Friesenheim Es regnet Stornierungen

Betreiber von Gaststätten und Hotels in Meißenheim, Schwanau, Neuried und Friesenheim hat die Corona-Krise voll erwischt. Tausende Besucher fehlen, Campingplätze mussten schließen. Sowohl der Frust als auch die Verzweiflung sind groß.

Friesenheim/Meißenheim/Schwanau/Neuried. Normalerweise schleichen um kurz nach 17 Uhr die Autos auf der Suche nach einem freien Parkplatz in der Oberweierer Hauptstraße vor dem Landgasthof Mühlenhof hin und her. Derzeit gibt es allerdings keine Ausbeute für den Gemeindevollzugsdienst. "Das Hotel ist komplett weggebrochen", sagt Stefan Rottler vom Mühlenhof. Am Mittwochabend wurden nur noch zehn Prozent des Umsatzes im Restaurant verbucht. Er ist damit aber nicht allein.

"Bis Ostern fehlen mir 1000 Übernachtungen", benennt Mario Bähr vom Hotel und Landgasthof Ochsen in Friesenheim einen Teil seines wirtschaftlichen Schadens. In der Küche arbeite er nun nur noch allein. In allen Gemeinden haben Hotel- und Gaststättenbetriebe Kurzarbeit angemeldet. "Ich habe so ein tolles Team, ich kann und will niemandem kündigen", betont Rottler und spricht von 55 Angestellten.

Alle Wohnmobile mussten die Stellplätze verlassen

Nicht anders sieht es bei Bähr aus. Mehr als 200 Tische wurden storniert. Familienfeste und -feiern finden nicht mehr statt. Den wirtschaftlichen Schaden will noch niemand beziffern, aber für die einzelnen Kleinbetriebe werde es trotzdem in die Hunderttausende gehen, vermuten die örtlichen Unternehmer. "Das ist schon heftig. Aber wir können doch den Kopf nicht hängen lassen", sagt Bähr. Der Betrieb werde auf ein absolutes Minimum zurückgefahren, um dann wieder dort weiterzumachen, wo er so abrupt aufhören musste. Rottler ist bekannt für seinen Galgenhumor: "Vielleicht versuche ich es mit einem Drive-in", meint er launig. Aber seine ernsten Augen strafen ihn Lügen.

Ilse Junglas, Betreiberin verschiedener Wohnmobilstellplätze in der Ortenau, musste am Mittwoch alle Gäste von den Plätzen in Meißenheim, Gengenbach und Zell verweisen. Idyllisch liegt der Park in der Winkelstraße auf einem riesigen Gelände in Meißenheim. "Kurz vor Ostern beginnt unser Hauptgeschäft", sagt Sohn Tom Junglas, der den Betrieb eigentlich einmal übernehmen sollte.

Der Platz in Meißenheim befindet sich im Eigentum der Familie. Für die Plätze in Gengenbach und Zell wird Pacht bezahlt. Ohne Einnahmen sei kaum eine Zahlung möglich. Niemals ließen sich diese Einbußen aufholen. "Wir können heute nicht sagen, ob wir das nach der Tragödie alles noch einmal anpacken können", so Junglas. Die Politik sieht er massiv gefordert. "Nicht nur die Banken retten. Jetzt gilt es, uns kleine und mittlere Unternehmen zu retten", fordert er. "Wer kann schon noch Kredite zurückbezahlen. Wovon?", fragt Junglas. Mutter Ilse weiß auch um die vielen Nebenakteure, die einen bis im späten Herbst rundum belegten Wohnmobilpark bedienen: Bäckereien, Metzgereien, Einkaufsläden. Der Rattenschwanz werde sich fortsetzen.

"Wir wurden von der Wucht des Coronavirus erschlagen", so der Tenor einiger Unternehmer. Von Hundert auf Null fahren, das lasse sich nicht tragen. Die Lage ist bei allen schwierig.

Davon betroffen ist auch das Seehaus in Schuttern. "Der Campingplatz wird nicht wie gewohnt zum 1. April geöffnet, sondern bleibt bis auf Weiteres geschlossen", heißt es von der Gemeinde Friesenheim, die den Campingplatz selbst betreibt. Damit fehlen auch Peggy und Michael Dockhorn – den Betreibern des Seehauses – wichtige Einnahmen.

Beim Gasthaus Eintracht geht nur noch der Anrufbeantworter dran

Sandra Schätzle spricht im "Prinzen" in Schuttern von gerade mal einem Getränk, das an einem Tag verkauft worden ist – mehr brauche es nicht für die Beschreibung der aktuellen Lage. "Wir sitzen jetzt alle in einem Boot", stellt Edgar Stückler vom Hotel Schwanen in Ichenheim fest. Aktuell hat er bis Ostern 95 Prozent Stornobuchungen. Sicher sei die Unterstützung von Seiten der Politik gefordert. Stückler hofft auf eine Art Stundung von Verbindlichkeiten. "Geld schenken geht nicht. Das fördert mögliche Trittbrettfahrer zutage", so Stückler. Natürlich greife er auf Rücklagen zurück. "Wir werden versuchen, das Ganze durchzustehen. Das ist unser Plan", betont Stückler.

Nur noch fünf Prozent der Einnahmen verbucht Geschäftsführerin Svetlana Raciti vom Erbprinzen "Da Toni" im Schwanauer Ortsteil Ottenheim. Einnahmen versucht die Inhaberin über den Straßenverkauf reinzuholen und hofft auf die Treue ihrer Kunden. Um den Betrieb noch einigermaßen über Wasser halten zu können, geht sie – wie viele andere auch – an die eigenen Ersparnisse.

Im Gasthaus Eintracht in Meißenheim meldet sich Familie Roth nur noch über den Anrufbeantworter mit den Worten: "Aufgrund der aktuellen Situation bleibt unser Gasthaus Eintracht bis Dienstag 31. März geschlossen. Familie Roth wünscht allen eine gute Gesundheit."

Dem Mühlenhof und dem Landgasthof "Ochsen" fehlen jeweils mehr als 1000 Übernachtungen bis Ostern. Kurzarbeit ist für die gesamte Belegschaft angemeldet. Der Campingplatz in Schuttern wäre bis zu den Osterferien, bei 120 Plätzen, bereits zu 80 Prozent ausgebucht gewesen. Allen Personen musste abgesagt werden. Das Seehaus darf von 6 bis 18 Uhr öffnen. Bezüglich der Dauercamper hofft die Gemeinde auf die Vernunft und das Verständnis, die aktuell geltenden Regelungen einzuhalten. Der Wohnmobilpark von Familie Junglas zählt in Meißenheim 26 Stellplätze, in Gengenbach 34 und in Zell 15. Pro Platz werden am Tag zehn Euro bezahlt.

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