Rund 2.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr in Friesenheim Klärschlamm weiterverwenden

Der Abwasserverband Friesenheim hat sich dem zweckverband Südbaden angeschlossen. Interkommunal soll gearbeitet werden und so aus genügend Klärschlamm Phosphor gewonnen werden. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Der Abwasserverband Friesenheim hat seine einstimmige Zusage zu einer Mitgliedschaft beim künftigen "Klärschlammverwertung Zweckverband Südbaden" erteilt. "Mit diesem Beschluss hat der Abwasserverband nicht nur einen Standardbeschluss getroffen, sondern sich auch richtungsweisend für die Zukunft gezeigt", erklärte Bürgermeister Erik Weide in seiner Eigenschaft als Verbandsvorsitzender. Künftig soll eine effiziente, klimagerechte und wirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms in interkommunaler Zusammenarbeit erfolgen. Die Gemeinderäte von Friesenheim, Neuried und Meißenheim haben bereits ihre Zustimmung erteilt.

"Längst hat es sich herumgesprochen, dass in der Entsorgung von Klärschlamm Bewegung ist", eröffnete Weide die öffentliche Sitzung des Abwasserzweckverbands. Klimawandel und die Einsparung von CO2 seien Ursachen für den sensibleren und verantwortungsbewussten Umgang mit Klärschlamm. Dieser wird nicht mehr wie in früheren Jahren als Düngung auf die Felder ausgebracht und auch die Zementwerke übernehmen nicht mehr das Abfallprodukt aus der Abwasserreinigung. "Es ist immer schwieriger geworden, den Klärschlamm loszubekommen", stellte Weide fest. Für das nächste Jahr sei die Entsorgung noch geschafft.

Verpflichtend wird künftig die Phosphorrückgewinnung aus dem Schlamm. Über die vergleichsweise kleine Kläranlage in Friesenheim ließe sich diese Gesetzesvorgabe nicht leisten. Umso wichtiger sei der Beitritt zu einem noch zu gründenden Zweckverband, so Weide. Mit einem konkreten Zustimmungsbeschluss wird voraussichtlich Ende 2021 gerechnet.

In Friesenheim fallen pro Jahr rund 2.000 Tonnen Klärschlamm an

Phosphor sei ein unverzichtbarer Rohstoff. Beim aktuellen Weltverbrauch reichten die Reserven nur noch wenige 100 Jahre aus. Außerdem seien die Phosphorvorräte zunehmend mit Cadmium und Uran belastet. Gut 50.000 Tonnen Phosphor ließen sich realistisch aus kommunalem Klärschlamm rückgewinnen. In Friesenheim fallen pro Jahr rund 2.000 Tonnen Klärschlamm an. Die Rückgewinnung von Phosphor aus dem Klärschlamm ließe sich über die Kommune nicht leisten.

Die Entsorgung des Klärschlamms bleibe eine teure Angelegenheit. Umso wichtiger sei der Zusammenschluss von mehreren Kommunen. Der Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht zählt bereits 28 Mitgliedsgemeinden. Jetzt übernehme er die Federführung bei der Suche nach Mitgliedern zur Gründung des Verbands zur Verwertung von Klärschlamm.

Inwiefern die Entsorgung noch über private Anbieter regeln ließe, bleibt abzuwarten. Wäre die Notwendigkeit zum Bau einer neuen thermischen Klärschlammverwertung gegeben, ließe sich dies auf dem Gelände der Kläranlage des Abwasserzweckverbands Breisgauer Bucht in Forchheim realisieren. Der Standort wäre aus technischer Sicht geeignet. "Über die Bildung eines Zweckverbands zur Klärschlammverwertung ist auf lange Sicht garantiert, den Klärschlamm loszubekommen", so Weide.

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