Friesenheim "Die Anwohner sind genug belastet"

Friesenheim - Bürgermeister Erik Weide stellt sich gegen ein Lkw-Nachtfahrverbot auf der B 415 für die Lahrer Ortsteile Kuhbach und Reichenbach. Er befürchtet dadurch eine Verlagerung des Verkehrs nach Friesenheim. "Jetzt reicht es mir", sagt Bürgermeister Erik Weide und nimmt klar Stellung gegenüber dem Antrag zum Nachtfahrverbot der Stadt Lahr für Kuhbach und Reichenbach. Die Absage an das Lkw-Nachtfahrverbot auf der B  415 heißt er zum Wohl seiner Bürger entlang der B 3 gut. Leider verlagere sich das Thema zunehmend auf eine politische Schiene, indem sich die Landtags- und Bundestagsabgeordneten deutlich für die Stadt Lahr und deren Belange positionierten, kritisiert Weide.

"Unsere Anwohner sind definitiv genug belastet", betont der Friesenheimer Rathauschef. "Die Position Friesenheims wird bei all diesen Gesprächen, außer von Seiten des Regierungspräsidiums, komplett vergessen", so Weide weiter. "Friesenheim hätte durch das Nachtfahrverbot mit einem Verlagerungsverkehr zur rechnen, den wir so nicht akzeptieren wollen."

Schwerwiegende Folgen für Friesenheim befürchtet

Die Verkehrszählung, die 2018 in Zusammenhang mit der Fortschreibung des Verkehrskonzepts der Gemeinde Friesenheim stattfand, ergab täglich 17 700 Fahrzeuge auf der Bundesstraße in Friesenheim. "Als Gemeinde wollen wir keinen einzigen zusätzlichen Lkw mehr akzeptieren", erklärt Weide. Dass er seine klare Positionierung über die Köpfe der Gemeinderäte hinweg äußere, hänge für ihn mit der Dringlichkeit der aktuellen Lage zusammen.

"Im Herbst werden wir dieses Thema sowohl im Gemeinderat als auch in den Ortschaftsräten diskutieren", so Weide. Nicht nur entlang der B 3 seien die Anwohner genug belastet. Auch entlang der Friesenheimer Hauptstraße, der Bahnhofstraße oder in Heiligenzell hätten die Bürger unter dem Verkehr zu leiden. Warum er sich erst jetzt eindeutig öffentlich positioniert, hänge damit zusammen, dass er sich bisher an dem kreisweiten Verkehrskonzept orientiert habe, so der Bürgermeister. Aber die einseitige Positionierung von Landes- und Bundestagsabgeordneten für die Belange von Lahr hätten ihn zu diesem außergewöhnlichen Schritt in die Öffentlichkeit gezwungen. "Das Ganze wird mir langsam zu politisch", so Weide.

Zu viele Entscheidungen hätten in der Vergangenheit negative Auswirkungen auf Friesenheim gehabt, findet das Oberhaupt der Gemeinde. Die Herabstufung der B 36 auf eine Landstraße brachte verstärkten Lkw-Verkehr nach Friesenheim. Die Entscheidung für das dritte und vierte Bahngleis an der Autobahn verhindere in Friesenheim den Ausbau von Radwegen. Haltestellen am Bahnhof wurden für Friesenheim gestrichen. Bürgermeister Erik Weide signalisierte: "Ich bin nicht mehr bereit, still zu halten."

Friesenheimer Bürger finden für ihre aktuelle Situation klare Worte:

  Harry Reichmann: "Wenn nicht wir, wer dann, hat Verständnis für die Belange der Kuhbacher und Reichenbacher", erklärt Harry Reichmann aus der Adlerstraße. "Natürlich wünschte ich mir auch ein Nachtfahrverbot. Vor allem der Lkw-Verkehr hat stark zugenommen. Einmal mehr mit der Einführung der Autobahnmaut. Die Lkw-Sperrung in Reichenbach mit der Fahrbahnsanierung ist in Friesenheim deutlich spürbar. Es ist mehr geworden."

 Friedlinde Königsmann: "Ich bin froh, dass das Nachtfahrverbot nicht kommt. Es ist nicht mehr schön in Friesenheim. Stationäre Blitzer gehören an die Straße. In anderen Regionen geht das auch."

  Brigitta Wetterer: "Über ein Nachtfahrverbot für Lkws wäre ich auch glücklich. Mit der Gewerbeansiedlung auf dem Lahrer Flugplatz hat der Verkehr um ein Vielfaches zugenommen. Jeden Tag gibt es Staus bis zur Ampel. Friesenheim wird durch die Bundesstraße mittlerweile geteilt. Selbst bei größter Hitze können wir keine Fenster aufmachen."

 Gottfried Beck: "Irgendwie haben wir uns hier schon an den Lärm und die Fahrzeuge gewöhnt. Unser Haus steht sieben Meter von der B 3 entfernt. Das macht sich schon irgendwie bemerkbar. Schön ist der viele Verkehr und Lärm dennoch nicht", erklärt der Oberschopfheimer.

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