Friesenheim Mahnfeuer als Zeichen der Solidarität

Mit einem Mahnfeuer im Weinberg Heller Himmel zeigten sich die Landwirte und Winzer der Gemeinde Friesenheim solidarisch gegenüber der Protestaktion "Land schafft Bewegung". Weitere Feuer sind geplant. Foto: Bohnert-Seidel Foto: Lahrer Zeitung

Die Friesenheimer Winzer und Landwirte haben mit einem Mahnfeuer auf sich und ihre derzeitige Situation aufmerksam gemacht. Damit soll die Solidarität gegenüber der Protestaktion "Land schafft Verbindung" gezeigt werden.

Friesenheim. "Wenn mehrere zehntausend Bauern nach Berlin gehen u nd gegen das Agrarpaket der Bundesregierung protestieren, dann erklären wir uns hier in Friesenheim solidarisch", sagte der Jungwinzer und Landwirt Frank Erb gegenüber der Lahrer Zeitung. Es gehe schließlich um die nackte Existenz. Da sei ein Mahnfeuer, so sehr es nach Lagerfeuerromantik aussehe, ein Ausdruck von Ausgebranntsein, von Existenzangst und von einem Ausgeliefertsein gegenüber einer Willkür von Politik und Umweltschutzverbänden, die am Ende nur noch verbrannte Erde hinterlasse.

Erb nannte das Agrarpaket und das Insektenschutzpaket in einem Atemzug. "Ich betone, wir sind nicht gegen Umweltschutzmaßnahmen und -auflagen oder Insektenschutz", so Erb. Aber die Gesetze und Verordnungen würden am grünen Tisch bestimmt, ohne Mitsprache oder Austausch mit der betroffenen Branche – der Landwirtschaft. Gemeint sei unter anderem das geplante Verbot von Herbiziden und Insektiziden. "Dabei ist Deutschland eines der Länder mit den höchsten Auflagen an Umweltschutz und Insektenschutz", so Erb. Auflagen, die die Landwirte in Deutschland zu erbringen hätten, gefährden in der Preisgestaltung ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt. "Bei Preisen aus osteuropäischen Ländern können wir nicht mehr mithalten", so Erb. Die deutsche Bevölkerung laufe mit dieser Entwicklung Gefahr, sich langfristig von Importen abhängig zu machen. Dann wird gegessen, was auf den Tisch komme und Bio könnten sich nur "die oberen 10 000" leisten. Aus biologischer Landwirtschaft alleine ließen sich nicht Milliarden von Menschen ernähren. Das sei eine Utopie. Die Landwirte in Friesenheim fühlen sich an den Pranger gestellt. "Zwei Mal wurde mir der Mittelfinger aus dem Auto heraus gezeigt, weil ich mit meinem Traktor und meiner Spritze hintendrauf in den Weinberg gefahren bin", ärgert sich Erb. Mittlerweile gehe diese Art von Schuldzuweisung für Insektensterben und Klimawandel an die Substanz. "Das macht uns allen auch psychisch zu schaffen", so der Landwirt. Täglich sind die Landwirte bis zu zwölf Stunden draußen bei der Arbeit – Im Sommer sind es schon mal 18 Stunden, oft sieben Tage die Woche.

Damit die Wirtschaftlichkeit garantiert bleibe, sei die Größe des Betriebs entscheidend. Noch größer bedeute aber nicht mehr Einkommen. "Gern würden wir nur einen halb so großen Betrieb leiten", erklärte der Jungwinzer. Aber dann sei der Generationenvertrag und die Weitergabe des Hofs an Kinder oder Enkel nicht mehr garantiert.

Auflagen, die in Deutschland gelten, seien nur dann von Wert für die Landwirte, wenn es wieder eine Naturkatastrophe gebe, Ernten in anderen Ländern zerstört sind und die Preise nach oben gingen. "Das ist doch krank", erklärte Erb. Jeder wolle satt werden. Wer die Forderung nach mehr Regionalität stelle, soll erst einmal mindestens 50 Prozent seines Einkaufs aus regionalen Produkten beziehen. "Dann stünden wir sicher nicht da, wo wir heute stehen", sagte der Landwirt bestimmt.

Nach der ersten Aktion sind weitere geplant: Mahnfeuer wird es am Samstag, 7. Dezember, in den Weinbergen in Friesenheim und in Oberschopfheim geben.

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