Friesenheim "Kopfgeld" auf Umweltsünder

Winzer Richard Kopf ist verärgert. Sein Weinberg wird zunehmend zum Müllberg. Foto: Bohnert-Seidel

Oberweier - "Jetzt reicht’s", sagt sich Winzer Richard Kopf, nachdem er zwischen seinen Reben einen Haufen von Bauschutt vorfand. Er will den illegalen Müllentsorger zur Strecke bringen und setzt für den entscheidenden Hinweis sogar 50 Euro Belohnung aus. "Jetzt reicht es entschieden!", sagt Winzer Richard Kopf. Seine Aufregung gilt einem Schutthaufen, der ihm in der Nacht von Freitag auf Samstag in den Weinberg bei Oberweier gekippt worden ist. Am Samstagmorgen entdeckte er bei seiner Arbeit im Weinberg den Müll, der dort nicht hingehört. "Das ist Aushub aus einer Sanierungsarbeit an einem Haus", stellt der Winzermeister fest. In dem Schuttmaterial stecken Teile von türkis-grünen Fliesen, Kunststoffpartikel, Kohle, Gipsbrocken, Asphalt, Quader von Steinen, Glasscherben und allerlei Papier.

Auch die Gemeinde bittet Bürger, Hinweise der Polizei zu melden

Dass die Winzer in den Weinbergen in der Vergangenheit auch verstärkt zu Müllsammlern geworden sind, das sei leider der gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet, so Kopf. "Wenn die Tonne zu voll, der Weg zum Recyclinghof zu weit oder zu teuer, dann wird der Weinberg zum Müllberg", echauffiert er sich. Dass ihm alte Erde hin und wieder in den Berg gekippt wird, habe er sogar schon hingenommen und selbst in den Weinberg eingearbeitet.

Mit der jüngsten Aktion sei der Bogen aber nun überspannt. Jetzt muss er selbst handeln und den Schutter entsorgen. "Für die Ergreifung der Person setzte ich eine Belohnung von 50 Euro aus", sagt Kopf. Der Oberweierer vermutet, dass es sich bei dem Material um frisch ausgehobenen Aushub auf einem privaten Anwesen handelt. "Die Erde war noch frisch und feucht." Dass er ein "Kopfgeld" aussetzt, sei der Verzweiflung geschuldet. "Langsam weiß ich mir nicht mehr zu helfen", so Kopf. Wenn er den Täter ausfindig gemacht hat, wird er auf jeden Fall mit ihm sprechen und je nach Sachlage bei der Polizei anzeigen.

"Grundsätzlich ist Müll nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ordnungsgemäß zu beseitigen", so die Gemeinde in einer Stellungnahme. Leider sei immer wieder festzustellen, dass Abfälle in der freien Landschaft oder sonstigen Grundstücken abgelagert oder verbrannt werden, heißt es weiter. "Dies stellt einen Verstoß gegen die Bestimmungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes dar", betont Hauptamtsleiterin Anja Reichert gegenüber der Lahrer Zeitung. Falls das Landratsamt als zuständige Behörde hiervon Kenntnis erlange, wird unter Mithilfe der Polizei versucht, den oder die Umweltsünder zu ermitteln. Bei der Gemeinde Friesenheim würden eingegangene Meldungen größerer illegaler Müllablagerungen beim Landratsamt angezeigt und unzulässige Abfalllagerungen beseitigt. Kleinere Verunreinigungen oder Müllablagerungen im öffentlichen Bereich wie beispielsweise Pizzaschachteln, leere Flaschen, Verpackungen von Knabbereien werden von Mitarbeitern des Friesenheimer Bauhofs beseitigt. Sollten jedoch illegale Müllablagerungen beobachtet werden, bittet die Gemeinde die jeweiligen Zeugen um sofortige Meldung bei der Polizei. Idealerweise werden die Meldungen unterstützt von Bildern, Videos oder Personenbeschreibungen. Ein "Kopfgeld" gibt es in der Friesenheimer Gemeinde nicht.

Wer die Person kennt, die eine Anhängerladung Erd- und Aushubmaterial abends oder in den frühen Morgenstunden ausgefahren hat, soll sich unter Telefon 07821/ 997147.

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