Friesenheim "Es war Liebe auf den ersten Blick"

Pfarrer Rainer Janus kommt gebürtig aus Pforzheim. Für ihn ist Friesenheim aber zur Heimat geworden. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Seit 30 Jahren ist Rainer Janus Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Friesenheim. Nach einem Spaziergang durch den Ort, sei für ihn klar gewesen, dass er hier arbeiten möchte – und hat dies bis heute nicht bereut.

Es ist das Jahr 1990. Judith und Rainer Janus parken ihr Auto auf dem Eisweiher und laufen gemeinsam die Friesenheimer Hauptstraße hinunter. Unterwegs begegnen sie Menschen, die aufmerksam schauen und im Blick haben die beiden das imposante Rathaus.

Zur rechten liegt die Evangelische Kirche. "Uns beiden wurde sofort klar: das ist das schönste Dorf, das wir bisher angeschaut haben", sagt Pfarrer Rainer Janus im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. Zur Auswahl gestanden hätten noch weitere Gemeinden. Aber die Entscheidung ist mit felsenfester Überzeugung für Friesenheim gefallen.

Schon längst hätte er eine Dekanstelle besetzen können

An seiner Liebeserklärung hält Pfarrer Janus, der gebürtig aus Pforzheim kommt, auch nach 30 Jahren noch unerschütterlich fest. Dabei wurde ihm vom damaligen Dekan erzählt, Friesenheim sei eine eher schwierige Gemeinde, was sich in keinster Weise bestätigt habe. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt der 62-Jährige rückblickend.

Die Liebe hat sich im Laufe der Jahre intensiviert. Kleine kostbare Perlen der Begegnungen reihten sich in 30 Jahre aneinander. In der Ehe spricht man von Perlenhochzeit. Janus sagt: "Friesenheim ist unsere Heimat. Eine andere Heimat haben wir nicht."

Innerhalb der Landeskirche hätte er schon längst eine Dekanstelle besetzen können. "Ich bin Pfarrer und bleibe Pfarrer auf dem Dorf", sagt der 62-Jährige. Noch nie habe er nur einen Tag bereut. Im Kirchenbezirk erfüllt er dennoch bereits seit zwölf Jahren die Funktion des stellvertretenden Dekans.

So bringe er immer wieder neue Impulse auch in die Gemeinde. Ganz aktuell beschäftige er sich damit, wie sich die Arbeit mit den Konfirmanden ins digitale Netz bringen lasse. Kirche in Zeiten von Corona und mit den damit verbundenen Einschränkungen sei eine sehr große Herausforderung.

Normalerweise wechseln die Pfarrer nach zwölf Jahren ihre Gemeinde. Das gebe ein rollierendes System in der Landeskirche vor. Aber Janus wollte schon immer ein Pfarrer sein, der Generationen begleitet. "Das ist es, was ich mir immer gewünscht habe, mit den Menschen zu leben."

Die Friesenheimer seien für ihn ein ganz besondere Menschenschlag, mit dem es sich vertrauensvoll leben und immer wieder gut ins Gespräch kommen lasse. Humorvoll nimmt er sich dabei selbst auf den Arm: "Ich denke Friesenheim ist eine Gemeinde, die auch einen schwierigen Pfarrer wie mich gut tragen kann."

Unerschütterlich fügt er hinzu: "Friesenheim ist eine Gemeinde, in der man immer wieder gern bei einem Gläschen Wein zusammensitzt und all die Dinge zur Sprache bringt, die einem auf der Seele liegen oder wieder gemeinsam auf einen Weg bringen."

Herzenssache ist für Pfarrer Janus das Netzwerk Solidarität

Eine Herzenssache ist Pfarrer Janus zudem die Arbeit im Netzwerk Solidarität. "Bewusst wurde die Gründung des Vereins nicht unter kirchliche Trägerschaft gestellt", erklärt er. Alle Menschen seien eingeladen, sich im Sinne der Nächstenliebe und Integration einzubringen. Kirche sei ein lebendiges Miteinander, das stets den Menschen in Toleranz, gegenseitigem Respekt und unerschütterliche Nächstenliebe im Blick habe.

Ausbildung

Rainer Janus hat in der Zeit von 1979 bis 1982 an der Kirchlichen Hochschule in Berlin studiert. Von 1982 bis 1986 zum Abschluss studierte er in Tübingen. Das Lehrvikariat absolvierte er in Ubstadt-Weiher. Von 1988 bis 1990 war er Pfarrvikar in Grenzach. Seit 1990 ist er Pfarrer in Friesenheim.

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