufen, sondern es war alles friedlich, auch Fackeln habe ich diesmal nicht gesehen", so Boser. Wenn sich jeder an die Regeln halte, könne er zwar aufgrund der Intention nur mit dem Kopf schütteln, dennoch müsse eine Demokratie diese Auflehnung auch aushalten.

Sophia Schöner vom Landratsamt bestätigt ebenfalls, dass die Montagsspaziergänger, solange sie sich an die Corona-Regeln halten, keine Anzeige erwartet – obgleich die Versammlungen nicht angemeldet waren. Die Personen, die gegen die Vorgaben verstoßen, müssen allerdings mit Bußgeldverfahren rechnen, die die Polizei dann verhängen kann.

Initiatorin Lisa Harter jedenfalls will auch weiterhin als Gegendemo zu den "Spaziergängen" auf die Straße gehen. "Das wird nicht das letzte Mal sein", verspricht sie. "Die nächste Mahnwache haben wir auch schon angemeldet."

Das steht im Grundgesetz

In Artikel 8 des Grundgesetzes ist die Versammlungsfreiheit festgeschrieben. Darin heißt es: "Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht aber beschränkt werden."