Frühlingsonzert in Schuttertal Ein Stück als Botschaft gegen den Krieg

Axel Dach

Mit ihrem ersten Frühjahrskonzert nach einer zweijährigen Corona-Zwangspause hat sich die Trachtenkapelle Schuttertal wieder zurückgemeldet. Gleichzeitig feierte die Kapelle in der vollbesetzten Festhalle auch ihr 122-jähriges Bestehen.

Schuttertal. Gleich im Foyer nahm die im Jahr 1900 gegründete Trachtenkapelle die Besucher mit auf eine interessante Zeitreise durch ihre Vereinsgeschichte. Zu sehen waren nicht nur zahlreiche Bilder, die ein reges und vielseitiges Vereinsleben aus über zwölf Jahrzehnten dokumentierten, sondern auch interessante Schriftstücke aus dem Vereinsarchiv. Doch im Mittelpunkt des Abends standen natürlich die musikalischen Darbietungen, welche ebenfalls in Bezug zu der jüngeren Vereinsgeschichte standen.

Unter der Leitung von Marco Kaulke präsentierten 40 ambitionierte Musikerinnen und Musiker ein buntes Programm. Nach zweijähriger Pause ein solches Jubiläumskonzert überhaupt auf die Beine zu stellen, sei für die Kapelle und ihren Dirigenten eine durchaus große Herausforderung gewesen, weshalb man auch auf die sonst übliche Gastkapelle verzichtet habe, erklärte Alexandra Singler vom Vorstandsteam. Eigentlich war das Konzert zum 120-Jährigen geplant gewesen, musste aber wegen der Pandemie entfallen.

Gebührend festlich eröffnete die Trachtenkapelle den Abend mit "Liberty Fanfare", das 1986 von John Williams zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Freiheitsstatue komponiert wurde. "Wir haben dieses Stück als unsere Botschaft gegen Krieg und Gewalt ausgewählt", betonte Moderator Dominik Schätzle. Dass sich die Trachtenkapelle auch auf ungewohntes Terrain wagt, zeigt sich bei dem 4. Satz aus "Concerto for Marimba and Wind", in dem sich Manuel Kopf auf einem mächtigen Marimbaphon, das von mehreren Musikern auf die Bühne gehievt wurde, dem begeistertem Publikum als virtuoser Solist präsentierte. "Der Manuel ist halt nicht nur in einer musikalischen Familie, sondern auch im Musikverein aufgewachsen", bemerkte Dominic Schätzle augenzwinkernd.

Als hervorragender Solist auf dem Euphonium begeisterte auch Konrad Himmelsbach bei "The Green Hill" von Bert Appermont. Mit dem schwungvollen Medley "Im weißen Rössl" mit vielen bekannten Melodien – wie "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist" – kamen schöne Erinnerungen an die seit vielen Jahrzehnten inszenierten Weihnachtsoperetten auf. Erstmals aufgeführt wurde der von Ehrendirigent Ossy Fahrner komponierte Jubiläumsmarsch "750 Jahre Schuttertal". Ein schwungvoller, traditioneller Marsch, der im Verlauf immer wieder überraschend auf swingende, jazzige Rhythmen trifft. Darüber berichten wir noch.

"Freischütz" weckt Erinnerungen an große Operettentradition

Weitere Stücke wie das sehr anspruchsvolle, von Ossy Fahrner arrangierte Stück zu der Filmmusik von "Fackeln im Sturm" oder der bekannte "Florentiner Marsch" von Julius Fucík, zeigten die große Spielfreude des Orchesters, die in der Pandemie nicht verloren gegangen ist.

Der berühmte Jägerchor aus dem "Freischütz" setzte auch wieder einen Bezug zu der langen Theater und Operettentradition der Trachtenkapelle. 1955 zunächst als Theaterstück und 1987 als Operette unter Regisseur Hans Hummel aufgeführt, wurde das Stück nun nochmals von dem Orchester, jedoch ohne Chor, dargeboten.

Das aufmerksame Publikum, das sich mit großem Applaus bei Orchester und Dirigent bedankte, wurde mit zwei Zugaben belohnt.

Die Pandemie hatte das Vereinsleben der Trachtenkapelle fast stillgelegt, doch jetzt will sie zu gewohnten Aktivitäten zurückkehren. Als nächste Veranstaltung ist am Sonntag, 22. Mai, ein Vorspielmatinee der Jungmusiker geplant – willkommen sind dann auch Eltern, die an einer musikalischen Ausbildung ihrer Kinder interessiert sind. Am Samstag und Sonntag, 25. und 26. Juni, soll wieder ein Waldfest am Eichberg gefeiert werden.

  • Bewertung
    1