Für mehr Biodiversität Friesenheim tritt Landschaftserhaltungsverband bei

Christine Bohnert-Seidel
 Foto: Bohnert-Seidel

Artenvielfalt und Biodiversität – diese Dinge möchte die Gemeinde Friesenheim voranbringen und tritt deshalb dem Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis bei. Bei einer Gemeinderatssitzung wurde die aktuelle Lage der Naturräume besprochen.

Friesenheim - Mit einstimmigem Beschluss des Gemeinderats tritt die Gemeinde Friesenheim dem Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis bei. Damit ist Friesenheim das 31. Mitglied im Verband zur Förderung der Artenvielfalt und Biodiversität.

Bis Herbst soll es zur Auftragsvergabe an ein Planungsbüro kommen. Regina Ostermann vom Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis erläuterte am Montagabend im Gemeinderat die aktuelle Lage und betonte den Auftrag "die Kulturlandschaft zu erhalten, zu pflegen und zu entwickeln". Jegliche Entwicklung im Landschaftserhaltungsverband basiere auf der Zusammenarbeit von Vertretern aus Landwirtschaft, Naturschutz sowie Behörden und Ämtern. Die Bioverbundplanung sei von enormer Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt, betonte Ostermann.

Seit 2015 schreibe das Naturschutzgesetz Baden-Württemberg vor: "Alle öffentlichen Planungsträger haben bei ihren Planungen und Maßnahmen die Belange des Biotopverbunds zu berücksichtigen." Da die Gemeinde Friesenheim die Fortschreibung des Flächennutzungsplans vorsieht, biete es sich an, die Biotopflächen der Gemeinde zu kartieren und eine Planung zu erstellen, erläuterte Bauamtsleiter Markus Reinbold. So ließe sich ein besserer Austausch der Arten pflegen.

Ostermann habe sich mit ihrem Team in Friesenheim umgesehen und viele Hohlwege und Böschungen mit einem Pflegerückstand entdeckt. Die Pflege dieser Böschungen müsse aber dringend naturverträglich angegangen werden.

"Das wird sicher eine gewinnbringende Zusammenarbeit."

Zum Thema wurden Hohlwege in der Lahrgasse, in denen die Gemeinde bereits Pflegemaßnahmen vornehme, damit das Lichtraumprofil der Straße freigeräumt wird. Hier ließen sich die Oberkanten von Böschungen freistellen, um so Lösbewohnern wie unterschiedlichen Insekten einen Unterschlupf zu schaffen. "Wenn einfach alles zuwächst, verlieren wir viele Arten", erklärt Ostermann. FFH-Wiesen – auch magere Flachland-Mähwiesen genannt – stellen einen geschützten Lebensraum dar und schützen auch auf Friesenheimer Gemarkung die Artenvielfalt. Die Gewässerrandstreifen am Lierbach, Biotope entlang der Schutter sowie Wiesen entlang der Streifen und an der Landebahn auf dem Flugplatzgelände sollten auch in die Planung aufgenommen werden, betonte Joseph Hugelmann, Grüne Liste Umweltschutz (GLU).

Ein Kooperativer Naturschutz sei dringend gefordert. Zunahmen von Baugebieten sowie Industriegebieten, Zersiedelungen und Straßenbau reduzierten hochwertige Lebensräume. "Je größer die Verinselung, desto größer ist die Gefahr eines Verlusts genetischer Grundlagen", so Ostermann. Groß sei dadurch auch die Gefahr, dass Arten immer mehr verschwinden oder ganz sterben.

Nicht involviert sei der Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis in die Themenlage von Bahnausbau und Trassenführung. Dies seien übergeordnete Planungen. "Dennoch gilt: wenn ein Biotop entfernt wird, muss ein Ersatz geschaffen werden", erklärte Markus Reinbold, der über den Beitritt zum Verband Synergieeffekte für die Fortschreibung des Flächennutzungsplans erkennt. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt", so Reinbold. Ausgeschlossen bleibe der Wald, so Ostermann. Hier sei das Amt für Waldwirtschaft gefragt. Bürgermeister Erik Weide verkündete: "Das wird sicher eine gewinnbringende Zusammenarbeit."

So geht's weiter

Die Gemeinde wird über ein Vergabeverfahren ein Planungsbüro auswählen und anschließend Fördermittel für das Projekt beantragen. Ein ausgesuchtes Planungsbüro wird mit der Detailplanung beauftragt. Es sollen sowohl konkrete Flächen überprüft, als auch ein Maßnahmenkatalog erstellt werden. Für die Maßnahmen lassen sich Ökopunkte generieren und Förderprogramme nutzen.

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