Friesenheim Schüler polieren die Stolpersteine

Zum 80. Gedenktag der Deportation der badischen Juden wird es Vorträge in Friesenheim, Nonnenweier und Diersburg geben. Friesenheimer Schüler haben im Voraus schon einmal die Stolpersteine poliert.

Friesenheim/Ried. Die Region erinnert an die jüdische Bevölkerung, die am 22. Oktober 1940 aus ihrer Heimat gerissen und nach Gurs deportiert wurde. In Friesenheim, Nonnenweier und Diersburg laden zentrale Veranstaltungen zum Gedenken und Erinnern an die Schicksale der jüdischen Bevölkerung ein (siehe Info). Erinnerungsstätten, Stolpersteine, Mahnmale und Gedenktafeln versuchen einen Teil der jüdischen Geschichte im Gedächtnis zu bewahren.

Vor zehn Jahren wurden vor sechs Friesenheimer Gebäuden, in denen jüdische Mitbürger gewohnt haben, zehn Stolpersteine verlegt. Jeder einzelne Stein, erinnert an einen Menschen, der im Lager von Gurs oder in den Konzentrationslagern in den Folgemonaten und Jahren ermordet worden ist.

Gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Martin Buttenmüller hat die achte Klasse der Realschule die Stolpersteine nun auf Hochglanz poliert. Auf dem Gehweg der ehemaligen Synagoge in der Lahrgasse in Friesenheim legten Leonie und Maria los. Nur mit einem kleinen Wisch war die Patina auf der quadratischen Messingtafel nicht zu säubern. "Da muss man ganz schön drücken", berichteten die beiden 13-Jährigen.

Achtklässler empfinden die Putzaktion als Ehre

Trotzdem wollten sie diese Aktion nicht mit Arbeit beschreiben. "Vielmehr ist es für uns eine Ehre, das tun zu dürfen", bekennen die Jugendlichen ernst. Das sei Geschichtsunterricht zum Begreifen und wecke auch das Interesse an den Schicksalen und Biografien. Der Holocaust sei somit ein unvergessener Teil der Gemeinde. "Es ist schon krass, dass es so was auch in Friesenheim gegeben hat", meinte Elias. Gemeinsam mit Alberto und Mouaad polierte er die Stolpersteine in der Hauptstraße 89, die an das Ehepaar Brunhilde und Alfred Levi erinnern. Für Mouaad ist es ein Polieren und Putzen gegen Rassismus. "Niemand darf ausgegrenzt werden, ganz gleich welcher Religion, Herkunft oder Hautfarbe er angehört", sagt der 14-Jährige. Für ihren Einsatz bekamen die Jungs an diesem Morgen ein dickes Lob von Anwohnerin Renate Schlenk: "Ihr macht das perfekt. Besser geht es nicht." Die Jugendlichen knieten vor den Stolpersteinen und brachten ihre Wertschätzung zum Ausdruck. "Irgendwie wird einem so die Geschichte noch lebendiger", meinte Alberto. Selbstverständlich wurde auch das Mahnmal zwischen Evangelischem Gemeindehaus und Rathaus in der Friedhofsstraße abgebürstet.

Das Mahnmal ist ein Zeichen der Ökumene, an dem Jugendliche 2006 gemeinsam gewirkt und gearbeitet haben. Unterstützt wurden sie dabei von Steinmetz Frank Rothbächer. Die Projektidee stammt von der kirchlichen Jugendarbeit in Baden. In Nonnenweier erinnert seit 2009 eine von den Pfadfindern des Nonnenweirer Stammes "Regenbogen" geschaffene Sandsteinstele vor dem Nonnenweierer Rathaus an das jähe Ende jüdischen Lebens im Ort.

Zum 80. Jahrestag der Deportation der badischen Juden am 22. Oktober 1940 wird es in Friesenheim, Nonnenweier und Diersburg am Donnerstag, 22. Oktober, verschiedene Veranstaltungen geben.  Friesenheim: Ein Gedenken findet in Friesenheim ab 18 Uhr am Mahnmal in der Friedhofstraße vor dem Evangelischen Gemeindehaus statt.   Nonnenweier: Norbert Klein wird den Vortrag "Deportation der Nonnenweierer Juden nach Gurs vor 80 Jahren – Ein Rückblick auf die jüdischen Schicksale im Amtsbezirk Lahr" ab 19 Uhr in der Burkhard-Michael-Halle in Nonnenweier halten. Eine Anmeldung ist bei der Gemeindeverwaltung Schwanau unter Telefon 07824/40 09 erforderlich.   Diersburg: Eine Gedenkfeier findet ab 19 Uhr in der evangelischen Kirche in Diersburg statt.

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