Friesenheim "Wir sind zur Hilfe verpflichtet"

Martin Groß freut sich schon auf das Konzert am Pfingstmontag. Foto: Bohnert-Seidel Foto: Lahrer Zeitung

Friesenheim. Dass sich mit dem Engagement von Komponisten, Chören, Solisten und Orchester sehr viel Gutes bewirken lässt, zeigt Martin Groß seit vielen Jahren mit seinen Benefizkonzerten "Aktion Musik hilft Menschen". Am Pfingstmontag wird um 17 Uhr in die St. Laurentiuskirche zum ökumenischen Benefizkonzert anlässlich "1000 Jahre Friesenheim und Heiligenzell" eingeladen. Wir sprachen mit Martin Groß über seine Ziele.

 

Sie sind ein Kirchenmusiker, der die Benefizkonzerte mit einer besonderen Regelmäßigkeit nach Friesenheim und in die Region bringt. Wie kam es dazu?

Das ist eine längere Geschichte. Es fing ums Jahr 2000 in Namibia an. Dort hatte ich in Windhoek der Hauptkirche erstmals ein Benefizkonzert gegeben. In Afrika habe ich so viel Armut gesehen, weshalb ich mich fortan in der Albert-Schweitzer-Stiftung engagierte und die »Aktion Musik hilft Menschen« in Not war geboren. Über meine Chorleitertätigkeit gab es Konzerte für Projekte in Senegal, Peru, Brasilien und Lambaréné/Gabun
aber auch für das Café Löffel in Lahr.

Was ist das Besondere eines Benefizkonzerts?

Dass der Erlös ganz in ein Entwicklungshilfeprojekt fließt. Ganz gleich ob Frauenhilfe, Hilfe zur Selbsthilfe oder Gruppen, die unter Ausgrenzung leiden. Wer Frauen unterstützt, bewirkt ein hohes Maß an Nachhaltigkeit und Wirksamkeit. Frauen regeln das Neue. Deshalb mache ich nur Projekte, bei denen ich weiß, dass das Geld direkt dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Welche Musik dürfen die Gäste erwarten?

Ganz klassische Sachen wie Stücke von Johann Sebastian Bach, einem Stück, das in die Pfingstzeit passt. Vom Friesenheimer Franz Schüssele hören wir ein Werk, das heißt »Danksagung«. Es passt genau zur 1000-Jahr-Feier. Beide Ortsteile haben guten Grund, für ihre großartige Entwicklung zu danken. Sängerinnen und Sänger aus den Friesenheimer Kirchenchören sowie Heiligenzell und Oberschopfheim werden gemeinsam singen. Ergänzt werden die Chöre von Projektsängerinnen aus Lahr. Natürlich haben wir auch herausragende Instrumentalisten und Solisten.

Welchen Raum nimmt Musik in Ihrem Leben ein?
Den Hauptraum, das ist mein Ding, neben Philosophie, Kunstgeschichte und Physik – ich bin sehr vielseitig interessiert. Aber in der konsequenten Ausführung mache ich Musik. Damit erreiche ich die Menschen. Als Kirchenmusiker nehme ich die schöne Gelegenheit wahr, das in der Öffentlichkeit, in der Kirche, zu machen.

Was treibt Sie persönlich an, immer wieder Chöre, Orchester und Solisten zu einem Ganzen zu formieren?

Die Freude, mit vielen Menschen, Berufsmusikern und Amateuren zu musizieren. Ich habe Spaß an dieser guten Synthese. Ich bin ja auch Organist und Komponist. Ich arrangiere und bringe Menschen zusammen. Menschen werden vernetzt und treten in Beziehung zueinander. Gerade dieses Konzert hat sehr viel mit Vernetzung zu tun.

Gibt es Vorbilder in Ihrem Leben?

Albert Schweitzer ist eines meiner Vorbilder, auch wegen seiner Vielseitigkeit. Musiker sind vielseitig. Um Musik zu machen, gehört mehr dazu, als ein Instrument zu beherrschen. Empathie und Einfühlungsvermögen, das lernt man nicht an der Musikhochschule.

Warum wird wieder die Flüchtlingshilfe bedacht?

Die Einnahmen aus diesem Konzert sollen die Flüchtlingshilfe zielorientiert erreichen. Die Flüchtlinge sollen Kultur machen und erleben, Theater organisieren, vielleicht brauchen sie Instrumente. Menschen finden oder leben ihre Identität über die Kultur. Ich möchte dem Thema Flüchtlinge auch die Pu-blizität erhalten. Konkret wollen wir auch die Menschen aus der Flüchtlingsarbeit unterstützen, die ein sehr hohes Maß an Integrationsarbeit leisten. Das Geld soll auch ihnen Freiraum zur Integration geben. Wir können und dürfen uns vom humanistischen Leitbild nicht abwenden. Wir sind zur Hilfe verpflichtet!

Sind Sie eigentlich vor den Auftritten aufgeregt?

Ein klares Nein. Vielleicht bin ich angespannt, konzentriert. Aber ich kenne kein Lampenfieber. Ich freue mich so sehr auf die Konzerte, dass ich sie alle am liebsten wiederholen würde. Am Pfingstmontag gibt es kein "Konzertchen", sondern ein richtig großes Konzert mit 150 Mitwirkenden. Alles ist bis ins kleinste Detail strukturiert.

Stehen Sie mit dem nächsten Projekt bereits in den Startlöchern?

Ja, 2017 wird es mit der Familie Fünfgeld in der Straßburger Thomaskirche ein großes Benefizkonzert für ein griechisches Kinderkrankenhaus geben.

Die Fragen stellte Christine Bohnert-Seidel

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