Friesenheim Landwirte fordern Geld von Nato

Foto: v.l. der neue Vorstand des BLHV Ortsverbands Friesenheim mit Karl Silberer (Schuttern), Stefan Röderer (Oberschopfheim), Julius Haas (neuer erster Vorsitzender), Richard Kopf (Oberweier,Heiligenzell), Frank Erb (Friesenheim). Es fehlt Karin Killius. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Der Friesenheimer Ortsverband des BLHV traf sich am Dienstag zu einer Sitzung. Auf der Agenda standen nachhaltige Wirtschaft und die Wahl des neuen Vorsitzenden.

Neuer Vorsitzender gewählt 

Der BLHV tritt als erstarkte Gemeinschaft auf. Am Dienstagabend haben die Mitglieder Julius Haas zum neuen Vorsitzenden gewählt. "Ich bin ein streitbarer Genosse, für manche unangenehm, weil ich meine Meinung sage", erklärte der neu gewählte Vorsitzende unverblümt. Gewürdigt wurden die Verdienste des bisherigen Vorsitzenden Gerhard Erb, der im Juni verstorben war. Julius Haas tritt damit dessen Nachfolge an.

Eine Mahnung schickte er sogleich in Richtung BLHV. Der BLHV sei die Vertretung aller Landwirte und habe deren Position in Politik und Gesellschaft zu vertreten. "Der BLHV muss sich mit aller Macht für uns einsetzen, sonst brauchen wir ihn nicht", machte Julius Haas unmissverständlich klar. Gemessen am großen Applaus sind die Mitglieder mit ihrer einstimmigen Wahl zum neuen Vorsitzenden sehr zufrieden. Vorgegeben wird von Julius Haas eine offensive Gangart, um den Landwirten und deren Belange um Mensch und Umwelt, aber auch als Ernährer der Menschen gerecht zu werden.

Landwirte wollen nachhaltiger bewirtschaften

Richard Kopf, Mitglied im Vorstand hat die Themenlage der vergangenen zwei Jahre in einer kurzen Bilanz dargelegt und sprach von einem turbulenten Jahr. Blank lagen die Nerven zum Volksbegehren "Pro Biene." Mit Mahnfeuern im Winter 2019/20 erinnerten die Winzer und Landwirte an die Gefährdung von Existenzen, über verschärfte Umweltauflagen. Aufbegehrt haben die Landwirte auch mit ihren grünen Kreuzen, einem stillen aber wirkungsvollen Mahnmal in die Region, gegen die Verbot von Herbiziden und Insektiziden. Gemeinsam wehren sich Landwirte im Hinblick auf Nitratbelastungen im Grundwasser, führte Kopf aus.

Lob für das Engagement des Friesenheimer Ortsverbands kam vom Kreisvorsitzenden Klaus Dorner. Nachdem mit einem Eckpunktepapier das Schlimmste in Sachen Vorgaben für die Landwirte abgewendet werden konnte, zeige sich ein weiteres Problem am Horizont auf. Nicht länger hinnehmen wollen die Landwirte als Schuldige für die Nitratkonzentrationen an den Pranger gestellt zu werden. Der BLHV habe eine Schadensersatzforderung an die NATO gestellt, die in der Zeit von 1967 bis 1994 einen Luftwaffenstützpunkt am Lahrer Flugplatz eingerichtet hatte. Gesucht werden auch Zeitzeugen, ehemalige Angestellte bei den kanadischen Streitkräften in Lahr, die als Zeugen über die Arbeitsweise bei der Enteisung von Flugbahnen mit Harnstoffsäure tätig waren.

Schaden: Nato-Flugplatz soll Boden verunreinigt haben

Rote Nitratgebiete werden ausgewiesen, in denen erhöhte Anforderungen und Einschränkungen hinsichtlich Nitratwerte gelten. Es wird mit wirtschaftlichen Schäden gerechnet, die jetzt gemäß dem Verursacherprinzip mit Schadensersatzforderungen an die NATO weitergereicht werden. Landwirt Karl Silberer sieht in Friesenheim auch die Gemeinde in der Pflicht, wenn in Schuttern nach Starkregenfällen Wasser ungefiltert in die Gräben fließe, weil die überfüllte Kanalisation das Wasser nicht mehr fasse.

Die Mitglieder des Verbands betonten mehrfach ihren hohen Informationsbedarf über den Vorstand und dessen Tätigkeiten. Ortsbegehungen sollen zudem verstärkt auf die Situation der Landwirtschaft aufmerksam machen. Frank Erb, Mitglied im Kreisvorstand will über den BLHV Ortsverband daher künftig im Mitteilungsblatt der Gemeinde Friesenheim Mitglieder informieren.

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