Friesenheim Große Diskussion über Biogas-Anteil

Von 2022 bis 2024 wird die Gemeinde Friesenheim zehn Prozent ihres Erdgasanteil mit Biogas ersetzen. Dieses wird unter anderem aus dem Mist von Kühen und anderen Tieren gewonnen. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Anteilig Biogas oder nicht? Das wurde in der jüngsten Friesenheimer Gemeinderatssitzung lange diskutiert. Die Entscheidung fiel knapp aus – einige Räte empfanden es als "Mogelpackung".

Der Gemeinderat stimmt mehrheitlich dafür, von 2022 bis 2024 zehn Prozent des Erdgasanteils mit Biogas zu ersetzen. Ob in Biogas tatsächlich bio drin ist, darin schieden sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung allerdings die Geister. Trotzdem hat der Gemeinderat mehrheitlich dem Antrag der Freien Wähler auf zehn Prozent Bezug von Biogas gestimmt.

Insgesamt 9000 Euro höhere Kosten für die Gemeinde

Ratsmitglied Andreas Bix hatte den Antrag für seine Fraktion gestellt. Das Friesenheimer Gremium diskutierte daraufhin lange über "Sinn und Unsinn" von Biogas. Mit dem Antrag waren nicht alle Gemeinderäte einverstanden. Dies zeigte sich auch be der Abstimmung: Elf Gemeinderäte haben für den Antrag der Freien Wähler gestimmt – acht dagegen. Zwei Gemeinderäte enthielten sich. Dafür nimmt die Gemeinde 9000 Euro höhere Kosten in Kauf.

Andreas Bix (FW), der den Antrag formulierte, warb um einen Anteil Friesenheims als Beitrag zum Klimaschutz. Obwohl Friesenheim kein Klimaschutzkonzept formuliere, sollte sie in einzelnen Projekten die Ökobilanz der Gemeinde berücksichtigen.

Mit dem Bezug von zehn Prozent Anteil von Biogas beteilige sich die Gemeinde daran, "die Umwelt ein kleines bisschen besser zu machen", sagt Bix. Von zehn Prozent Biogasanteil halten einige Ratskollegen nichts. "Das ist eine Mogelpackung, weil Biogas zumeist aus umgewandelten Feldern gewonnen wird", erklärte Fred Kletzin (SPD).

Biogasbranche ist groß geworden

Die GLU sähe viel lieber die Einrichtung einer Hackschnitzelanlage in der Gemeinde. Friesenheim brauche Anteile für erneuerbares Gas und keine Mogelpackung, betonte Michael Walter (GLU). "Biogas hat so wenig mit Bio zu tun wie E10 mit Benzin. Wenn wir Monokulturen fördern wollen, müssen wir Biogas beziehen", unterstrich Joseph Hugelmann (GLU). Biogas sei erklärter Etikettenschwindel.

Gemeinderat Julius Haas (CDU) wollte die Argumentation seiner Ratskollegen auch als Landwirt nicht annehmen: "Was soll an Biogas gemogelt sein? Die Verwendung von Mist und Gülle unterstützt die einheimische Landwirtschaft."

"Weil eine Tonne Mist mehr wert ist, als eine Tonne Weizen, ist die Biogasbranche groß geworden", stellte Haas klar. Er plädierte ebenfalls für den Anteil von zehn Prozent Biogas. In der benachbarten Gemeinde Schwanau gelinge es schließlich auch, aus Gülle Biogas herzustellen.

Warum sollte Friesenheim nicht auch ihren Anteil aus zehn Prozent Biogas beziehen, betonte Hans-Jürgen Kopf (FW). Dagegen war wieder Markus Rottler (SPD), viel lieber nähme er (SPD) die 10.000 Euro, die das Biogas mehr kosten, und investiere es in "sinnvollere Projekte". Haas hat seinen Ratsmitgliedern abschließend einen "sachkundigen Nachhilfekurs in Landwirtschaft" angeboten.

Weiter unklar

Ungeklärt bleibt die Frage, woher das Biogas nach Friesenheim komme. Daran störten sich die Gegner des Biogasanteils mehrheitlich. "Wir wissen auch nicht woher unser Strom aus der Steckdose kommt", argumentierte Andreas Bix.

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