Ausstellung fällt Pandemie zum Opfer "Kunst im Schlössle" ist Geschichte

Zum zweiten Mal in Folge muss Sybille Krastel-Dibbern die Veranstaltung "Kunst im Schlössle" absagen. Ein "nächstes Mal" wird es nicht mehr geben, die Künstlerin gibt auf. Foto: Bohnert-Seidel

Corna: Organisatorin gibt auf

Heiligenzell - "Es wird keine ›Kunst im Schlössle‹ mehr geben", sagt Sybille Krastel-Dibbern, die vor mehr als zehn Jahren die Veranstaltung aus der Taufe gehoben hat. Einhaltung von Hygienekonzepten, Absage von Künstlern zwingen sie in die Knie.

Bereits im Corona-Jahr 2020 musste die Ausstellung "Kunst im Schlössle" im Friesenheimer Ortsteil Heiligenzell abgesagt werden. Mehr als 2000 Flyer waren gedruckt. Im Grunde hätten diese Flyer von 2020 wieder Gültigkeit gehabt. 2021 sollte die Ausstellung "Kunst im Schlössle 2020" werden. "Daraus wird nun aber auch nichts. Ich befürchte die Zeit ist zudem noch nicht ganz reif", betont Sybille Krastel-Dibbern sichtlich enttäuscht. Sie gibt auf und wirft hin. "Es hat keinen Zweck", sagt sie und spricht von Interessenlosigkeit von Seiten der Gemeinde. Hohe Anforderungen an ein Schutzkonzept ließen sich von ihr als Privatperson nicht einhalten. "Als Organisatorin wäre ich verantwortlich", sagt die Künstlerin, die sich vor allem in Sachen Hygienekonzepten etwas mehr Unterstützung erhofft hätte.

Künstler hätte sich mehr Unterstützung von der Gemeinde gewünscht

"Ich kann doch nicht selbst als Ausstellerin auch noch am Eingang meine Besucher kontrollieren", sagt sie erschüttert. Kunst sollte über öffentliche Räume für jeden zugänglich sein, betont sie im Gespräch.

Weiterhin hätten ihr einige Kollegen aus gesundheitlichen Gründen zwischenzeitlich abgesagt. "Corona hat auch ganz schön viel mit der Kunstszene angerichtet", so Krastel-Dibbern. Wer von der Kunst lebe, den habe die finanzielle Situation ganz schön zermürbt. Umso mehr hätte sie sich für die zehnte Kunstausstellung mehr kommunale Unterstützung gewünscht. Für namhafte und talentierte Künstler habe sie im Schlössle die Ausstellungen gerne organisiert. Auch sie selbst habe über die Jahre unermüdlich ausgestellt und neue Werke präsentiert. "Jetzt ist endgültig Schluss. Die Luft ist raus", sagt die in Heiligenzell lebende Künstlerin. Dass sie in all den Jahren vor allem Unterstützung von Charlotte Schubnell, stellvertretende Bürgermeisterin, sowie deren Ehemann Klaus Schubnell erfahren habe, betont sie im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Ansonsten habe sie sich auf weiter Flur als einsame Kämpferin für Kunst im Schlössle vorgefunden.

Dabei biete das Schlössle eine einzigartige Ausstellungsfläche für Kunst, das hätten ihr Gäste in der Vergangenheit mehrfach bestätigt. Jetzt hoffe sie, dass es neue Organisatoren geben wird. Kunst stelle für sie einen besonderen Dialog zum Betrachter her. Das sollte auch künftig möglich sein. Sollte künftig eine Ausstellung für Künstler, auch Hobbykünstler organisiert werden, wünscht sie sich das unter einem anderen Begriff. "Kunst im Schlössle ist einzigartig und das soll so bleiben und in Erinnerung behalten werden."

"Heiligenzell hat die Künstler mit ihren Ausstellungen immer wieder tatkräftig unterstützt. Wir tragen als Gemeinde die Versicherung und unser Ortsteilmitarbeiter hat Wände gestellt, Beleuchtung angebracht und vieles mehr", betont Ortsvorsteherin Brigitta Schrempp auf Anfrage der LZ. Dass die Landesverordnung Hygienekonzepte vorschreibe, sei ein Erlass, an den sich jeder einzelne, ob Privatperson, Vereine oder öffentliche Einrichtungen zu halten habe. Und die Einhaltung dieser Verordnungen obliege dem jeweiligen Veranstalter. "Wir können nicht für jeden die Überprüfung übernehmen", so Schrempp. Wie die Lage im September aussehen wird, könne derzeit ebenfalls niemand sagen. "Noch nie haben wir die Künstler allein gelassen."

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