Friesenheim Zuzüge bringen Engpässe mit sich

Ulrike Bensch leitet einen Spielkreis in der Gemeinschaftsunterkunft "Am Bahnhof" in Friesenheim. Sie braucht dringend Unterstützung. Foto: Bohnert-Seidel Foto: Lahrer Zeitung

Die Schließungen von Gemeinschaftsunterkünften in der Region sorgen dafür, dass 20 neue Bewohner "Am Bahnhof" in Friesenheim erwartet werden. Dringend werden sowohl Helfer als auch Kindergartenplätze gesucht, weiß das Netzwerk Solidarität.

Friesenheim. Noch 20 weitere Bewohner werden im Lauf der kommenden Woche in der Gemeinschaftsunterkunft "Am Bahnhof" in Friesenheim erwartet. Damit wäre die Unterkunft mit 80 Personen gefüllt. Rechnerisch ist die Unterkunft des Ortenaukreises für bis zu 90 Menschen vorgesehen. "Wir sind mit 80 Personen bereits ausgelastet", bestätigte Sozialarbeiterin Bettina Waidele am Donnerstag in der Sitzung des Netzwerks Solidarität. Am 26. Februar wurden bereits 22 Menschen zugewiesen. Verstärkt wird die Belegung in Friesenheim über die Schließung der bisherigen Gemeinschaftsunterkunft "Riedhof" in Meißenheim sowie weitere Schließungen im Ortenaukreis.

Nicht nur das Netzwerk Solidarität, sondern auch die Gemeinde Friesenheim stellt diese Entwicklung vor große Herausforderungen. Erhöhter Bedarf bestehe an Deutschkursen, Patenschaften, Begleitung von Personen, Sprachpatenschaften, Betreuung von Kindern und vor allem Kindergartenplätze. Ehrenamtliche werden dringend gesucht.

Pfarrer Rainer Janus kennt die Not in den Kindergärten. Zwei zusätzliche Gruppen seien aktuell in Friesenheim in der Startphase, um die Engpässe zu überbrücken. Noch sei die Planung eines neuen ersten kommunalen Kindergartens in der Pipeline, so Janus. Angedacht sei eine Einrichtung im Klostergebäude in Heiligenzell oder eine Neuplanung auf dem Alten Sportplatz zwischen Friesenheim und Heiligenzell. "Dem Ansturm wie er jetzt kommt, kann eine Gemeinde wie Friesenheim nicht so leicht begegnen." Janus rechnet noch mit drei bis vier Jahren bis ein erster kommunaler Kindergarten kommen wird. Die Weiterentwicklung eines Kindergartens wird am 25. März Thema des Gemeinderats sein, so Janus.

"Ich weiß, dass derzeit auch Friesenheimer Kinder auf Wartelisten geführt werden", erklärte Waidele. Aber Kinder mit Migrationshintergrund sollten zumindest das letzte Jahr bevor sie in die Grundschule gehen, eine Form von Gemeinschaft in deutscher Sprache mit künftigen Klassenkameraden erlebt haben. Von den 80 Menschen sind 33 Kinder. Davon drei im jugendlichen Alter von 15 bis 17 Jahre, zehn Babys, zehn Kinder im Kindergartenalter sowie zehn Schulkinder. "Eine riesige Kinderschar", kommentierte Waidele. Dankbar ist sie für die Unterstützung von Ulrike Bensch, die gemeinsam mit Rita Kiefer das Kinderzimmer in der Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet hat. Ab dem 26. März ist das Kinderzimmer wieder geöffnet. Noch mehr Freiwillige, die das Kinderzimmer zumindest einmal am Tag öffnen, sind dringend gesucht. "Wenn morgens Sprachunterricht stattfindet, springen die Kinder zwischen den Tischen, weil keine Betreuung möglich ist", so Waidele. Waidele sucht konkret für 12 Kinder einen Kindergartenplatz. Zwei Sechsjährige, die eigentlich Schulkinder sind, habe sie untergebracht. Jetzt hofft sie auf Ehrenamtliche, die hin und wieder für eine Stunde das Kinderzimmer in der Gemeinschaftsunterkunft öffnen – gern auch im Team.

Unterstützertreffs sollen künftig in allen Ortsteilen stattfinden. Ein erstes Café International ist wieder als Treffpunkt im Pfarrsaal in Schuttern geplant. Aufgrund der Platzenge ist ein Fest in der Gemeinschaftsunterkunft nicht möglich.

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