Friesenheim "Wir sind doch kein Testzentrum"

 Foto: Bohnert-Seidel (Archiv)

Friesenheim/Ried - Laut der neuen Corona-Verordnungen müssen Pflegeheim-Gäste unmittelbar vor ihrem Besuch getestet werden – vom Personal vor Ort. Die Leiter der Einrichtungen in Friesenheim und im Ried sind sich einig: "Das ist eine Zumutung."

Die Besuchsregelungen in Pflegeeinrichtungen wurden seit Montag verschärft. Jeder Besucher benötigt nun neben einer FFP2-Atemschutzmaske auch einen aktuellen und vor allem negativen Corona-Antigen-Test. Dieser muss derzeit von den Einrichtungen selbst durchgeführt werden. Die Lahrer Zeitung hat sich bei den Pflegeeinrichtungen in Friesenheim und im Ried umgehört. Wünschenswert ist eine externe, zentrale Teststation, so der Konsens.

Bewohner und Pflegekräfte bestens schützen

Die Heimleitungen stellen die jüngsten Vorgaben aus dem Gesundheitsministerium, deren Nicht-Einhaltung einer Ordnungswidrigkeit gleich komme, vor ein riesiges Problem. Von Herausforderungen will kaum mehr jemand sprechen.

"Alles haben wir bisher zum Schutz Aller getan", sagt Claudia Collet vom Emmaus in Oberweier. Wenn jedoch täglich bis zu 30 Personen im Heim ihre Angehörigen besuchen und am Wochenende sonntags zwischen 50 und 60 Personen ins Haus kämen, sei diese Form von Kontrolle mit Testung nicht mehr möglich und bringe die Einrichtungen an die personellen Grenzen. Personen, die für die Testung von Angehörigen abbestellt werden, fehlten eins zu eins in der Pflege. "Das ist nicht zu leisten", so Collet gegenüber der Lahrer Zeitung.

Viele Angehörige besuchten Bewohner bis zu drei Mal täglich. Mag der Besucherstrom noch so hoch sein, das Emmaus zählt zu den Einrichtungen, das bislang keine Coronafälle zu vermelden hatte.

Dass die Pflegeheime besonders schützenswert seien, das erkennen alle Heimleiter an. "In den vergangenen Monaten haben wir alles dran gesetzt, unsere Bewohner und Pflegekräfte bestens zu schützen", bestätigt Stefan Lott, Heimleiter im Kursana Domizil in Friesenheim.

Rot-Kreuz-Mitarbeiter und Malteserdienst sollen bei Tests helfen

Irgendwie bekomme er die Testung von Angehörigen in einem Zeitkorridor von 14 bis 15 Uhr hin. Den erhöhten Aufwand würde aber auch er viel lieber an externe Mitarbeiter weiterreichen. "Im Sommer hat es an den Autobahnen doch auch geklappt", sagt Lott und schlägt vor, bei Rot-Kreuz-Mitarbeitern und Malteserdiensten anzufragen.

Die Diakonie in Kork hat seit Dienstag eine eigene Teststation auf dem Gelände in Kork und eine Fachkraft abbestellt. Wer die Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Ichenheim besuchen möchte, könne sich in Kork testen lassen. Bei 1500 Mitarbeitern sei dies auch zu schultern, bestätigt Laura Weber, Unternehmenskommunikation Diakonie Kork.

Heimleiterin Susanne Edinger vom Erika-Zürcher-Haus in Meißenheim erklärt: "Ich habe kein Personal auf Halde sitzen, das sich jederzeit abrufen lässt." Mit der aktuellen Besetzung lasse sich die Anforderung vom Gesundheitsministerium nicht umsetzen.

"Wenn ich heute sage, es läuft, kann morgen wieder alles anders sein", sagt Edinger im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. An den Ausfall von Pflegern durch Krankheit will sie nicht einmal denken. "Wir sind doch kein Testzentrum", so die Heimleiterin. Ihr Vorschlag: "Soldaten, wie sie die Gesundheitsämter verstärken, müssten doch auch für Pflegeeinrichtungen zur Verfügung stehen."

Impfungen

Nicht nur die Tests stellen ein Problem dar, sondern auch die Impfungen – auch fernab von Pflegeheimen. Gemeinderat Fred Kletzin (SPD) erkennt in der aktuellen Vergabe von Impfterminen über App, Computer oder Hotline kein akzeptables Prozedere für diese Altersgruppe.

"Ich frage mich ja, ob die Gruppe der 80-Jährigen mit Computern, Smartphones sich wohl so gut auskennt, sich ohne Hilfe von Kindern oder Enkel auf diese Weise einen Termin zu besorgen? Warum schickt man dieser Gruppe keine Termine mittels einer stinknormalen Postkarte zu?"

Bei der Terminvergabe für die Mammografie klappe das Prozedere über Briefe seit vielen Jahren problemlos. "Mir ist es unverständlich, dass Minister Lucha auf sein Vergabeverfahren festgelegt ist", so Kletzin gegenüber der LZ.

  • Bewertung
    0