Friesenheim Marie-Antoinette zu Gast in Schuttern

Schuttern - Der Brautzug der späteren Königin von Frankreich, Marie-Antoinette, durchquerte vor 250 Jahren den Lahrer Bezirk. Die letzte Nacht auf deutschem Boden verbrachte Maria Antonia im Kloster in Schuttern, das sich dadurch verschuldete.

Brautzug der französischen Königin durch Lahr 

Wegen der Konzentration auf die Geschehnisse zum Ende des Zweiten Weltkrieges haben selbst erfahrene Lokalhistoriker fast ein großes Ereignis im Mai vor 250 Jahren übersehen: Im Jahr 1770 durchquerte der Brautzug der späteren Königin von Frankreich, Marie-Antoinette, den Bereich des Bezirks Lahr.

Im Jahr 1770 regierte in Österreich Kaiserin Maria Theresia und in Frankreich König Ludwig XV. Um den Frieden zwischen den beiden Ländern und den Häusern Habsburg und Bourbon zu sichern, sandte Ludwig XV. im Juni 1769 eine schriftliche Brautwerbung nach Wien. Darin warb er um die Hand der 13-jährigen Maria Antonia, der jüngsten Tochter der Kaiserin.

Am 21. April 1770 verließ Maria Antonia für immer ihre Geburtsstadt

Sie sollte seinen 14-jähriger Enkel Louis Auguste heiraten. Nachdem Maria Theresia zugstimmt hatte, ging alles sehr rasch. Am Ostermontag, dem 16. April 1770, fand die offizielle Brautwerbung durch einen Gesandten des französischen Königs in Wien statt. Am 17. April verzichtete Maria Antonia durch einen "Renunziationseid" auf ihre Erbfolge in Österreich, zu der sie formal berechtigt war. Die Vermählung am 19. April in Wien fand ohne den Bräutigam statt. Erzherzog Ferdinand, der Bruder Maria Antonias, vertrat den Bräutigam, der am französischen Hof auf seine Braut wartete.

Am 21. April 1770 verließ Maria Antonia für immer ihre Geburtsstadt Wien. Mit 57 Wagen, 235 Personen und 350 Zug- und Reitpferden zog der Tross los auf die 17-tägige Reise nach Straßburg, wo die Übergabe an den französischen Bevollmächtigten erfolgen sollte. Die Reise ging über München, Augsburg, Stockach, Donaueschingen und durch das Höllental hinunter nach Freiburg.

Am 6. Mai 1770 rückte das Kloster Schuttern ins Blickfeld Europas, denn hier verbrachte Maria Antonia ihre letzte Nacht auf deutschem Boden. Bereits im Dezember 1769 war das Kloster benachrichtigt worden, dass die Erzherzogin in Schuttern übernachten würde.

Übernachtung kostete das Kloster 15 086 Gulden und 56 Kronen

Das Kloster musste renoviert werden, Bettstatten und Stühle wurden gekauft, Tücher, Baldachine, Vorhänge, Spiegelwandleuchter, Lavoirs, Gläser, Karaffen, Fayencen, Deckbetten, Matratzen und vieles mehr musste angeschafft werden. Das Kloster wurde in einem Gewaltakt zu einem sehr aufwendig ausgestalteten barocken Herrscherpalast umgewandelt. Das Rastatter Hoforchester wurde geordert. Vom Kloster Schuttern ist die Abrechnung der getätigten Auslagen erhalten. Die Übernachtung kostete das Kloster Schuttern 15 086 Gulden und 56 Kronen und verarmte das Kloster über Jahre hinweg.

Der Brautzug zog am 6. Mai 1770 durch das große Tor des Klosters ein. Die Bevölkerung stand Spalier, Glockengeläut des Schutterner Domes und Kanonensalut begrüßten den hohen Besuch. Der Abt, begleitet von allen Kapitularen sowie den Unter- und Oberbeamten der Abtei, empfing die junge Braut mit der tiefsten Verehrung. Nach einer Ruhestunde im extra eingerichteten, eigenen Gemach, fand im Audienzsaal der Empfang statt. Der Abt und sämtliche Kapitularen und die Beamten wurden zum Handkuss zugelassen. Das Fest fand seinen Höhepunkt mit einer Illumination der ganzen Klosteranlage mit übereinanderstehenden Ampeln, vielen Fackeln und einem im Kunstfeuer brennenden Adler.

Diamantenes Brustkreuz als Dank für Beherbergung 

Am nächsten Morgen zog Maria Antonia dann unter dem Geläut der Glocken nach Kehl weiter. Als Dank für die großzügige Beherbergung erhielt Abt Carolus Vogler von der Dauphine ein mit Diamanten besetztes Brustkreuz. Nach 36 Jahren, als Napoleon das Kloster Schuttern aufhob (1805) und dem Land Baden zuschlug, wurde dem Kloster auch dieses teure Diamantenkreuz abverlangt. Nördlich der Ortschaft Schuttern überspannt eine kleine Bogenbrücke den Bachlauf der Schutter. Über diese Brücke rollte der große Brautzug, die Brücke hat im Volksmund heute noch den Namen "Marie-Antoinette-Brücke". 2006 wurde der Aufenthalt von Marie-Antoinette im ehemaligen Kloster durch eine Aufführung eines Theaterstücks von Hubert Held in Schuttern gefeiert.

Am Tag darauf erfolgte die offizielle Übergabe der zukünftigen Königin auf einer neutralen Insel mitten im Rhein an den französischen Gesandten. Als Erzherzogin von Österreich betrat Maria Antonia einen dreiteiligen Pavillon. Im mittleren Teil musste sie alle ihre bisherigen Kleider ablegen. In der dritten Kammer erfolgte die Neueinkleidung in französischer Mode und als Marie-Antoinette verließ sie den Pavillon.

Siebentägige Reise bis nach Paris 

Nach einer Übernachtung im Palast von Bischof Louis de Rohan ging die siebentägige Reise weiter nach Paris, wo die junge Braut am 14. Mai 1770 nach 24 Reisetagen und insgesamt 1500 Kilometern Reisestrecke ankam. Zwei Tage später erfolgte die eigentliche Vermählung. Die Ehe wurde aus mehreren Gründen jahrelang nicht vollzogen, was zu einer vollkommenen Veränderung der frustrierten Marie-Antoinette führte. Sie kompensierte diesen Frust mit unsinnige Ausgaben, die nach der Besteigung des französischen Königsthrons am 10. Mai 1774 noch zunahmen. Letztendlich ließ sich das Volk diese Verschwendungssucht nicht mehr gefallen, sie führte zur Revolution im Jahr 1789, zum Sturz der Monarchie in Frankreich und schließlich zur Hinrichtung von Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 und von Marie-Antoinette am 16. Oktober 1793. Mit 38 Jahren starb sie unter der Guillotine.

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