Friesenheim Friesenheimer Winzer warten noch

Christian Erb ist unterwegs im Weinberg "Am Schlössleberg" – Müller-Thurgau ist wieder auf dem Vormarsch. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Kräftig gelb, tiefes dunkelrot, leicht rötlich durchfärbt: Der Friesenheimer und Oberschopfheimer Wein hängt prächtig an den Rebstöcken. "Durchweg gesunde Trauben", attestiert Christian Erb, Vize der Friesenheimer Winzergenossenschaft.

Eile zur Lese sieht Christian Erb noch nicht gegeben: "Die Trauben lassen wir noch gut ein paar Wochen dran." Alles sei bislang im grünen Bereich. "Wer will schon im Hochsommer neuer Süßer trinken", merkt Erb an. Eigentlich sind bei Hitze eher Schorle und die leichten, gekühlten Weine gefragt. Ergo bleiben die Friesenheimer Trauben am Weinstock. Aber wenn die Winzerkeller rufen, wie es im Fall Breisach gewesen ist, dann müssen die ersten Trauben runter. So haben Lahrer und Oberschopfheimer Winzer schon in dieser Woche die Müller-Thurgau-Trauben für neuen Wein geholt.

Christian Erb hält beim Gespräch mit der Lahrer Zeitung eine Traube in den Händen. Der Refraktometer kommt erstmals zum Einsatz. Schön goldgelb ist die Farbe der Traube. "Vielleicht 70 Öchsle", vermutet der Fachmann und die Schätzung stimmt auf den Punkt genau mit dem Blick durch den Refraktometer überein: "70 Öchsle, da ist noch mehr drin", vermutet Erb und zeigt sich zufrieden mit Schätzung und Messergebnis.

Jetzt haben die Winzer erst einmal noch eine gewisse Ruhepause vor dem Sturm. Bis zur ersten Weinlese ab dem 31. August gewinne der Wein noch einmal mehr an innerer Reife. Dann, mit Gongschlag zum großen Herbst ab Ende August, dürfte es in diesem Jahr Schlag auf Schlag weitergehen.

Voll hängende Reben und durchweg gesunde Trauben lassen auch 2018 wieder einmal das Winzerherz höher schlagen. 2017, das als Frostjahr in die Geschichte der WG Friesenheim eingehen wird, lag die durchschnittliche Ausbeute, wenn überhaupt, gerade einmal bei 50 Prozent. In diesem Jahr dürften die Winzer hingegen wohl nahezu 100 Prozent des Weines ernten. Das sei auch dringend notwendig, erläutert Erb, denn das Jahr 2017 hat die Winzer nicht nur wegen der über die Witterung gestresst, sondern auch tiefe Löcher in der Kasse hinterlassen.

Kirschessigfliege ist bei der Hitze kein Thema

Weniger Trauben seien nämlich nicht gleichzusetzen mit weniger Pflegeaufwand. Die Kosten hätten ganz schön gedrückt. Bei aller Pracht in den Reben komme der Winzer auch für 2018 nicht ohne ökologischen Pflanzenschutz aus. Zwar halte sich der Befall durch Schädlinge aufgrund der trockenen Witterung zurück, umso stärker sei aber der Druck von Mehltau, Peronospora.

Dennoch sei alles etwas entspannter. In grenzenlosen Optimismus will der Winzer dennoch nicht ausbrechen. "Wer weiß, was uns das Wetter noch beschert", warnt Erb. Hagel etwa wäre katastrophal. Noch sei nicht aller Tage Abend – doch fürs erste sehe es alles sehr gut aus.

  • Bewertung
    1