Friesenheim Warum basteln wir Insektenhotels?

"Hitzeperioden hat es im Sommer schon immer gegeben", sagen viele. Dieses Argument wollen Joseph Hugelmann und Wolfgang Huppert vom BUND so nicht stehen lassen. Am Donnerstag haben sie mit Kindern Insektenhotels gebastelt und sich geäußert.

Friesenheim. Dass die Insekten sterben, weil Monokultur und Versiegelung der Landschaften überhand nehmen, sei ein komplett anderes Thema, aber irgendwie gehöre mittlerweile doch alles zueinander. "Obwohl ich selbst unter der Hitze leide, ist sie für die Ignoranten des Klimawandels ein Schuss vor den Bug", erklärt Joseph Hugelmann im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. "Ignoranten schieben nur die Schuld von sich", ereifert er sich.

Hugelmann befürchtet, dass die derzeitig extreme Wetterlage den Menschen nicht lange in den Köpfen bleibe. Die Verfallszeit von Katastrophenmeldungen sei einfach zu kurz. Hinweise wie Jahrhunderthochwasser, Starke Regengüsse mit Überschwemmungen oder heftige Stürme habe es jetzt einfach schon viel zu häufig gegeben. Selbst von der Ozonschicht spreche niemand mehr.

Artenschwund in Flora und Fauna

In Kauf genommen werde auch das Pflanzensterben. "Für das so fast hundertprozentige Eschensterben ist ja angeblich auch nur ein bestimmter Käfer zuständig und nicht etwa das Klima", wettert Hugelmann und spricht von Invasions-Tieren, die in unseren Breiten nichts zu suchen hätten. Grenzenlose Handelsströme brächten Buchsbäume aus China nach Deutschland und mit ihnen den Buchsbaumzünsler – der habe noch nicht einmal fliegen müssen, sondern sei bequem auf dem Schiff mitgereist, sagt Hugelmann sarkastisch.

In diesem Jahr ist alles anders als sonst: Der 65-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit, als er ein kleiner Junge war und Temperaturen von 33 Grad alle Rekorde gebrochen hätten. "Bei 29 Grad gab es hitzefrei", so Hugelmann. Die jetzige Hitze sei "abnormal". Am Kieswerk habe er zur Probe die Wassertemperatur gemessen: "28 Grad waren es 30 Zentimeter unter Wasser." Alle Obstsorten befänden sich im Dauerstress. Kulturpflanzen wie Stachelbeeren ließen sich bei ihm, dem Selbstversorger, kaum mehr verwenden: "Braun sind sie." Kohlrabi zeige sich holzig und die Pflanzen vertrockneten. Traurig sei auch der Blick auf Mais- und Sojafelder.

Wolfgang Huppert, der Vorsitzender des Ortsverbands des BUND, merkt an: "Es gibt gravierende Veränderungen. Der Artenschwund wird zunehmen." Er erinnert an die einjährige Kornrade, die als Heilkraut mittlerweile aus der Landschaft so gut wie verschwunden sei. Bei sieben Milliarden Menschen dürfe keiner mehr verbrauchen als andere. Die Verbrennung fossiler Brennstoffe sei ein großes Übel, ergänzt Hugelmann. Es gelte ganz grundsätzlich zu überlegen, ob mehr Konsum auch mehr Glück bedeute, sagt er.

Mit Blick auf die Kinder, die munter ihre Insektenhotels basteln, betont er: "Der Gedanke ›Nach mir die Sintflut‹ ist verantwortungslos." Dazu zählt er auch die Entscheidung vieler für weit entfernte Urlaubsgebiete. Wer im Flieger in den Süden oder anderswohin sitze, schreibe eine verheerende Ökobilanz.

Er fordert mehr Eigenverantwortung und mahnt die Erkenntnis an, "dass in einem endlichen System kein unendliches Wachstum möglich ist."

Joseph Hugelmann, seit 31 Jahren Mitglied des Friesenheimer Gemeinderats, fordert einen Blick über den kommunalen Tellerrand hin­aus und meint damit die jüngst verbauten Granitsteine in der Kruttenau: "Sie wurden über 15 000 Kilometer aus China hierher gefahren." Menschen hätten sie unter unsäglichen Bedingungen produziert. "Und dann wundern sich die Ratsmitglieder, wenn wir Asylsuchende aus China bekommen", sagt er.

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