Friesenheim Streit um Kündigung brodelt weiter

Der frühere Pfarrer Herbert Schmieder kritisiert die Kündigung einer Erzieherin. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Die Kündigung einer Friesenheimer Kindergärtnerin wegen ihres Kononfessionswechsels zieht weitere Kreise. Nach Eltern, Elternbeirat und Chorleiter meldet sich nun auch der ehemalige Gemeindepfarrer zu Wort. Und die Kirche? Bleibt hart.

Pfarrer schreibt offenen Brief 

Die Situation der ehemaligen Erzieherin des Sankt-Elisabeth-Kindergartens, der aufgrund eines Konfessionswechsels gekündigt wurde, kann der ehemalige Pfarrer Herbert Schmieder gut nachvollziehen. Auch er quittierte einst seinen kirchlichen Dienst, um dem Zöllibat zu entgehen und seine Frau heiraten zu dürfen.

In einem offenen Brief ergreift der ehemalige Pfarrer das Wort. Den Umgang mit Mitarbeitern, Frauen und der Schwesterkirche, den Altkatholiken, sieht Schmieder als skandalös. Insbesondere die jüngsten Ereignisse, bei denen der Justiziar der Erzdiözese das Handeln der Kirche mit dem kirchlichen Eigenrecht begründete, stößt Schmieder übel auf. Bereits die Tatsache, dass die Kirche einen Justiziar und keinen Seelsorger vorschicke, missfällt ihm schwer. So heißt es dazu in seinem Brief: "Das ganze ›Kirchenrecht‹ hat sich doch stets an der Person und an der barmherzigen Botschaft des Jesus von Nazareth zu orientieren, ist (dem Menschen) also unmissverständlich untergeordnet."

Wohl des Menschen steht über Kirchenrecht

In seinem Theologie-Studium habe Schmieder einen grundlegenden Leitsatz erfahren und verinnerlicht, den er in diesen Tagen verletzt sieht: "Das Heil der Seelen ist das oberste Gesetz." Diesen Leitspruch weiß Schmieder in den Paragraphen des Grundgesetzes und der Menschenrechte untermauert.

Zudem sieht Schmieder die Kirche als Ökumene mit einem drohenden Image-Schaden konfrontiert. Denn schließlich, so argumentiert er, sei es eine gesamtkirchliche Dienstleistung, sich um Menschen zu kümmern und die Botschaft des Heils zu vermitteln. Dies sei Bestandteil des Evangeliums und damit der Grundlagen des kirchlichen Handelns. Stelle sich eine "Schwesterkirche" gegen Werte, die beiden zugrunde liegen, schade dies letzten Endes allen. Es gelte im Interesse der katholischen Kirche, zu verhindern, dass weitere Kirchenangehörige in Scharen das Weite suchten. Ähnlich hatte, wie berichtet, auch Chorleiter Martin Groß argumentier.

Nachdem die Stimmen aus der Bevölkerung immer lauter werden, bezieht auch die Katholische Kirche Stellung. So heißt es in einem Schreiben des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg, man könne die Empörung, das Unverständnis und die Enttäuschung einiger Menschen über die ausgesprochene Kündigung durchaus nachvollziehen. Jedoch sei sich die Erzierhin bei ihrem Austritt aus der katholischen Kirche über die damit einhergehenden Konsequenzen durchaus bewusst gewesen. Ein Austritt aus der katholischen Kirche sei gleichbedeutend mit dem aktiven Ablehnen der katholischen Werte, welche die Mindestqualifikation darstellten, um in einer katholisch geführten Einrichtung arbeiten zu können, schreibt Freiburg.

Härtefall sei für Kirche nicht erkennbar gewesen

Durchaus gebe es Fälle, bei denen Angehörige anderer christlicher Konfessionen in katholisch geführten Einrichtungen arbeiten, räumt das Ordinariat ein. Im Fall des Kirchenaustritts der Friesenheimer Erzieherin handle es sich jedoch um eine Form des "aktiven Ablehnens der katholischen Werte". Das Ordinariat habe daher bei seiner Entscheidung "keinerlei Ermessensspielraum" gehabt.

Auch gebe es Härtefälle, wie etwa bei drohender Arbeitslosigkeit, bei denen die Katholische Kirche durchaus auch für Ausnahmen offen sei. Jedoch sei ein solcher Härtefall im Fall Renate Delakowitz nicht erkennbar gewesen.

Den Kirchenaustritt der Erzieherin, die damit einhergehende Kündigung und die daraus resultierende Empörung vieler Menschen bedauere man zutiefst – nicht zuletzt auch deswegen, da gute Erzieher stets gesucht seien.

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