Friesenheim Landwirtschaft: Stiller Protest über das Agrarpaket

 Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Grüne Kreuze findet man derzeit in ganz Deutschland auf den Äckern. Auch die Friesenheimer Landwirte haben sich der Protestaktion angeschlossen, die den Zorn über das Agrarpaket zum Ausdruck bringen soll.

"Respektiere die Arbeit der Landwirte!" Die Aussage der Briefe, die derzeit an den riesigen grünen Holzkreuzen in ganz Deutschland hängen, sei eindeutig: "Es geht um das nackte Überleben und auch um die Zukunft der Gesellschaft", erklärt Karl Silberer im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Bis im Dezember war er langjähriger Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes und in der Vertretung für den Deutschen Bauernverband unterwegs.

Am 4. September 2019 hat das Bundesministerium für Landwirtschaft gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium ein sogenanntes Agrarpaket verabschiedet. "Dieses Paket will künftig Schutzgebiete ausweisen, in der keine Landwirtschaft mehr betrieben werden kann", so Silberer. Das gelte auch für Biobetriebe. "Ein Messer in den Rücken der Landwirte", kommentiert Silberer. Im Grunde stünden die Landwirte in Deutschland schon lange mit dem Rücken an der Wand. Sommerhitze, Schlagregen, Trockenheit – die Spitzenerträge seien in den vergangenen Jahren ausgeblieben. Rücklagen seien in der Regel aufgebraucht, weil für Saatgut und Pflanzenschutz in Vorleistung getreten werde. "Die 150 Euro pro Hektar, die als Agrarprämie ausbezahlt werden, sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Davon wird kein Landwirt satt." Hinzu käme ein mit den USA vertraglich gesichertes Handelsabkommen für den Import von Rindfleisch. "Rinder aus den USA werden mit Hormonen aufgepäppelt. Mittel, die bei uns schon längst verboten sind", führt Silberer aus. Standards, die für die heimische Landwirtschaft gelten, davon seien die Importeure befreit. Das gelte für alle Produkte, die beispielsweise verstärkt aus osteuropäischen Ländern nach Deutschland gelangen.

"Ich habe grundsätzlich nichts gegen Handelsabkommen. Aber unsere hohen Standards sollten erst recht für die Einfuhr von Lebensmittel gelten", so Silberer. In Osteuropa gelte freie Fahrt für Spritzmittel und Genveränderungen, die bei uns einem absoluten Verbot unterliegen. Dabei werde in Deutschland so viel Wert auf Biodiversität, auf natürliche Ausbringung von Gründüngung oder den Einsatz von biologischer Bekämpfung von Schädlingen gelegt. "Von Schutzgebieten kann niemand mehr leben", sagt Silberer. Kostbares Ackerland werde brach liegen. Landwirtschaftliche Betriebe, die verantwortungsvoll mit der Natur und ihrem Grund und Boden umgehen, sieht Silberer in fünf bis zehn Jahren am Ende.

Landwirte befürchten Abhängigkeit von Importen

D ie Klage gegen zu hohe Nitratwerte, Stickstoff im Boden könne Silberer schon gar nicht mehr hören. "Wenn ich sehe, dass die Flugbahn in Lahr mit Nitrat enteist wird, das in der Fläche versickert, dann können wir von Nitratbelastung sprechen", klagt Silberer. Wenn Deutschland die wohlgemeinten Agarpakete schnürt, dann zwinge das Land die Bevölkerung langfristig in die Abhängigkeit von Importen aus Osteuropa und Amerika. "Sollten diese Länder uns nicht wohlgesonnen sein, haben wir ein Problem. Dann stellt sich die Frage, wie wird die Gesellschaft ganz einfach nur satt?", so Silberer.

Kein Land habe solch hohe Kontrollen für den geringstmöglichen Einsatz von Pflanzenschutz. Was aktuell geschehe, empfindet Silberer als "Hetze auf dem Rücken einer Minderheit, die kaum mehr Fürsprecher hat". Dabei sei die Gesellschaft von ihr abhängig. Nur habe das bis dato kaum jemand verstanden. Für Silberer gelte nach wie vor: "Wer den Ast absägt, auf dem er sitzt, braucht sich über die Brüche nicht zu wundern."

Südbaden zählt im Jahr 2018 noch 16 000 Landwirte. Die Großgemeinde Friesenheim zählt 52, davon nur noch zehn Betriebe im Vollerwerb.

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