Friesenheim Kündigung: Kirche bleibt beim Nein

von Christine Bohnert-Seidel
Die kontroverse Kündigung lässt dem Kindergrten St. Elisabeth wohl vorerst keine Ruhe. Foto: Bohnert-Seidel

Elternbeirat trifft sich mit Vertretern der Erzdiözese / Personaldecke im St Elisabeth wird dünner

Friesenheim - Der Fall einer konfessionsbedingten Kündigung einer Erzieherin des Kindergartens St. Elisabeth sorgt für großes Unverständnis unter vielen Eltern. Doch die Kirche bleibt beim Nein.

Kein Einlenken von Seiten der Erzdiözese zur Kündigung von Erzieherin Renate Delakowitz. Die Erzdiözese bleibt beim Nein. Selbst ein Gespräch im Kreis von Kirchenvertretern, Gemeindeverwaltung, Gemeinderat und Elternbeirat des Kindergartens St. Elisabeth gemeinsam mit dem Rechtsbeistand der Erzdiözese in Freiburg hat kein Einlenken gebracht

Bis Oktober noch keinen Ersatz gefunden

Anfang des Jahres war die langjährige Erzieherin in der Kindertagesstätte St. Elisabeth in Oberschopfheim aus der römisch katholischen Kirche ausgetreten. Sie entsagte damit laut eigener Aussage nicht den christlichen Werten und ihrem Glauben, sondern habe lediglich die Konfession gewechselt. Weil sie dies getan hat, wird ihr ein Loyalitätsbruch mit dem Arbeitgeber der katholischen Kirche vorgeworfen, der schließlich zur Kündigung führte.

Die Kündigung der Erzieherin will der Elternbeirat in Vertretung von Marc Gißler nicht hinnehmen. Direkt an Erzbischof Stefan Burger folgte ein Brief mit der eindringlichen Bitte, die Kündigung zurückzunehmen. Argumentiert wird nicht nur mit der Beliebtheit und Fachkompetenz der Erzieherin, sondern auch mit deren starker Verwurzelung im christlichen Glauben.

Hinzu komme das Problem, dass bis Ende des Jahres drei weitere Erzieherinnen aus der Einrichtung gehen werden. Vier offene Stellen gelte es allein im Kindergarten St. Elisabeth zu verkraften. Ob alle Stellen bis im Oktober besetzt werden können, gelte es abzuwarten. Die Elternschaft hatte sich derweil an den Gemeinderat und Bürgermeister Erik Weide gewandt. Der Gemeinderat erklärte in seiner jüngsten Sitzung. dass man die Kündigung missbillige und für künftige personelle Veränderungen eine vorherige Information fordere.

Am Montag, dem 3. August fand schließlich eine Sitzung im Beisein des Justiziars der Erzdiözese statt. "Das Ergebnis lässt kein Einlenken von Seiten der Erzdiözese erkennen", erklärt Elternbeirat Marc Gißler auf Nachfrage der Lahrer Zeitung. Vielmehr wurden alle Beteiligten an der Gesprächsrunde über die rechtlichen, vor allem kirchenrechtlichen Grundlagen informiert.

Grundsätzlich habe die Erzieherin bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags die Grundordnung anerkannt. "Allerdings lässt diese Grundordnung auch mildernde Umstände zu, die im Falle von Renate Delakowitz nicht anerkannt wurden", so Gißler. Von Ökumene sei dieser Ansatz der Kirche weit entfernt. "Für mich ist die Sache jetzt zivilrechtlich durch," erklärt Gißler ernüchternd.

Viele offene Stellen

Bange wird es den Mitgliedern im Gemeinderat mittlerweile bei der Besetzung der offenen Stellen in den Kindergärten. Charlotte Schubnell, die sich im Gemeinderat für eine Stellungnahme gegenüber der Kirche stark gemacht hatte, betont: "Es geht dem Gemeinderat nicht um Einmischung in die Belange der Kirche und ihre Gesetzmäßigkeit. Aber von Seiten der Gemeinde muss die Betreuung von Kindern über den Personalbestand gesichert sein." Dogmatisches Kirchenrecht dürfe sich nicht über die christliche Nächstenliebe stellen. "Für mich war das Treffen mit dem Rechtsanwalt des Ordinariats eine Sternstunde der Juristerei", erklärt Gemeinderat Fred Kletzin. "Unmissverständlich wurde offen gelegt, dass Frau Delakowitz aufgrund ihres Austritts aus der katholischen Kirche die Kündigung bleibt." Die Gemeinde habe freundlich und bestimmt mit den Elternvertretern versucht, eine Brücke zu schlagen, aber es bleibe trotz allem beim kategorischen Nein.

Die Gemeinde vorab von personellen Veränderungen innerhalb der Kindergärten in Friesenheim zu informieren, sei heute aus Gründen des Datenschutzgesetzes nicht mehr möglich, erläuterte der kirchliche Justiziar. Aus der Weimarer Zeit heraus hätten die Kirchen ein Sonderrecht in Fragen ihrer Arbeitsverhältnisse.

Überlegt werden sollte nunmehr, was die Gemeinde stattdessen künftig tun könne. Fred Kletzin verweist auf den sanierungsbedürftigen Zustand des St. Elisabeth Kindergartens. "Es darf gemeinsam mit der Elternschaft diskutiert werden, ob es nicht besser wäre, in einen neuen kommunalen Kindergarten zu investieren und das vorhandene Personal, so weit gewünscht, dorthin mitzunehmen", so Kletzin. Aber dafür müsse es innerhalb des Gemeinderats eine klare Mehrheit geben.

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