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Friesenheim Ergreifende Klänge und Tänze

Gerlinde Tsopatalo (von links), Phoebe Wacker und Annika Bainczyk haben in Schuttern beim Konzert "Bach bewegt, Bach getanzt" das Publikum begeistert. Foto: Bohnert-Seidel

Anlässlich des Jubiläums "1200 Jahre Reichskloster Schuttern" ist am Freitag ein ganz besonderes Konzert aufgeführt worden. Bei "Bach bewegt, Bach getanzt" wurde Bachs Musik tänzerisch untermalt.

 

Schuttern. Die großartige Forell-Orgel verlangt geradezu nach Musik und Werken von Johann Sebastian Bach. Dass diese Musik auch hoch sensibel im Tanz nachempfunden und interpretiert wird, das war den Besuchern des einzigartigen Konzerts in der Klosterkirche neu. "Bach bewegt, Bach getanzt" lautete der vielversprechende Titel zum Konzertabend anlässlich des Jubiläums "1200 Jahre Reichskloster Schuttern" unter der Gesamtleitung von Martin Groß.

Der Kirchenmusiker, Organist, Chorleiter und Komponist holte für seine Interpretationen von Bach-Kompositionen drei tanzende Elfen ins Gotteshaus. Sanftheit, schnelle Intonation und verspielte Körper setzten Bachs Musik in tänzerischer Reinheit und Vielseitigkeit um. Überraschung pur erlebten die Besucher beim ergreifenden Tanz von Phoebe Wacker, Gerlinde Tsopatalo und Annika Bainczyk. Irgendwie saßen die Gäste gespannt in den Kirchenbänken gerade so als warteten sie auf das Ensemble, das aus der Sakristei heraus schreitet und seine Formation offenbarte.

Zum "Praeludium a-Moll" "schwebten" die drei Tänzerinnen fast schon in Zeitlupe in die Kirche. Fasziniert von den Orgelklängen zeigten sich die Besucher erstaunt von dem nahezu himmlischen Auftritt. Ganz in Blau gekleidet drückten sie mit ihrem Tanz die Hingabe und Kraft der Bachinterpretation aus. Religiöse Ausdrucksstärke im zeitgenössischen Tanz hat es in dieser Form in Schuttern noch nie gegeben. Die Premiere für Orgelspiel und Tanz war ein Genuss für die Sinne.

Organist Martin Groß, war im Gegensatz zu den Tänzerinnen nicht sichtbar. Seine Liebe und sein Feuer für Bachs Musik führte er in höchst elektrisierendem und ergreifenden Spiel aus. Die Spiellust von Groß griff auf das Publikum über.

Für ihn zählt die Forell-Orgel in Schuttern zu den schönsten und besten Klanginstrumenten überhaupt. Im Grunde ging in der Kirche förmlich die Post ab. Die Werke Bachs offenbarten sich und arbeiteten die hohe Charakteristika der Forell-Orgel heraus. Eine Verneigung vor dem großen Meister, nicht zuletzt auch über die eigene Interpretation des monumentalen Chorals "Du Friedefürst, Herr Jesu Christi".

Groß ist nicht nur für seine dynamischen und sensiblen Interpretationen der großen Musikmeister bekannt, mit seiner Handschrift verleiht er den Werken ein Hinübergleiten in die Moderne. Stark im Ausdruck und in seiner Virtuosität blieb das von ihm für das Festjahr geschriebene Stück "Metamorphosis Scuttera". Hier entwickelte Groß ein Monumentalwerk, das wahrhaftig die Wandlungen der Schutterner Kirche von ihren Ursprüngen bis zur Gegenwart entwickelt. Grundlage und thematischer Leitfaden dieses Werks ist ein gregorianischer Hymnus, der die Orgel in ihrer Vielfalt und Virtuosität ehrt. Die Zuhörer waren begeistert von einem leidenschaftlichen Festkonzert mit Tanz und Musik.

INFO

Mehr Tanz

Wer Gefallen an der Tanzdarbietung gefunden oder sie verpasst hat, muss sich bis in die Vorweihnachtszeit gedulden. Am Samstag und Sonntag, 16. und 17. Dezember, wird Gerlinde Tsopatala wieder das getanzte Weihnachtsoratorium in Lahr anleiten.

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