Friesenheim Winzer ernten 74 Tonnen Trauben

Friesenheim - Diese Ernte kann sich sehen lassen: Allein am Freitag hat die Winzergenossenschaft 74 000 Kilo Trauben geerntet. Seit zwei Wochen sind die Winzer täglich in den Weinbergen von Friesenheim und Oberschopfheim anzutreffen.

Weine mit leichter Säurenote sind am beliebtesten

"In zwei Wochen wird die Weinlese spätestens vorbei sein", weiß Richard Kopf, Vorsitzender der Winzergenossenschaft Friesenheim. Von Spitzenzahlen beim Mostgewicht ist die Rede. Nur interessiere sich in diesem Jahr weder die Ortenauer Weinkellerei in Offenburg noch der Badische Winzerkeller für die Öchsle, die durch die Decke schießen.

"Mehr als 90 Öchsle werden nicht mehr bezahlt", erklärt Kopf. Dass der "Ruländer" 95 und 98 Öchsle brachte, stelle dies den Kellermeister vor eine besondere Herausforderung. Denn: "Nur noch frische, spritzige Weine mit leichter Säurenote werden vom Verbraucher verlangt", so Kopf. Je höher das Mostgewicht, desto höher ist oft der Alkoholgehalt im Wein.

Mehr Früchte und weniger Gerippe sorgen für eine höhere Dichte

"Heute ist unser Hauptlesetag", erklärt der Winzerchef am Freitag. Mit insgesamt 164 Bottichen hatte das Dreier-Team – Bernd Böhnemann, Helmut Büchele und Brigitte Fühner – an der Annahme viel um die Ohren. Während Brigitte Fühner die Daten erfasste, übernahmen Helmut Büchele und Bernd Böhnemann die Verladung der einzelnen Behälter in der Winzerhalle. Von Hektik warin der Winzerhalle aber keine Spur.

Viele Trauben werden mit dem Vollernter geholt. Obwohl die Bottiche nicht randvoll sind, zeigen sie dennoch ein höheres Gewicht als in den Jahren zuvor auf der Waage. Denn mehr Früchte und weniger Gerippe sorgen für eine höhere Dichte. In diesem Jahr ist die Traubenannahme digitalisiert: Die neuen quadratischen Bottiche sind mit einem Chip ausgestattet, der Gewicht und Kistennummer dem jeweiligen Winzer zuordnet.

Umstieg auf rechteckige Kisten 

Richard Kopf kommt nochmals kurz vorbei und vergewissert sich vom reibungslosen Ablauf der Verladung. Zur Weinlese 2020 ist die Ortenauer Weinkellerei auf den Einsatz von rechteckigen Kisten umgestiegen. Noch läuft dabei aber nicht alles rund. "Ich muss zwei Mal fahren", sagt Max Jäckle aus Oberschopfheim und verweist auf seinen Anhänger, der nur drei Kisten aufnimmt.

Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Zwar habe er in der Vergangenheit auch nur drei Bottiche verladen bekommen, aber "die haben 650 Kilo genommen und die Kiste nur 450 Kilo", erklärt der Oberschopfheimer."Tatsächlich muss jeder Winzer ein Drittel mehr fahren", so Winzerchef Kopf.

Da die Kisten aber stapelbar sind, gewinne die Weinkellerei Platz bei der Übergabe in Offenburg. Zwei Kisten übereinander ergeben durchschnittlich 900 Kilo pro Lastwagen. Dieses Jahr holt ein Lastwagen aus Offenburg die Trauben ab. Noch im vergangenen Jahr sind die Winzer selbst gefahren.

Alle Chargen können elektronisch nachverfolgt werden 

Brigitte Fühner hatte sich an der Annahme mit ihren Kollegen Helmut Büchele und Bernd Böhnemann schnell in das neue System eingearbeitet. Über ein Notebook an das ein Lesegerät gekoppelt ist, werden die Namen der Winzer und die Nummer der Kiste festgehalten.

Jede einzelne Kiste lasse lückenlos die Herkunft der Trauben nachvollziehen. Zudem erklärt Richard Kopf: "Über jede Charge lässt sich eine exakte Analyse sämtlicher Inhaltsstoffe in der Weinkellerei erstellen." Für die Winzer in Friesenheim bedeutet dies, dass die Qualitätsarbeit im Weinberg eine noch nie dagewesene Transparenz erfährt.

Auch die Kleinen packen mit an 

Bereits vergangene Woche haben die Oberschopfheimer Kindergartenkinder fleißig Weintrauben geerntet. Mit dabei waren auch Martin Mussler, Ewald Schaubrenner und Ute Beiser vom Ortschaftsrat. Direkt an der B 3 steht seit vergangenem Jahr ein Winzerhügel, der die Sorten Solaris, Helios, Cabernet und Monarch trägt. Eigentlich sollten die Spätburgundertrauben geholt werden, aber die Kinder ließen auch vom goldgelben Glanz der hellen Weintrauben locken.

"Ich möchte auch von den Gelben", meinte ein Mädchen und marschierte auf den Rebstock zu. Selbstverständlich war auch das möglich, schließlich sind alle Trauben reif zur Ernte. Am Ende sollen alle Trauben im Kindergarten unter den Kindern aufgeteilt werden. Jedes Kind soll eine Kostprobe mit nach Hause nehmen. Was mit dem Rest der Trauben geschieht, bleibt dem Ortschaftsrat vorbehalten. Dieser wird in der nächsten Sitzung darüber entscheiden und wohl selbst mit Eimern am Winzerhügel die Traubenernte beenden.

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