Für Ukraine-Flüchtlinge Drei Neurieder Frauen organisieren "Kleiderkreis"

Lahrer Zeitung
Das Orgateam des "Neurieder Kleiderkreises" (von links): Sieglinde Hansert, Tanja Waldmann und Manuela Schwärzel Foto: privat

Seit Mitte März gibt es den "Kleiderkreis", den Sieglinde Hansert, Tanja Waldmann und Manuela Schwärzel ins Leben gerufen haben.

Neuried - Derzeit sind 110 Flüchtlinge in der Gemeinde Neuried untergebracht. Der "DBH-Netzwerk Haushalt" Ortsverein Altenheim sowie der Verein "Aktiv im Ried" riefen aus diesem Grund kurzerhand zur Kleiderspende in Dundenheim auf – mit vollen Erfolg. Seit Mitte März gibt es außerdem den "Kleiderkreis", den Sieglinde Hansert, Tanja Waldmann und Manuela Schwärzel ins Leben gerufen haben.

Frau Hansert, wie kamen Sie auf die Idee, in Neuried einen »Kleiderkreis« zu organisieren?

Hanstert: Das Kriegsgeschehen in der Ukraine und den Flüchtlingsstrom bekamen wir ja alle mit. Auch in unserer Gemeinde kamen immer mehr Schutzsuchende an. Mich erreichten Anfragen von Neuriedern, die ukrainische Gäste aufnahmen, woher man Kleider, Spielwaren und Ähnliches bekommen könnte. Tanja Waldmann rief mich an, da auch bei ihr diese Fragen eingingen und ihr von der kommunalen Verwaltung gesagt wurde, dass geplant werde, eine Kleiderkammer einzurichten. Doch wer sollte das machen? Da war für mich klar, das geht nur im Ehrenamt. Da müssen wir was tun. In solch einer Notlage ist Spontanität, Erfahrung und Handlungsbereitschaft gefragt. Nicht viel reden, anpacken. Und das taten wir!

Ihr Team besteht aus drei Frauen?

Waldmann: Genau. Sieglinde Hansert und Manuela Schwärzel kümmern sich um die Organisation und Einteilung. Mein Part ist die Gestaltung der Werbung für den Kleiderkreis sowie die Veröffentlichung und Verbreitung über die Social-Media-Kanäle.

Erfordert es viel Zeit und Aufwand so ein Projekt aufzubauen?

Hansert: Wie der Aufbau stattfinden sollte, wusste ich bereits. Ich hatte vom Frauenflohmarkt, den ich mit meinen Vereinsmitgliedern durchführte, schon einige Erfahrung gesammelt. Außerdem, und das ist ganz besonders wichtig, können wir auf die Mithilfe unserer Vereinsmitglieder "DHB-Netzwerk Haushalt" und "Aktiv im Ried" zählen. Auch ukrainische Frauen helfen seit Beginn mit.Schwärzel: Auch auf die Unterstützung unseres Bürgermeisters Tobias Uhrich und seines Teams dürfen wir jederzeit zurückgreifen. So konnte uns eine Räumlichkeit in der Dundenheimer Schule zur Verfügung gestellt werden.

Da brauchten Sie ja jede Mengen an Kleiderstangen?

Waldmann: Kleiderstangen bauten wir aus Verkehrsblöcken und Vierkantstangen, die wir vom Bauhof bekamen. Die Querstangen zum Aufhängen der Kleiderbügel hat uns Gerüstbau Fix ausgeliehen.

Und dann war der Samstag, 19. März, Ihr Kleiderspendenaufruf. Wie ging es Ihnen dort?

Schwärzel: Den werden wir nie vergessen. Es wurde ein Riesenerfolg. Wir waren alle total überwältigt. Nicht nur aus Neuried, sondern aus der ganzen Region kamen Menschen, die mit ihrer Kleiderspende helfen wollten.Hansert: Wir mussten um 11.30 Uhr einen Annahmestopp vollziehen. So schwer uns das auch fiel. Zu diesem Zeitpunkt war uns klar, die Räumlichkeit reicht nicht aus. Um alles übersichtlich zu präsentieren, musste eine zweite Räumlichkeit gefunden werden.

Wie haben Sie das gemanagt?

Waldmann: Auf Anfrage bei der evangelischen Emmausgemeinde Neuried bekamen wir spontan das Gemeindehaus in Dundenheim zur Verfügung gestellt. Schwärzel: Innerhalb weniger Tage hatten wir die beiden Räume Dank der Hilfe unserer ehrenamtlichen Helferinnen und ukrainischen Frauen bestückt und saisonale Kleidung nach Art und Größen sortiert. Die Winterkleidung ist jetzt verpackt und vorerst eingelagert.

Wird der Kleiderkreis weiter angenommen?

Hansert: Und ob! Mittlerweile kommen immer mehr. Vergangene Woche war eine ukrainische Familie aus Schutterwald da, sie kam direkt über Berlin in unsere Region. Sie hatte keinerlei Wechselkleidung und deckte sich bei uns erst einmal mit allem Notwendigen ein. Unser Kleiderkreis zieht buchstäblich Kreise.Waldmann: Die dankbaren Gesichter der Menschen hier zu sehen, das zeigt, dass es die richtige Entscheidung war. Auch die Begegnungen, die hierdurch entstehen, sind ein Schritt der Integration in unsere Gemeinde.

Wie lange wird der »Neurieder Kleiderkreis« bestehen?

Schwärzel: Solange wie nötig. Kleider werden saisonal nachgelegt. Bei Bedarf werden wir einen neuen Spendenaufruf starten. Das tun wir ja sowieso, wenn wir gerade speziell etwas brauchen wie Fahrräder, Einrichtungs- oder Haushaltsgegenstände.

Öffnungszeiten

Das Angebot für Erwachsene ist in der Schule Dundenheim, Rosenweg 3, zu finden. Alles für Kinder und Jugendliche ist im evangelischen Gemeindehaus Dundenheim, Dundenheimer Straße 6, untergebracht. Die Öffnungszeiten sind Dienstag und Donnerstag 14 bis 17 Uhr, sowie Samstag 11 bis 16 Uhr. Am Ostersamstag ist geschlossen.

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