Friesenheim Friesenheimer sitzt in Peru fest: "Ich habe Angst um mein Leben"

Christine Bohnert-Seidel und Nadine Goltz
Manuel Schnebelt und Alina-Joy Pfau sind seit mehr als zwei Wochen in einer kleinen Wohnung in Cusco eingesperrt. Beide hoffen, so schnell wie möglich wieder nach Deutschland fliegen zu können. Foto: privat

Corona-Krise: Friesenheimer sitzt in Peru fest, Drastische Quarantäne-Maßnahmen / Flüge abgesagt

Friesenheim - Manuel Schnebelt aus Friesenheim sitzt seit mehr als zwei Wochen in Peru fest, wo sich die gesellschaftspolitische Lage weiter zuspitzt. Das Auswärtige Amt bezeichnet die Rückholung der dort festsitzenden Touristen als sehr schwierig.

Brisante gesellschaftliche Lage in Peru 

Das Auswärtige Amt warnt seit dem 15. März und macht auf die brisante Lage in Peru aufmerksam. Alle Flüge wurden von einem Tag auf den anderen gestrichen. Die gesellschaftspolitische Lage spitze sich dramatisch zu. "Ich bin einiges gewohnt, aber nun habe ich Angst um mein Leben", sagt Manuel Schnebelt aus Friesenheim, der seit mehr als zwei Wochen im peruanischen Andenhochland festsitzt telefonisch gegenüber der Lahrer Zeitung. Damit ist er nicht allein: Von mehreren Hundert weiteren festsitzenden Touristen in Cusco schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Touristen, die die Wohnung verlassen, werden verhaftet

Alles hatte mit der Erfüllung eines Lebenswunsches begonnen. Über Madagaskar, Südafrika, Brasilien und Peru sollte es in weitere Länder bis nach Mexiko gehen. Nun sitzt Schnebelt mit einer Reisebegleitung Alina-Joy Pfau in einer winzigen Wohnung in Cusco fest und wartet auf einen Flug nach Deutschland. Über das Coronavirus habe er erst nach und nach erfahren.

"Doch dann ging alles ganz schnell", schildert Schnebelt. Auf dem Rückweg von einer Bergwanderung bekam er mit, dass sich die Stadt Cusco am nächsten Tag vom Rest des Landes abriegeln wird. Die beiden hatten es gerade noch nach Cusco geschafft. Als nächster Schritt sei eine Ausgangssperre von 20 bis 5 Uhr verordnet worden und wurde dann auch auf Nachmittagsstunden verschärft.

Formular mit Haftandrohungen muss unterschrieben werden 

"Medien rufen zur Gewalt gegen Touristen auf. Die Polizei wird von einem Minister angeordnet auf Touristen zu schießen, die sich auf den Straßen befinden. Ein erster Tourist ist aufgegriffen und verhaftet worden. Jeder unterschreibt ein Formular, auf dem mit bis zu sechs Jahren Haft gedroht wird, falls die Wohnung verlassen wird", schildert der Friesenheimer.

Vor einigen Tagen hätten acht Polizisten auch vor seiner Tür gestanden und die beiden dazu gezwungen, das Formular mit Haftandrohung zu unterschreiben. Polizei und Militär patrouillierten durch die Straßen. Mit allen Mitteln würden sie die Einhaltung der Quarantäne durchsetzen.

Deutsche Touristen in Cusco wenden sich an Öffentlichkeit

Vertröstungen und Aussichtslosigkeit bestimmen die Gefühlswelt. Schnebelt weiß von Amerikanern, Israelis, Schweizern und Österreichern, dass sie sich mittlerweile auf dem Heimflug befinden. In einer Online-Petition haben sich deshalb die deutschen Touristen, die sich noch in Cusco befinden, an die Öffentlichkeit gewandt.

Neben verärgerten Worten darüber, dass andere Nationen ihre Staatsbürger bereits aus der drohenden Notsituation in Cusco ausgeflogen hätten, wird darin erläutert, warum das Gebiet so bedrohlich ist: "Cusco befindet sich auf 3400 Metern Höhe, weshalb schon bei leichten Lungenproblemen schwere Komplikationen zu befürchten sind. Im Falle eines unkontrollierten Ausbruchs der Corona-Epidemie gehört somit jeder Einwohner zur Risikogruppe." Außerdem sei die ärztliche Versorgung für den Ausbruch nicht ausreichend vorbereitet.

Eingeschränkte Landegenehmigungen erschweren Rückholung

Während des ersten Gesprächs am Montagmittag mit der Lahrer Zeitung bekam Schnebelt die Mitteilung, dass über das Auswärtige Amt ein Flug von Lima auf den 31. März anvisiert sei – am 31. März saß er noch immer in Cusco fest. "Flüge werden immer wieder abgesagt." Außerdem sei es bei der drastischen Ausgangssperre ungleich schwierig von Cusco nach Lima zu gelangen.

Das Auswärtige Amt begründet die erschwerte Rückholung damit, dass die Landegenehmigung sehr eingeschränkt werde. "Ein Team der Botschaft in Lima ist unterwegs nach Cusco, um die Deutschen dort konsularisch zu betreuen", heißt es. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte die Reisenden via Twitter um Geduld gebeten. "Die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes arbeiten rund um die Uhr – wir sind dran", schreibt er.

Hoffnung hat Schnebelt, heute, Donnerstag, über Chile nach Deutschland zurückzugelangen. "Daran glaube ich aber erst, wenn ich an Bord bin", so Schnebelt gegenüber der Lahrer Zeitung.

In Cusco teile sich der Friesenheimer Manuel Schnebelt ein kleines Zimmer mit seiner Reisebegleitung. Die Temperaturen liegen bei zehn bis 15 Grad. "Eine Heizung gibt es hier nicht", sagt Schnebelt. Wenigstens einmal am Tag dürfe man den Markt besuchen. "Ich habe wirklich Angst", sagt er.