Friesenheim "Der Zustand des Waldes ist erschreckend"

Die Lage ist ernst, das weiß Revierförster Christian Junele. Dem Friesenheimer Wald geht es schlecht. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Der Betriebsplan 2021 für den Friesenheimer Wald sieht ein weiteres Defizit in Höhe von 192.000 Euro vor. Einnahmen in Höhe von 466. 000 Euro stehen Ausgaben von 656 .000 Euro gegenüber. Die Gemeinde verfügt über eine forstliche Betriebsfläche von knapp 1425 Hektar. Damit ist sie reich an Wald, aber nicht an Geld, das sie aus dem Holzverkauf generiert. Der Holzmarkt liegt am Boden und der Wald gleich mit. Aufgrund von Trockenheit setzen dem Wald Frasskäfer zu. Im Jahr 2021 wird mit einer weiteren großen Käferentwicklung gerechnet.

Um den Friesenheimer Wald weiterhin vital und am Leben zu halten, muss kräftig in den klimastabilen Waldumbau und in klimaresistente Baumarten investiert werden. Künftig wird mit mehr Trockenheit und Verlusten von Tannen und Fichten gerechnet. "Der Waldumbau aufgrund des Klimawandels wird konsequent weiterverfolgt", sagt Revierleiter Christian Junele in seinem Ausblick auf das Planungsjahr 2021 und die folgenden.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten nach Orkan Lothar erfolgte ein konsequenter Waldumbau. Etwa ein Drittel des Gemeindewaldes ist mit klimastabilen Baumarten wie Eiche, Esskastanie und Douglasie bepflanzt. Auf einer Fläche von 500 Hektar müsse weiterhin investiert werden. Qualitativ hochwertige Hölzer für den Markt erfordern Investitionen in die Jungbestandspflege und Ästungen.

Knapp 6000 Festmeter Schadholz

Das Jahr 2020 schließt für den Wald mit knapp 6000 Festmeter Schadholz. Trockenheit, Dürre und die damit verbundene Käferinvasion bergen einen laut Junele "erschreckenden Gesundheitszustand". In den kommenden Jahren werden die Käfer keine Ruhe geben.

Aufgrund von Trockenheit und Sonnenbrand gestresste Bäume bieten ideale Voraussetzungen für die Population von Borkenkäfern jeglicher Spezies. Vor allem ältere Buchen leiden unter der klimatischen Ausnahmesituation mit erhöhtem Pilzbefall.

Noch in diesem Jahr stehen mehrere 100-jährige Buchen zur Fällung an. Junele kalkuliert mit mehreren hundert Festmetern, die eingeschlagen werden müssen. "Leider wird die Auswahl an möglichen Baumarten im Klimawandel geringer", so Junele.

Im Jahr 2020 wurden auf knapp 3,5 Hektar insgesamt 8200 Bäume gepflanzt. Kulturpflege fand auf 20 Hektar statt. Die Jungbestandspflege hatte in diesem Jahr etwas das Nachsehen. 30 Hektar wurden gepflegt. Die Kosten für die Pflege liegen bei 1000 Euro je Hektar. Fördermittel des Landes Baden-Württemberg sind weggefallen. Zu hoch war die Bindung der Arbeitskräfte an die Käferholzaufarbeitung.

Mit dem geschlagenen Schadholz ist kaum Geld zu verdienen

Nadelrest- und Industriehölzer ließen sich aktuell kaum vermarkten, lediglich frisch geschlagenes Papierholz. Wenn der Wald jedoch nahezu ausschließlich trockene Hölzer aus Dürre- und Käferschäden produziere, gebe es dafür kaum Absatzmärkte. Der Brennholzmarkt steht zudem durch das Überangebot von absterbender Eschen in den Auewäldern unter Druck. Erstmals neu im Sortiment Friesenheimer Brennholz ist Nadelholz. "Davon gibt es im Friesenheimer Wald derzeit leider genug", so Junele.