Schaden von bis zu 12. 000 Euro Unbekannte zerstören elf Hochsitze

Mitgeholfen beim Wiederaufbau der zerstörten Hochsitze haben Michael Bayer (von links), Christoph Kohaupt, Uwe Lienhard, Matthias Laber und Rainer End. Einige Hochsitze konnten aber nicht mehr repariert werden. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Elf Hochsitze sind in der Woche vom 27. bis 29. Mai sowie an Fronleichnam im Friesenheimer Jagdbezirk umgestoßen und teilweise zerstört worden. Die Jagdpächter sind fassungslos und stehen vor einem Schaden von bis zu 12. 000 Euro.

"Dafür gibt es keine Versicherung", sagt Jagdpächter Uwe Lienhard, der in seinem Distrikt sechs zerstörte Jagdkanzeln zu verzeichnen hat, gegenüber der Lahrer Zeitung. Die Hochsitze liegen in den Böschungen – teilweise schwer zugänglich. Massiv betroffen sind die Jagdreviere Heiligenzell und Schuttern.

"Da braucht es extreme Kraft und Zerstörungswut, einfach Brachialgewalt, um diese massiven Gebilde auszuhebeln", so Lienhard. Allein die Reparaturen oder Neuerrichtungen kosten ihn 7.000 Euro. Insgesamt rechnet man mit Kosten bis 12. 000 Euro. Mit ihren Vermutungen halten sich die Jagdpächter zurück. "Leider lässt sich nicht sagen, wer hier mit dieser blinden Zerstörungswut unterwegs ist", erklärt Michael Bayer.

Wanderer und Spaziergänger werden um Mithilfe gebeten

"Was hier passiert, ist ganz klar eine Straftat und wurde bereits zur Anzeige gebracht", erklärt Bayer. Am Samstagmorgen macht sich Bayer mit Jägern auf den Weg in den Heiligenzeller Distrikt. Kurz nach der Tafeltanne auf dem Parallelweg zum Soldatengrab liegt ein Hochsitz im Wald.

Das Welldach biegt sich im Gebüsch und ist zerstört. Meterlange Streben sowie Verankerungen und Tritte an der Leiter sind gebrochen. "Da lässt sich nicht mehr viel machen", sagt Lienhard. Er ist noch bei der Bestandsaufnahme. Nur mit Unterstützung von anderen Jägern lassen sich seine Kanzeln wieder errichten. Der Schaden sei immens. Von der Zeit, die alle Jäger für den Aufbau brauchen, ganz zu schweigen. "Für einen neuen Hochsitz brauchen wir mehr als 20 Stunden", so Bayer.

Dass schon an einzelnen Jagdhütten, wie der Bernhardhütte, Gestelle umgeworfen wurden, verbucht Bayer mit einem verständnisvollen Schulterzucken unter möglichem jugendlichem Übermut in der Coronazeit. Aber was sich jetzt abspiele sei eine "Riesensauerei" und von einer gewissen systematischen Zerstörung getragen. "Es fällt auf, dass nur Kanzeln betroffen sind, die entlang des Wegs stehen", stellt Lienhard fest. Drei Jahre war jetzt Ruhe. "Einzelne Sachen passieren immer mal", weiß Bayer.

Waldschutz steht vor Wildschutz

Die Jäger rechnen damit, dass die Zerstörer bei Nacht und zu Fuß unterwegs waren. Sie bitten Wanderer und Freizeitsportler um mehr Aufmerksamkeit im Wald und um Rückmeldung, falls sie etwas auffälliges beobachten.

Die Jagdpächter gehen gegenüber der Gemeinde Friesenheim ihrer Verpflichtung nach, den Abschussplanes zu erfüllen. "Das neue Bundesjagdgesetz stellt den Waldschutz vor den Wildschutz", sagt Uwe Lienhard. Nicht nur die Tierseuchen, wie die afrikanische Schweinegrippe könnten so eingedämmt werden, der Aufbau des Waldes mit Sicherung von klimastabilen Baumarten bleibe ebenso im Blick und damit der Schutz von Trieben, damit die Bäume eine Chance haben. "Mit unserer Jagdpacht sind wir vertraglich an diese Verpflichtungen gebunden und müssen sie auch fristgerecht erfüllen", sagt Lienhard.

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