Friesenheim Mammutaufgabe für Vollernter

50 Ar in 45 Minuten geerntet: Winzer Stefan Röderer freut sich über den Beginn der Weinlese. Foto: Bohnert-Seidel Foto: Lahrer Zeitung

Oberschopfheim (cbs). Wie eine riesige gefräßige, gelbe Raupe kriecht der Traubenvollernter durch die Flurbereinigung in Oberschopfheim: Es ist soweit – die ersten Trauben werden geerntet.

Winzer Stefan Röderer lässt knapp 50 Ar Müller-Thurgau von Winzermeister Stefan Geiger aus Friesenheim und dessen Traubenvollernter holen. Ratzfatz hängt nur noch das Gerippe am Stock. Feinfühlig nimmt die Maschine die Beeren vom Stock. Im Behälter des Vollernters bleiben nur die Trauben, ohne Blätter. "Eine perfekte Lese", attestiert Röderer. Das Prinzip der Lese sei ganz einfach: Gummilappen umfassen die Stämme der Weinstöcke und pflücken sie ab. Knapp 50 Ar oder 7000 Kilo in 45 Minuten. Die Ausbeute wird in einen Container geleert. Von Hand entspräche diese Lese zehn Helfern á acht Stunden. Das wäre auch wegen des demografischen Wandels schwierig: Helfer aus dem Familien- und Bekanntenkreis werden älter.

Im August seien die Trauben noch in perfektem Zustand, die Kirschessigfliege fern. Solange die Trauben so perfekt am Stock hängen, gilt freie Fahrt für die Maschine, ohne Vorlese durch den Winzer. Müller-Thurgau wird zuerst eingeholt. Gehofft wird auf sonnige Tage und kühle Nächte. Sollte dennoch etwas Fäule vorliegen, geht auch Röderer mit der Rebschere durch und sortiert die schlechten Trauben auf den Boden.

Ohnehin habe sich eine Umkehr der Arbeitsgänge in den vergangenen Jahren angebahnt. Während früher das Augenmerk auf die Selektion der guten Trauben gerichtet blieb, gehe es jetzt lange vor der Ernte den faulen Trauben an den Kragen.

Gut 80 Prozent der Anbaufläche lässt sich mit Vollernter befahren

Zu viele oder schlechte Trauben werden auf den Boden geschnitten. "Die Premiumlinie verlangt viel Einsatz, lässt uns aber auch hervorragenden Wein hervorbringen", weiß das langjährige Vorstandsmitglied der WG. Verlangt werden je nach Güteklasse 50 bis 80 Kilo pro Ar. Seit vielen Jahren bringt die WG Oberschopfheim zu ihrer Premiumlinie die Weinspezialität "handverlesen" ins Winzerhüs. In der Regel sind das jene Trauben an Stöcken, die auch mit dem Vollernter nur schwer zu befahren sind. Insgesamt schätzt sich die WG in der glücklichen Lage, dass sich gut 80 Prozent der Anbaufläche mit dem Vollernter holen lasse.

Zum neuen Süßen aus Müller-Thurgau meint Röderer: "Im hohen Norden sind sie jetzt schon ganz verrückt danach." In Oberschopfheim kommt er erst die den nächsten Wochen in den Verkauf. "Jetzt ist noch Schorlewetter", meint Oberschopfheims einziger Vollerwerbswinzer.

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