Friesenheim "Du willst eine Gitarre? Im Läbe nit"

"Stimmband" bei der Probe (von links): Gregor Schwinde, Michael Sträter, Bernhard Sacherer und Sigrid Seebacher Foto: Würth Foto: Lahrer Zeitung

Es gibt die Gruppe erst eineinhalb Jahre, aber das Repertoire von "Stimmband" umfasst schon 40 Stücke. Kein Wunder: Einige Bandmitglieder haben jahrzehntelange Musikerfahrung auf dem Buckel. Ihre Stilrichtung nennen sie "Flüsterrock" – sie interpretieren Rockklassiker der 60er- und 70er-Jahre mit akustischen Instrumenten. Und begeistern eine stetig wachsende Fanschar mit ihrem mehrstimmigen Harmoniegesang.

Beim Besuch der "Lahrer Zeitung" ist die Stimmung ausgelassen. Die Musiker waren sofort begeistert gewesen, als sie von der neuen Sommerserie gehört hatten. An ihre ersten Schallplatten können sich alle noch gut erinnern und fachsimpeln bei der Bandprobe im gemütlichen Backhäusle von Bernhard Sacherer um die Wette.

"Let it Be" war das Erweckungserlebnis

Der Hausherr hat den Proberaum in Oberschopfheim gut ausgestattet. Ein bisschen eng ist es, deshalb sind rundherum an den Regalbords Haken angebracht, an denen verschiedene Gitarren ihren Platz haben. Sacherer, Lead-Gitarrist und Sänger, ist sein musikalisches "Erweckungserlebnis" im Gedächtnis geblieben: "Als ich ›Let it be‹ von den Beatles das erste Mal im Radio hörte, war ich hin und weg." Die erste Langspielplatte, die er als Jugendlicher in Oberweier sein Eigen nannte, war "Phenomenon" von der britischen Rockband "Ufo". Spontan nimmt Sacherer die Gitarre zur Hand und stimmt "Crystal Light" an, den zweiten Song auf der Platte. "Das haben wir damals schon nachgespielt", erzählt er. "Auf dem Dorf ein ganz schön rotziger Sound", sagt er grinsend. "Im Läbe nit", erwiderte seine Mutter, als er sich seine erste Gitarre wünschte. Das hielt ihn natürlich nicht auf. Mit dem Cousin ging es nach Offenburg, wo sich Sacherer seine erste Klampfe kaufte. Heute können sich Anfänger Tausende Lehrvideos im Internet anschauen, das ging früher nicht. "Man musste sich alles selbst raussuchen", erzählt der Gitarrist. Weil die Auswahl nicht so riesig war, habe man sich sehr intensiv mit der Musik auseinandergesetzt.

Sigrid Seebacher, Sängerin und Perkussionistin, weiß noch, dass ihre ersten Platten Kinderlieder enthielten. "Die hat mir meine Oma immer geschenkt. Sie wollte, dass ich von den Geschichten in den Liedern etwas lerne." Ihr eigener roter Plattenspieler war als Kind Seebachers ganzer Stolz. Auf eine bestimmte Musikrichtung war sie später nie festgelegt: "Ich habe immer gerne alles gehört", sagt sie.

Michael Sträter, Rhythmusgitarrist und Sänger, hat sich seine Rosita-Kompaktanlage 1976 nach der Konfirmation geleistet. "Das war so ein Ding", sagt er und breitet die Arme aus. "Die Anlage hatte Plattenteller, Radio und Kassettendeck zu bieten." Um sich die passenden Tonträger zu finanzieren, trug er Zeitungen aus. Und eines Tages entdeckte er im Aldi-Markt seine erste Platte, die alles andere als billig war: 13,99 Mark musste er für die "Blaue"­ der Beatles berappen. Lachend erzählt Sträter von dem Moment, als er zum ersten Mal die Nadel auf die Rillen legte: "Mein Vater kam ins Zimmer gestürmt und schrie ›Mach die Musik aus!‹". Doch das konnte ihn nicht beeindrucken, eine Woche später besaß er auch die "Rote" der Beatles. Und er hat sie immer noch: "Mein 15-jähriger Sohn hat vor Kurzem einen Plattenspieler geschenkt bekommen. Da haben wir die Beatles wieder rausgeholt und aufgelegt." Die Leidenschaft für Musik liegt offensichtlich in der Familie.

Der Lautsprecher war im Deckel

Auch Bassist und Sänger Gregor Schwinde hat die Musik als Jugendlicher gepackt und nie wieder losgelassen. Seine erste Single war 1963 "Tambourine Man" von den Byrds. Und damit war der Rahmen seines künftigen Musikgeschmacks schon abgesteckt: Folk und Country waren sein Ding. "Meinen ersten Plattenspieler habe ich bei Bertelsmann gekauft", erinnert sich Schwinde. "Der hatte den Lautsprecher im Deckel" (allgemeine Erheiterung bei den Bandkollegen). Später hat Schwinde natürlich vor allem CDs gekauft, aber alle paar Monate legt er auch mal wieder eine LP auf – einen Moment, den er gerne zelebriert. "Da freu’ ich mich richtig drauf", sagt er mit Begeisterung in der Stimme. Es ist ein Ritual, an das sich ältere noch gut erinnern. Man nimmt die Platte vorsichtig mit den Fingerspitzen aus der Hülle. legt sie behutsam auf den Plattenteller und lässt dann den Tonarm rüberschwingen. Mit einem leichten Knacksen landet die Nadel auf der Scheibe. Und Erinnerungen werden wach. Florian Würth

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