Friesenheim Corona-Krise: "Solidarität ist wichtiger denn je"

Ute Herzog aus Friesenheim, die seit 15 Jahren die Nachbarschaftshilfe unterstützt, sieht es als Selbstverständlichkeit an, auch in dieser schweren Zeit hilfsbedürftigen Menschen unter die Arme zu greifen. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim/Meißenheim/Neuried/Schwanau - Es gilt gerade, diejenigen zu schützen, die besonders gefährdet sind, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Aus diesem Grund wollen Gemeinden und Vereine der Risikogruppe unter die Arme greifen – unter anderem mit einem Einkaufsservice.

Unterstützung auf verschiedenen Wegen

Die Gemeinden Meißenheim, Friesenheim, Schwanau und Neuried bieten über verschiedene Plattformen den Bürgern, die Hilfe benötigen, Unterstützung an. Die jeweiligen Bürgermeister sind sich einig: Hilfsbereitschaft sei in dieser Zeit wichtiger denn je. So werden auch weitere Helfer, die nötige Einkäufe und Besorgungen erledigen wollen, gesucht.  

Friesenheim: "Ziel ist es, Helfer und Hilfesuchende möglichst schnell zu sammenzuführen. Wir hoffen, dass sich genügend Freiwillige bei uns melden", sagt Bürgermeister Erik Weide. Es gehe darum, die Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst einkaufen gehen können, unter Quarantäne stehen oder zur Risikogruppe gehören, zu unterstützen.

Wer in Friesenheim Hilfe benötigt, könne sich entweder unter Telefon 07821/­6 33 71 01 oder per E-Mail an Einkaufsservice@friesenheim.de melden. Im Laufe der Woche soll es außerdem eine elektronische Plattform auf der Gemeindehomepage unter www.friesenheim.de geben. Über diese Plattform könnten Helfer mit den Hilfesuchenden direkt in Kontakt treten und so auf einfache Weise zusammenkommen.

"Gerade an Wochenenden, wenn die Verwaltung nicht erreichbar ist, kann das eine wertvolle Ergänzung sein", so Weide. Er ist zuversichtlich, dass das Konzept funktioniert. "Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Lage, die von uns einiges abverlangt.

Bereits die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzepts hat gezeigt, wie viel Gemeinschaftsgefühl und Energie in der Bevölkerung stecken und jetzt ist die Zeit schneller gekommen, als wir alle erwartet haben, diese Wünsche und Ziele in die Wirklichkeit umzusetzen." Jeder einzelne sei gefragt und Weide hofft, dass sich viele Menschen melden werden. "Gelebte Solidarität ist jetzt wichtiger denn je."

Meißenheim: Auch die Gemeinde Meißenheim will sich auf mögliche weitere Maßnahmen hinsichtlich des Coronavirus, wie die Ausgangssperre, vorbereiten. "So haben wir über die Gemeinde eine Notversorgung im Wege einer Nachbarschaftshilfe organisiert", sagt Bürgermeister Alexander Schröder.

Diese Form von Hilfe müsse bes chränkt werden auf Alleinerziehende oder hilfsbedürftige Menschen, die nicht durch das nachbarliche Umfeld oder Angehörige versorgt werden können. Wer Bedarf haben sollte, oder wer seine Unterstützung anbieten möchte, kann dies unter Telefon 07824/­­64 68 24 bei der Gemeindeverwaltung anmelden.  

Schwanau: "Wir haben in Schwanau eine gut funktionierende Nachbarschaftshilfe. Mit dem Vorsitzenden André Paul Stöbener habe ich besprochen, dass weitere Personen oder Vereine, die helfen wollen, sich mit ihm in Verbindung setzen sollen", erklärt Bürgermeister Wolfgang Brucker auf Nachfrage der Lahrer Zeitung.

Die Nachbarschaftshilfe könne dann notwendige Einsätze koordinieren. So haben sich bereits die Handball-Damen des TuS Ottenheim dazu entschlossen, die Ärmel hochzukrempeln und die Mitbürger zu unterstützen. "Privatpersonen haben sich auch schon als mögliche Helfer gemeldet. Ebenso hat der Vorsitzende des FC Ottenheim, Marc Karkossa, Unterstützung durch seine Mitglieder angeboten", freut sich Brucker über die gelebte Solidarität und Gemeinschaft in der Gemeinde.

Sollten Bürger aus Schwanau Unterstützung beim Einkauf benötigen, sollten sie keine Scheu haben und es den Helfern mitteilen. "Im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen wir Sie zu unterstützen", heißt es in einer Mitteilung der Nachbarschaftshilfe. Wer sich dem Helfertrupp anschließen möchte, soll sich ebenfalls bei der Nachbarschaftshilfe melden. Weitere Infos gibt es unter Telefon 07824/ 6 64 97 93 oder per E-Mail an info@nachbarschaftshilfe-schwanau.de. "Ich danke ausdrücklich allen, die sich spontan zur Unterstützung bereit erklärt haben", sagt Brucker.

Neuried: Auch in Neuried gelte es in den nächsten Wochen dafür zu sorgen, dass die beschlossenen Maßnahmen des Krisenstabs, mit dem Ziel, Sozialkontakte auf ein Minimum zu beschränken, auch Wirkung zeigen. Wichtig sei unter anderem, hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen.

"In Neuried haben sich bereits einige Hilfsangebote etabliert, sei es organisiert von der Kirchengemeinde, nachbarschaftlichem Engagement oder Vereinen, wie der Generationen-Gemeinschaft Ichenheim", freut sich der stellvertretende Bürgermeister Ralf Wollenbär.

Sollten Fragen zu möglichen Hilfsangeboten entstehen, vermittelt die Gemeinde die Anfragen weiter. Fragen können per E-Mail an hauptamt@neuried.net oder telefonisch unter 07807/9 71 29 geklärt werden. "Wir hoffen, dass die getroffenen Maßnahmen helfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, damit von weitergehenden Einschränkungen abgesehen werden kann", sagt Wollenbär abschließend.

Bäcker liefert Brötchen aus: Mit einem Lieferservice will die Bäckerei "Heitzmann" auch helfen, die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten und gleichzeitig älteren Bürgern die Krisenzeit erleichtern. "Wir liefern die gewünschten Backwaren ab sofort immer von dienstags bis samstags aus", sagt Geschäftsführer Dominik Heitzmann gegenüber der LZ.

Bestellungen werden immer am Vortag per Telefon unter 07821/9 90 94 94; 07824/­66576 oder per E-Mail an kontakt@backwaren-heitzmann.de angenommen. Die Backwaren kommen dann am Folgetag zwischen 8.30 und 10 Uhr bei den Bestellern an.

"Die Ware legen wir vor der Türe ab, klingeln und werden dann auf den nötigen Abstand gehen", erklärt Heitzmann. Die Bezahlung erfolgt bei der nächsten Bestellung. "Wir bitten die Kunden, den passenden Betrag in einem Umschlag bereitzulegen", so Heitzmann. Ausgeliefert wird in Friesenheim, Oberweier, Heiligenzell, Meißenheim, Kürzell, Schutterzell, Ottenheim und Allmannsweier. "Einen Lieferaufschlag werden wir aus solidarischen Gründen nicht erheben."

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