Friesenheim Projekt: Seine Stimme gilt Armen und Kranken

Heinz Schillinger will sich bei der Versammlung in Leipzig vor allem für Alte, Schwache und Kranke stark machen. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Neun Friesenheimer sind für das Projekt "Bürgerrat Demokratie" im Losverfahren ausgewählt worden und nun nach Leipzig eingeladen. Zu den neun Vertretern zählt auch Heinz Schillinger. Für ihn ist die Teilnahme eine Ehre.

Heinz Schillinger reist zur Versammlung des Bürgerrats nach Leipzig. Der Friesenheimer zeigt sich schon seit vielen Jahrzehnten als politisch interessierter Bürger. Kein politisches Forum und keine Versammlung ist ihm fremd. "Ich will mitreden und bewegen", sagt Schillinger. Jetzt gehört er zu neun Friesenheimern, die mit weiteren 150 Teilnehmern aus ganz Deutschland zur zweitägigen Versammlung vom 13. und 14. September sowie am 27. und 28. September nach Leipzig eingeladen sind. Schillinger reist als Vertreter des Behindertenbeitrats Ortenaukreis an.

Auch hinsichtlich der Barrierefreiheit müsse einiges getan werden

"Sofort war ich bereit hin zu gehen", sagt der 69-Jährige, der an Krücken die Tür öffnete. Noch vor wenigen Wochen saß er im Rollstuhl: Er ist dem Tod, wie er selbst sagt, "von der Schippe gesprungen". Sein eiserner Wille habe ihn ins Leben zurückgeholt. Auf dem Weg zur Genesung habe er jedoch viele Hürden nehmen müssen. "Wenn ich vor einer Behandlung erst einmal mit 300 Euro in Vorleistung treten muss, stimmt etwas nicht mit unserem sozialen Rechtsstaat", sagt der 69-Jährige. "Krankheit kostet ganz schön viel Geld." Seiner Fürsorgepflicht zum Schutze des Schwachen, Kranken und Alten komme der Staat seiner Meinung nach nicht im vollen Umfang nach. Zu viel Bürokratie nehme einigen Menschen den Atem zum Durchhalten. "Meine Rente hätte für einen Aufenthalt im Pflegeheim nicht gereicht", so Schillinger. Monatelang habe er kein Geld gesehen. Umso mehr brauche es in seinen Augen eine direkte Demokratie, die Menschen Gehör schenkt, aber die auch im Umkehrschluss auf Faktensammlung Taten folgen lasse. Gern zieht er das Beispiel mit teilweise unzureichender Barrierefreiheit und mangelnden Zebrastreifen in Friesenheim an. Was für die Gemeinde gelte, ließe sich seiner Meinung nach eins zu eins auf viele Ortschaften und Städte übertragen. Mehr Achtsamkeit gegenüber den Schwachen sei gefordert.

Auch das Thema Integration beschäftigt ihn: "Ich habe das Gefühl die Integration von Neubürgern gelingt nicht in dem Maße, wie sie sollte." Es fehle an Strukturen, die Menschen aus anderen Kulturen mit "unseren" Belangen und Werten vertraut machen. Für ihn treibe die Demokratie, vor allem im Hinblick auf die aktuellen Wahlergebnisse in Brandenburg und Sachsen, Richtung Scheideweg. Dass die Bürger ihren demokratischen Parteien nicht mehr vertraue, stimmt Schillinger nachdenklich.

Er hat noch einige Tage, bis er im Zug nach Leipzig sitzt. Diese nutze er, um sich vorzubereiten. "Ich werde nicht still bleiben", sagt der Friesenheimer selbstbewusst.

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