Friesenheim Konsumverhalten in der Krise: Kunden gehen auf Nummer sicher

Petra Bohnert (links) von Mode Kohler in Friesenheim stellt ein verändertes Kaufverhalten der Kunden fest. Das gemütliche Bummeln falle derzeit weg. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim/Ried und Rhein - Die Gaststätten und Geschäfte erholen sich langsam von den Auswirkungen des Lockdowns. Deutlich erkennbar bei allen Branchen ist die Erkenntnis: Der Kunde geht in seinem Verhalten auf Nummer Sicher. Im Biergarten von Edgar Stückler, Inhaber des Hotels Schwanen in Ichenheim, sitzen Gäste gemütlich an den Tischen. "Ich habe tatsächlich nach 20 Jahren meinen Biergarten reaktiviert", sagt der "Schwanen"-Wirt. "Ohne Biergarten wäre in der aktuellen Zeit kaum eine Bewirtung möglich." Für Stückler ist es eine kleine Nische, die er jetzt ausprobiere, um sich und seine Angestellten "irgendwie über Wasser zu halten". Guter Dinge sei er nach den Lockerungen der Corona-Verordnungen gewesen.

Gäste setzen voraus, dass sie einen Platz auf der Terrasse bekommen

"Aber die Berührungsängste stecken drin", weiß Stückler. Essen zum Mitnehmen sei ein Angebot, das vielfach genutzt werde, aber nicht wirklich einen Ersatz für entgangene Einnahmen darstelle. Mit Herzschmerzen denke er an Kollegen, die bei fehlenden Gästen und Umsätzen noch ihre Pacht bezahlen müssten.

Ähnlich ergeht es der Inhaberin des Gasthauses Erbprinzen Da Toni, Svetlana Raciti. Gerade einmal kostendeckend seien die Umsätze in der Gaststätte im Schwanauer Ortsteil Ottenheim. Gäste kämen zwar wieder, allerdings nur, wenn sie draußen auf der Terrasse sitzen dürfen. "Nach drinnen wollen wir noch nicht" sei eine Aussage, die Raciti immer wieder höre.

"Unsere Terrasse könnte vier Mal so groß sein und sie würde nicht reichen", sagt auch Anette Rottler vom "Mühlenhof" in Oberweier. Auch würden sich die Autos mit französischen Kennzeichen vor den Gaststätten wieder häufen. "Die Elsässer sind treu", weiß Rottler. Dass noch viele Berufstätige im Homeoffice sind, bemerke sie an den verhaltenen Hotelbuchungen. Noch fehlten die Geschäftsreisende, die einen hohe n Anteil der Reservierungen ausmachten.

Wegen der Sicherheitsabstände sind Räume, die normalerweise Platz für 40 Gäste bieten, auf die Hälfte begrenzt. Weniger Plätze bedeute noch immer weniger Personal. Aus der Kurzarbeit seien viele Gaststätten noch nicht draußen. "Wir warten darauf, dass der Mindestabstand kippt", so Rottler. Dann würden auch wieder die großen Geburtstagsfeiern gebucht. Familien speckten in der Anzahl der Gäste ebenfalls ab.

Ein verändertes Einkaufsverhalten stellt Petra Bohnert von Mode Kohler in Friesenheim fest. "Die Kunden kommen gezielt und wählen aus", so Bohnert. Mehr oder weniger weggefallen sei das Bummeln. Aber nach dem Lockdown hätten sich die Kunden wieder darauf gefreut, sich neu einzukleiden. Bohnert spricht von einer "leichten Erholung" von einer schwierigen Zeit. Ganz gleich, wie sich die Situation auch entwickle, darin sind sich so gut wie alle Branchen nahezu einig: "Aufholen lassen sich die entgangenen Einnahmen der vergangenen zwei Monate im Lockdown auf gar keinen Fall."

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