Friesenheim Klares Ja zur Corona-Praxis

Oberweier - Im alten Pfarrhaus von Oberweier wird ab dem 22. September eine Corona-Schwerpunktpraxis für Friesenheim eingerichtet sein. Das hat der Friesenheimer Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend beschlossen.

Ideale Voraussetzungen für Einbahnverkehr 

Das Pfarrhaus verfüge im Erdgeschoss über ideale Voraussetzungen, um eine Art Einbahnverkehr für die Patienten sicherzustellen. Wer zur Haustür reinkomme, verlasse das Haus anschließend über den Hinterausgang. Diese Trennung lasse sich in den Friesenheimer Hausarztpraxen kaum realisieren, erläuterte Doris Reinhardt, praktizierende Hausärztin in Friesenheim und Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg im Gemeinderat.

Mit ihrer Idee, eine Corona-Schwerpunktpraxis zur Testung und Behandlung von Corona-Patienten für Friesenheim einzurichten, stieß sie im Gemeinderat Friesenheim und im Ortschaftsrat von Oberweier auf viele positive Rückmeldungen. "Wir sehen uns, in der Pflicht zu helfen", betonte Bürgermeister Erik Weide.

Dabei seien einmalige Kosten in Höhe von etwas mehr als 1200 Euro sowie die monatliche Reinigung von 420 Euro reine Nebensache, so Weide. Der Ortschaftsrat von Oberweier hatte noch in der Urlaubszeit einen einstimmigen Beschluss für die Nutzung des Pfarrhauses erteilt.

Anstehende Infektwelle bereitet Ärzten Sorgen 

Nicht nur Reiserückkehrer würden die Infektionszahlen derzeit anschwellen lassen. Kopfzerbrechen bereite den Friesenheimer Ärzten auch die anstehende "Infektwelle", wie sie jedes Jahr im Herbst und Winter vorkomme. Schnell hätten sie gemerkt, dass sich die Trennung von Infizierten zum Schutz anderer Patienten, in den Praxen nur begrenzt umsetzen ließe, erläuterte Reinhardt.

Mit der Corona-Schwerpunktpraxis vermeide die Gemeinde eine mögliche Behandlung von Patienten in Garagen oder Höfen. Denn jede Behandlung sei mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden.

Auslagerung spart wertvolle Zeit 

Eine Auslagerung der Corona-Patienten spare wertvolle Zeit, die allen Patienten zugute käme. Reinhardt betonte das "sehr kollegiale Verhältnis" der gesamten Friesenheimer Ärzteschaft. Mehrfach seien die Praxen in den Monaten April und Mai an ihre Grenzen gestoßen.

Die Ärztin bleibt dabei realistisch: Wir müssten lernen mit dem Virus zu leben. "Hohe und tiefe Infektionsherde werden sich abwechseln. Vielleicht muss auch mal bei einer gesamten Schulklasse ein Abstrich gemacht werden", führte Reinhardt aus. "Das Virus macht keine Ferien." Umso wichtiger ist es nun, "dass viele Zahnräder ineinandergreifen, um die Pandemie in Schach zu halten."

Keine Warteschlangen oder "Drive-In-Station"

Denn die Gesellschaft müsse mit dem Virus leben und trotz Infektionen damit zurechtkommen. Es sei ein wichtiges Ziel der Friesenheimer Ärzte mit der Corona-Praxis zu zeigen, dass das Virus Teil der Gesellschaft sei und nicht verschwinden werde. Die Einrichtung im Pfarrhaus sei nicht ganz behindertengerecht, aber auch dafür gebe es Lösungen.

Aus dem Weg räumte Reinhardt zudem den Gedanken an "lange Autoschlangen oder eine Art Drive-In mit Halligalli vor dem Oberweierer Pfarrhaus." In Lahr gebe es genügend Schwerpunktpraxen und das Pfarrhaus sei ausschließlich für "Friesenheimer und sonst niemanden." Die Genehmigung für die Schwerpunktpraxis dürfte vorerst von der "Kassenärztlichen Vereinigung" bis März 2021 erteilt werden.

Stimmen aus dem Gemeinderat 

Andreas Bix (FW): "Das Pfarrhaus steht leer, weshalb sollten wir es nicht sinnvoll nutzen?"

Charlotte Schubnell (CDU): "In früheren Zeiten wurden im Pfarrhaus ethische Werte vermittelt und gelebt….Wenn wir die Patientenströme filtern, nehmen wir ein Stück weit die Angst."

Martin Althauser, FW: "Das Virus beschäftigt uns und für die Bevölkerung geben wir das Signal, dass wir das Thema ernst nehmen und ein Konzept dahintersteht." Simone Buttenmüller (GLU): "Mit diesem Konzept der Auslagerung bieten wir auch alten und chronisch Kranken mehr Sicherheit zum Besuch der Praxen."

 Markus Rottler (SPD): "Mit Herzblut vertritt Frau Reinhardt ein echtes Anliegen. Jetzt heißt es auch unsere Möglichkeit zu nutzen."

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